Säge schafft Tatsachen

Rundum eingesägt wurde der Stamm der Blaufichte. Deshalb wurde der Baum aus Sicherheitsgründen gefällt. Bild: iv
Lokales
Pechbrunn
24.08.2015
16
0

Noch nie hat ein Thema so polarisiert wie die Blaufichte am Schuleingang. Mit einem Bürgerentscheid sollte der Christbaum vor der Motorsäge bewahrt bleiben. Jetzt haben Unbekannte vollendete Tatsachen geschaffen.

Das seit Wochen vieldiskutierte Thema in der Gemeinde hat sich damit von selbst erledigt. Blicken wir kurz zurück: Im Mai beschloss der Gemeinderat, die Blaufichte, die alle Jahre auch als gemeindlicher Christbaum diente, zu fällen und dafür eine neue zu pflanzen. Dagegen hagelte es heftige Kritik. Unterschriften wurde gesammelt, ein Bürgerentscheid initiiert.

Der sollte eigentlich am 8. November stattfinden. Doch der Termin ist hinfällig. Unbekannte sägten den Stamm in der Nacht auf Sonntag nahezu rundum an, so dass eine Fällung aus Sicherheitsgründen notwendig wurde. Bürgermeister Ernst Neumann beauftragte die Mitarbeiter des Bauhofes dazu am Montag.

Geteilte Meinungen darüber hörte man aus der Bevölkerung. Während sich ein Teil über dieses nicht gerade legitime Vorgehen sogar freute, weil jetzt dieses Thema endlich vom Tisch sei, waren die Befürworter des Bürgerbegehrens natürlich maßlos enttäuscht und sprachen von einem kriminellen Akt.

Bürgermeister Ernst Neumann betonte in einer ersten Stellungnahme, dass das Vorgehen in dieser Art nicht gut zu heißen sei. Noch nie in seiner Amtszeit habe ein Thema so polarisiert, wenn es auch nur um einen Baum gegangen sei. "Schade, dass wegen dieser Angelegenheit die Gemeinderätin Angelika Protschky zurückgetreten ist."

Allerdings verhehlte der Bürgermeister auch nicht, dass sich die Gemeinde mit dem Wegfall des Bürgerbegehrens viel Geld gespart habe, das an anderer Seite Verwendung finden könne. Er werde versuchen, zusammen mit den Gemeinderatsmitgliedern eine Platz zu finden, wo ein neuer Baum gepflanzt werde, der dann als Christbaum dienen könne.

Die Vertreter des Bürgerbegehrens waren maßlos enttäuscht. Während Sandra Dehmel von Mafia-Methoden sprach, nannte es Ute Döhler "unheimlich schade", dass der Bürgerentscheid nicht durchführt werden könne. Sie hatte sich gute Chancen ausgerechnet, eine Mehrheit für den Erhalt des Baumes zu erreichen. "Mit dieser Straftat hat man eine demokratische Entscheidung vereitelt."

Die Fraktionssprecherin der SPD im Gemeinderat, Isgard Forschepiepe, betonte, dass sie sich mit dem Ausgang dieser Aktion nicht einverstanden erklären könne. "Die Art und Weise wie hier vollendete Tatsachen geschaffen wurden, ist nicht in Ordnung."

Die von Bürgermeister Ernst Neumann verständigte Polizeiinspektion aus Waldsassen stuft die Nacht- und Nebelaktion als Sachbeschädigung öffentlichen Eigentums ein und nahm die Ermittlungen auf.
Weitere Beiträge zu den Themen: Straftat (812)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.