Urban Knitting in Parkstein
Schick in Strick

Der "Parkstein-Baum" ist kunterbunt und geschmückt mit Bommeln, Kirschen, Entchen und vielen anderen Accessoires.
Vermischtes
Parkstein
24.09.2016
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Stricken ist was für Omas. Die sitzen stundenlang auf dem Sofa und klappern mit den Nadeln. Und was dabei rauskommt, sind kratzige Socken. Dass das auf keinen Fall immer stimmt, kann man seit einiger Zeit in Parkstein erleben.

Seltsame Dinge gehen im Ort vor sich. Kahle Bäume am Marktplatz stecken plötzlich in bunten Strickhüllen, vor der Metzgerei baumeln gestrickte Weißwürste an einem Stamm. Fährt man weiter durch das Dorf, entdeckt man noch mehr bunte Bäume.



Der Trend "Urban Knitting" ist im Landkreis angekommen. Angefangen hat die Aktion im Marktcafé von Claudia Steger. Ihre Mutter strickte für das Fest "Beschwingtes Parkstein" eine bunte Wimpelkette. Beim Sonntagsstammtisch, zu dem junge Familien kommen, verselbstständigte sich dann die Idee. "Irgendjemand hat gesagt: 'Da könnt ihr ja gleich Bäume einstricken'", berichtet Steger. Gesagt, getan. Sie denkt sofort an die Strickladies. Donnerstags trifft man die Damen des Strickkränzchens im Marktcafé. Sie stricken und häkeln, was das Zeug hält. Steger berichtet von der Idee und die Frauen legen los, Wollreste haben sie genug. "Jede hat sich einen Baum geschnappt und bestrickt - manche auch mehrere." Rechtlich ist die Aktion völlig harmlos, die Bäume werden nicht verletzt und Steger holte die Genehmigung der Gemeinde ein. Die ist überzeugt von der Idee. "Der Platz wirkt belebter und Autofahrer achten besser auf die ziemlich lädierten Bäume".

Männer erwünscht


Gründerin der Strickgruppe ist Christine Hundhammer. Die Frauen kennen sich aus dem Ort. "Wir haben schon immer einen schönen Platz zum Stricken gesucht. Vor dem Treff im Café hat jede daheim für sich gestrickt." Jetzt kommen sie alle zwei Wochen für zwei Stunden zum Kaffeetrinken und Handarbeiten zu Claudia Steger. Das "Urban Knitting" ist nicht ihr einziges Projekt, momentan sind sie damit beschäftigt, Babysachen zu stricken. Jede hat ihre Vorlieben, es werden Söckchen, Decken und auch Klamotten hergestellt. "Wir arbeiten nicht nach einem Schema, jede strickt, was ihr gerade einfällt." Die Sachen wollen die Frauen für einen guten Zweck spenden - etwa an ein Krankenhaus oder an Flüchtlinge. Einen Wunsch haben die fleißigen Stricklieseln: Es fehlt ein Mann in der Runde. "Den würden wir dann so richtig umgarnen", schmunzeln die Frauen.



Auch die Parksteiner sind begeistert von den bunten Bäumen. So begeistert, dass sie selbst im Schutzengel-Baugebiet angefangen haben, Bäume zu bestricken. Zuerst kreierte Tanja Schraml einen Baum mit Familiennamen, dann Nicola Schiffer einen 1.-FC-Köln-Baum. Belinda Fischer bestrickte ihren Baum mit Fischen und Familie Richter bekam zur EM einen Deutschland-Baum. "Jetzt ist es ein Selbstläufer, fast täglich findet man neue Bäume bei uns", freut sich Nicola Schiffer.

Urban Knitting"Urban Knitting" kommt aus den USA . Es ist eine Form der Street-Art, bei der Gegenstände durch Stricken verändert werden.

Dabei schmücken Strickguerilla-Aktivisten alle möglichen Gegenstände, von Skulpturen über Bäume bis hin zu Regenrinnen mit Häkeleien oder Strickmustern und bringen so Farbe in den grauen Stadt-Alltag. Die "Knittings" können nur der Verschönerung dienen oder auch eine symbolische Bedeutung haben, zum Beispiel feministische Aussagen.

In Deutschland gibt es den Trend seit 2010. "Urban Knitters" bestrickten hier schon einen Panzer vor dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. In München verschönern zwei Studentinnen seit 2011 die Stadt mit ihren Strick-Kunstwerken. (tsa)



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