Durch den "Urwald von morgen"

Die Teilnehmer der Exkursion im Naturwaldreservat "Gitschger" mit Revierleiter Markus Liegl (rechts), Forstdirektor Gerhard Schneider (Vierter von rechts), AELF-Gebietsbetreuer Martin Wittmann (Fünfter von rechts) und Johann Weber, AELF-Bereichsleiter Forsten (Sechster von rechts). Bild: iv
Lokales
Pechbrunn
01.10.2015
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Bayerns Wälder werden immer älter, laubholzreicher und ökologisch wertvoller - dies betonte Johann Weber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bei einer Exkursion am Teichelberg. Im Naturwaldreservat "Gitschger" gab es für die Teilnehmer viel zu entdecken.

Neben dem AELF hatte auch der Forstbetrieb Waldsassen zu der Tour an der Südflanke des Teichelberges eingeladen. Den Anlass bildete das laufende Waldnaturschutzjahr. Johann Weber, Bereichsleiter Forsten beim AELF Tirschenreuth, hieß zahlreiche Naturliebhaber willkommen, darunter Josef Siller vom Bund Naturschutz.

Beim Naturschutz im Wald verfolge die bayerische Waldpolitik laut Weber einen integrativen Ansatz, welcher im Slogan "Schützen und Nutzen" gut zum Ausdruck komme. Holznutzung und Naturschutz seien in Bayern keine Gegensätze. Vielmehr ergänzten sich beide Handlungsfelder hervorragend. Ziel sei es, ökologisch wertvolle Wälder zu schaffen. Dass dies gelinge, zeigten die im vergangenen Jahr veröffentlichten Ergebnisse der neuesten Bundeswaldinventur.

Allein die Natur bestimmt

Zu den Waldflächen, in denen es keinerlei Nutzung gebe, zählten die sogenannten Naturwaldreservate (NWR). "Hier bestimmt allein die Natur über Werden, Wachsen und Vergehen", sagte Weber. Diese "Urwälder von morgen" leisteten wertvolle Beiträge zum Erhalt der biologischen Vielfalt, lieferten wichtige Forschungsergebnisse für eine naturnahe Forstwirtschaft und ließen die natürlichen Kreisläufe greifbar erleben. Ein solches Reservat sei das Waldgebiet "Gitschger".

Forstdirektor Gerhard Schneider, Leiter des Forstbetriebs Waldsassen, informierte, dass das 1978 ausgewiesene 69 Hektar große Naturwaldreservat nach Forstmeister Gitschger vom ehemaligen Forstamt Mitterteich benannt worden sei. Es liege im Naturschutzgebiet "Großer Teichelberg" und sei für Flora und Fauna von unschätzbarem Wert. Der Wald sei gespickt mit seltenen Arten, "und es kommen ständig neue hinzu", so Schneider. "Ich möchte Sie nicht länger auf die Folter spannen", sagte Schneider abschließend und lud zu einem Rundgang ein, bei dem alle Sinnesorgane gefragt sein würden.

Markus Wittmann, Gebietsbetreuer beim AELF, und Markus Liegl, örtlicher Revierleiter und versierter Kenner der heimischen Pflanzen- und Vogelwelt, übernahmen die Führung und wiesen auf die ökologischen Besonderheiten des Gebiets hin. Natürlich durfte dabei auch ein Besuch des sagenumwobenen Hankerlbrunnens nicht fehlen. Neben der dominierenden Buche, so Liegl, kämen insbesondere noch Esche, Bergahorn und Fichte in nennenswerten Anteilen vor. Die gemessene Totholzmenge von rund 100 Festmeter pro Hektar liege deutlich über dem Durchschnitt der bayerischen Waldflächen.

Viele seltene Arten

Liegl ging auch auf die Artenvielfalt im Naturwaldreservat ein. Nachgewiesen worden seien die Wildkatze, verschiedene Fledermaus-, Specht- und Taubenarten sowie der Schwarzstorch. Hinzu kämen seltene Gastvogelarten wie Seeadler, Rotmilan und Wander- und Baumfalke. Untersuchungen der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft hätten rund 415 Käferarten, 41 Schneckenarten und 229 Pilzarten ergeben. "Damit hat das Reservat nicht nur nationale Bedeutung, sondern ist auch ein wichtiger Baustein im Netz der Waldreservate Mitteleuropas", betonte Liegl.
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