70 Jahre "Der neue Tag": Walter Winkler über Erfolg und Heimatverbundenheit
"Mit Leib und Seele Oberpfälzer"

Unternehmensgründer Walter Winkler blieb immer mit beiden Beinen am Boden: trotz über 350 Millionen Euro Jahresumsatz und technologischer Weltmarkt-Führung in der Logistik. Im Hintergrund Witron-Geschäftsführer Helmut Prieschenk. Bild: Götz
Wirtschaft
Parkstein
31.05.2016
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Von den weltweit 2300 Witron-Beschäftigten arbeiten mehr als 1400 am Stammsitz in Parkstein (Kreis Neustadt/Waldnaab). Bild: hfz

So einfach erklärt sich Erfolg. "Wenn man das macht, was man gern macht, ist man auch erfolgreich", sagt Walter Winkler. Der 77-jährige Parksteiner ist eine der prägendsten Unternehmerpersönlichkeiten in der Oberpfalz.

Herr Winkler, Witron gilt in der Logistikbranche weltweit als technologischer Marktführer. Wie war das damals, als Sie Witron gründeten? Was gab dazu die Initialzündung?

Walter Winkler: Da gibt es zwei wichtige Beweggründe. Der erste: Ich war in München als Elektroingenieur im Bereich Nachrichtentechnik tätig und wollte etwas anderes machen. Der zweite: Ich wollte zurück in die Heimat. Nicht wenige haben meine Frau und mich damals belächelt, als wir von München zurück in die Oberpfalz gegangen sind. In Weiden gab es Anfang der 70er Jahre aber keine Jobs für Elektroingenieure. Ich war also regelrecht gezwungen, mich selbstständig zu machen. Das war 1971. An Logistik hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht. Aber ich war immer schon ein leidenschaftlicher, mathematischer Logiker. Das hat mir in den letzten 45 Jahren seit der Gründung meiner Firma geholfen.

Welchen Rat geben Sie heute Existenzgründern?

Da gibt es kein Patentrezept. Man muss leidenschaftlich sein, und man darf nie aufgeben. Vor allem muss man sich selbst fragen: Was mache ich gern? Wenn man das macht, was man gern macht, ist man auch erfolgreich. Ich wusste immer: Ich will Projekte machen.

Sie haben eine Stiftung ins Leben gerufen, die Mitarbeiter darin eingebunden, und Sie sind obendrein sozial in hohem Maße engagiert: Muss ein Unternehmer etwas an die Gesellschaft zurückgeben?

Eine Firma ist eine soziale Einrichtung. Sie gehört den Mitarbeitern, die sie aufgebaut haben, nicht den Erben. Das ist meine Überzeugung. Wir haben für unsere Stiftung das Bosch-Modell gewählt, das seit Jahrzehnten bewährt ist.

Wie skizzieren Sie die wirtschaftliche Entwicklung der Nordoberpfalz in den vergangenen Jahrzehnten? Was sind die signifikantesten Veränderungen?

Am signifikantesten ist die Entwicklung weg von einer lohnintensiven Fertigungsindustrie hin zu einer modernen Industrie, in der nahezu jeder Hochschulabsolvent und Facharbeiter einen qualitativ hochwertigen Arbeitsplatz finden kann. Ganz anders als Anfang der 70er Jahre. Hierfür habe ich mich immer eingesetzt, mit meiner Firma und auch bei der Gründung der Hochschule sowie einer von mir finanzierten fünfjährigen Stiftungsprofessur für Logistik.

Mit Witron und den zahlreichen neuen Unternehmen von ehemaligen Witron-Mitarbeitern ist zudem in den letzten Jahrzehnten in der nördlichen Oberpfalz ein wahres Zentrum für Logistik entstanden.

Sie verkörpern den erfolgreichen, ja patriarchalischen Familienunternehmer schlechthin: Welche Eigenschaften braucht es dazu?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Es ging mir nie darum, irgendein Ideal zu verkörpern. Ich wollte auch nie ein Patriarch sein, sondern bin einfach authentisch geblieben.

Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten in Ihrer Heimat investiert: Auch wenn das Kapital wohl andernorts gewinnbringender angelegt wäre ... Muss ein Investor auch seine Heimat lieben?

Ich habe es schon oft gesagt: Ich hätte nirgendwo auf der Welt so erfolgreich sein können wie hier. Ich schätze das Engagement und die Sturheit der Oberpfälzer. Sturheit meine ich im besten Sinne, nämlich, bereit zu sein, seine eigene Meinung zu vertreten. Und ich bin mit Leib und Seele Oberpfälzer.

Eine Firma ist eine soziale Einrichtung. Sie gehört den Mitarbeitern, die sie aufgebaut haben, nicht den Erben.Unternehmer Walter Winkler
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