Diskussionsabend des Kreisverbands der Jungen Union zum Bundesteilhabegesetz
Achterbahnfahrt als großer Wunsch

Über das neue Bundesteilhabegesetz diskutierten Behindertenbeauftragte Johanna Meier, Michael Fröhlich, Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein und JU-Kreisvorsitzender Benedikt Grimm (von links). Bild: fz
Politik
Parkstein
18.11.2016
71
0

(fz) Das Bundesteilhabegesetz betrifft 700 000 Menschen mit Behinderung. Der Kreisverband der Jungen Union hatte dieses Thema in einem Diskussionsabend aufgegriffen. Dabei kamen auch ganz konkrete Beispiele zur Sprache.

Im "Steinstadl" saßen Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein, die Sozialamtsleiterin und Behindertenbeauftragte des Landkreises Neustadt/WN, Johanna Meier, sowie Michael Fröhlich von der JU Floß auf dem Podium. "Was liegt im Argen und merzt dies das neue Gesetz zum Wohl der Menschen mit Behinderung aus?", fragte zu Beginn JU-Kreisvorsitzender Benedikt Grimm.

Inklusiver Arbeitsmarkt


Freudenstein, die auch die Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Bundesteilhabegesetz ist, sprach vom größten sozialpolitischen Projekt der Großen Koalition. Kernpunkte seien, den inklusiven Arbeitsmarkt voranzutreiben und den Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung zu geben. "Neben den Werkstätten für behinderte Menschen, an denen man nicht rütteln will, gilt es aber auch, Alternativen zuzulassen, dass Bewegung in den Arbeitsmarkt kommt." Über Bürokratismus, aber auch Probleme vor Ort referierte Meier, bei der Menschen mit Behinderung und Angehörige Rat suchen.

"Nichtbehindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann", leitete Fröhlich ein. Er sitzt nach einer Krankheit seit fünf Jahren im Rollstuhl. Wenn er als politisch interessierter junger Mensch in die Marktratssitzung in Floß will, scheitere er schon an den Eingangstüren. Nach seinem Studium - Fröhlich hat eine Anstellung bei der Stadt Weiden als Wirtschaftsjurist bekommen - habe er sich bei 35 Firmen beworben und sei nie zu einem Gespräch eingeladen worden. Bei Nachfrage sei meist die Auskunft gewesen: "Wir haben keine Barrierefreiheit in unserem Betrieb."

Amerika als Vorbild


Als vor fünf Jahren sein Auto für ihn umgebaut werden musste, brauchte er dafür eine amtsärztliche Zusage. Trotz vorliegender Gutachten wurde er gezwungen, aus dem Rollstuhl aufzustehen und Gehversuche zu machen. Der Amtsarzt habe mit eigenen Augen sehen und nicht den Gutachten folgen wollen, erklärte Michael Fröhlich. Fleißig schrieb die Bundestagsabgeordnete mit, als einige Besucher ihre Probleme erläuterten. Ein Vater berichtete von seinem zehnjährigen Sohn, der im Rollstuhl sitzt. Das Kind würde sehr gerne einmal mit einer Achterbahn in einem Vergnügungspark fahren. Dies sei in Deutschland nicht möglich, in Amerika aber kein Problem.

Behindertenbeauftragte Meier plädierte für eine Dynamisierung der Leistungssätze und das Überdenken von Grenzen. Ihr Wunsch: "Die Leistungen für behinderte Menschen prozentual an die Steigerung der Diäten im Bundestag koppeln."

Nichtbehindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann.Michael Fröhlich
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.