Netzwerk Heimat Landkreis Neustadt hält Vorträge zum Thema "Windenergie und Kulturlandschaft"
Wind und Widerworte

Bernhard Schmidt (am Rednerpult) begründete Sinn und Zweck zur Nutzung der Windenergie. Sein Kontrahent Johann Bradtka hörte ebenso wie Kreisheimatpfleger Peter Staniczek, Bürgermeisterin Tanja Schiffmann, Landrat Andreas Meier und Kreisheimatpfleger Hans-Joachim Oberndorfer (sitzend, von links) aufmerksam zu. Bild: bey
Wirtschaft
Parkstein
10.11.2014
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"Windenergie und Kulturlandschaft - das muss zusammenpassen", mit diesem Thema befasste sich das "Netzwerk Heimat Landkreis Neustadt" am Samstag. Die Vorträge ausdrücklicher Befürworter und rigoroser Ablehner machten klar: Eine Einigung wird ein hartes Stück Arbeit, wenn es überhaupt dazu kommt.

Landrat Andreas Meier kündigte bereits in der Begrüßung im Rathaussaal an, dass das Thema des Tages keine Generalabrechnung pro oder kontra Windkraft sein werde. Es stehe ausschließlich die Betrachtung der Windkraft in Verbindung mit Heimat und Landschaft zur Diskussion. Gleichwohl kündigte er Anträge im Kreistag auf die Herausnahme von Grundstücken aus dem Naturpark an, um den Weg für den Bau von Windrädern von privater Seite zu ebnen. Der Landkreischef sicherte eine sorgfältige Abwägung der Interessen zu, er persönlich werde sich am Bürgerwillen orientieren.

Messungen seit drei Jahren

Kreisheimatpfleger Peter Staniczek hob hervor, dass die Energiewende "unsere Kulturlandschaft" in rasantem Tempo verwandle. Der Deckung des "gigantischen Energiehungers" durch Sonne und Wind, Holz und Mais, Wasser und Biogas folge die Veränderung der vertrauten Umgebung.

Bernhard Schmidt, Geschäftsführer der Neue Energien West (NEW eG) und damit erklärter Befürworter von Windkraftanlagen, legte dar, dass vor fünf Jahren die Anfänge mit Windkrafträdern gemacht worden seien. Damals noch mit einer Höhe, die für den Betrieb von Windmühlen völlig ungeeignet gewesen sei. Seit drei Jahren werde jetzt im Hessenreuther Wald in ausreichender Höhe Wind gemessen. Denn es sei unabdingbar, Windräder dort aufzustellen, wo auch Wind vorhanden sei.

Schwarzstorch als Schlagopfer

Schmidt bestritt aber nicht die Existenz von schützenswerten Vögeln. Nachgewiesen sei momentan in Deutschland ein Schwarzstorch als "Schlagopfer", in Europa seien es 5 oder 6. Es stehe ebenfalls fest, dass auf 100 tote Vögel als Folge des Straßenverkehrs nur ein toter Vogel aufgrund von Windkraft komme, betonte Schmidt. Ausdrücklich verwies der Geschäftsführer auf die Auflage, bereits beim Bau einer Anlage durch eine hohe Sicherheitsleistung einen möglichen Rückbau abzusichern. Diese Regelung sei aber bei der Bevölkerung kaum bekannt.

Gegen schöne Landschaft und Lebensvielfalt

Johann Bradtka, Vorsitzender "Unser Hessenreuther Wald - Verein für Landschaftspflege & Artenschutz in Bayern e.V.", bedauerte, dass sich der Bund Naturschutz zum "Hässlichen" bekenne und damit gegen schöne Landschaft und Lebensvielfalt in Bayern. Es stehe fest, dass Waldrodungen des Mittelalters und Erschließungen durch Verkehrswege nicht vermochten, das Erscheinungsbild ganzer Landschaften zu ändern, wohl aber geplante Windindustriegebiete. Als Beispiel nannte Bradtka die Landkreise Neumarkt und Hof. Von den Windkraftanlagen als technische Großbauwerke gingen auch mit Blick auf die Rotorbewegungen mit bis zu 400 Kilometern pro Stunde, den Sicherheitskennzeichnungen und den "blinkenden Lichtern" großräumige Wirkungen aus.

Damit werde das Erscheinungsbild der Landschaft erheblich beeinträchtigt. Es sei die herrschende Meinung von Ärzten, Psychologen, Waldpädagogen und Heimatpflegern, dass intakte Wälder die Menschen unbewusst beeinflussten.

Ökologisches Desaster

Einzig allein maßgeblich für die Zerstörung der Landschaft durch Nutzung der Windkraft sei die "unermessliche Gier nach Geld". Diese werde unterstützt von Ideologen der grün-alternativen Ökobewegung und durch nicht durchdachte politische Entscheidungen, klagte Bradtka unter dem Raunen der Zuhörer.

Die Regularien für die Windkraft, wie beispielsweise der bayerische Windatlas mit "exklusiver Mitwirkung" der Naturschutz- und Interessenverbände, seien nahezu unangreifbar, behauptete der Redner. Den Menschen werde nur eine Entscheidungsmöglichkeit zwischen Energiewende oder Atomkraft eingeredet. Zugleich werde versprochen, den Industriestandort Deutschland nachhaltig mit Ökostrom zu versorgen. Vor allem aber werde verschwiegen, dass die Windenergie nur einen Bruchteil der erzeugten Energie in Deutschland betrage, sagte der Windkraft-Gegner. Dies sei nicht mit 25 000 installierten Windrädern in Deutschland plausibel zu machen. "Die jetzt praktizierte Energiewende bewegt sich laut Bradtka "in eine ökonomische Sackgasse und in ein landeskulturelles und ökologisches Desaster".

Größere Windparkanlagen in den Alpen

Kreisheimatpfleger Hans-Joachim Oberndorfer befasste sich mit dem vielbenutzten Begriff der "Kulturlandschaft". Sei der Gedanke "nur nichts zu verändern" vorherrschend?, fragte Oberndorfer. Beim Thema Landschaftsschutzgebiete müssten Politiker überdenken, warum nicht über größere Windparkanlagen in den Alpen gesprochen werde. Gerade bei der Betrachtung von alten Hammerwerken seien Überlegungen angebracht, mit welchen landschaftlichen Veränderungen der Bau dieser Anlagen möglich geworden sei. Mit Blick auf Windräder müsse aber auch hinterfragt werden, ob Aussichtstürme auf dem Rauhen Kulm oder dem Fischerberg oder Gotteshäuser auf den Bergkuppen hingenommen werden müssten.
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