Tankzug prallt in Gegenverkehr

Wieder ist am Dienstag auf der Autobahn zwischen Mitterteich und Pechbrunn ein Fahrzeug über die Mittelleitplanke in den Gegenverkehr geprallt. Ein Heer von Rettungskräften kümmert sich um die Unfallopfer, schirmt sie gegen neugierige Blicke ab. Bild: rw
Lokales
Pechbrunn
01.07.2015
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Wie sich die Bilder doch gleichen: Noch ist der Horrorunfall vom vergangenen Herbst mit drei Toten und zwei Schwerstverletzten auf der A 93 im Gedächtnis, da kracht es am Dienstagabend an exakt der gleichen Stelle wieder. Und wieder sind die Folgen dramatisch.

"Reiner Zufall", sagt Werner Ochantel, der Chef der Verkehrspolizeiinspektion Weiden, zur Duplizität der Ereignisse. Wie vor neun Monaten hat ein Fahrzeug kurz nach der Anschlussstelle Mitterteich Nord in Fahrtrichtung Hof die Mittelleitplanke durchbrochen und auf der Gegenfahrbahn den entgegenkommenden Verkehr niedergewalzt. Statt eines Geländewagens wie im vergangenen September ist es diesmal aber ein mit 20 Tonnen Flüssiggas beladener Gefahrgut-Transporter.

Tanker außer der Spur

Weil der linke Vorderreifen platzt, kann der 66 Jahre alte Brummifahrer aus Ingolstadt sein schweres Gefährt nicht mehr in der Spur halten. Der Sattelzug gerät auf den linken Fahrstreifen und drückt einen gerade überholenden VW in die Leitplanke, den ein 27-Jähriger aus Ratingen steuert. Der Tanker selbst durchbricht die Mittelplanke, kippt nach links um und schlittert in zwei entgegenkommende Autos.

Mit verheerenden Folgen. Zunächst trifft es einen Volvo, in dem ein Ehepaar aus Schweden in den Urlaub unterwegs ist. Danach stößt der Auflieger in einen Passat, der von einem 54-Jährigen aus Regensburg gesteuert wird. Er verstirbt noch an der Unfallstelle, das Ehepaar erleidet lebensgefährliche Verletzungen und wird mit Rettungshubschraubern in Kliniken nach Regensburg und Weiden geflogen. Der Unfallverursacher kommt mit mittelschweren Verletzungen ins Marktredwitzer Krankenhaus.

Nach ersten Ermittlungen haben die Fahrer wohl das Unglück kommen sehen und versucht, äußerst rechts auszuweichen, doch vergebens. Mehr Glück haben zwei andere Verkehrsteilnehmer: Ein 33 Jahre alter Audifahrer aus dem Landkreis Tirschenreuth und ein 57 Jahre alter Lastwagen-Fahrer aus dem Landkreis Regensburg, die sich noch vor dem Volvo und dem VW befinden, kommen an dem heranstürzenden Tankzug gerade noch vorbei, werden aber gestreift. Zunächst wird vermutet, dass eventuell Flüssiggas ausströmt und Explosionsgefahr besteht. Erste Messungen bestätigen dies aber nicht. Ein Heer von gut 250 Rettungskräften von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Luftrettung, THW und Polizei kümmert sich um die Unfallopfer und die Aufklärung des Hergangs. Die Autobahn wird in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Nicht alle im Stau stehenden Fahrzeuge können ausgeleitet werden. Schwertransporte mit vorgegebener Fahrtroute müssen die ganze Nacht stehen. Problematisch ist vor allem das Umpumpen des Flüssiggases in ein Ersatzfahrzeug. Weil dabei Gas austreten könnte, ist eine großräumige Absperrung notwendig.

Vom Kriseninterventionsteam wird Notfallseelsorger Peter Peischl aus Vohenstrauß alarmiert. Er spendet dem Verstorbenen die Sterbesakramente und kümmert sich wie seine Kollegen auch um die örtlichen Einsatzkräfte. Professionellen Beistand erhält auch die Familie des Unfallopfers in Regensburg.

Die Staatsanwaltschaft Weiden zieht einen Gutachter hinzu. Landratsamt, Gewebeaufsichtsamt und Wasserwirtschaftsamt werden eingeschaltet. Der Sachschaden wird nach ersten Schätzungen auf mindestens 300 000 Euro geschätzt.

Unfälle auf der Umleitung

Noch in der Nacht kommt es auf der Umleitungsstrecke zu zwei weiteren Verkehrsunfällen. Gegen 1.30 Uhr ist ein 23-jähriger rumänischer Autofahrer an der Ausfahrt Pechbrunn viel zu schnell und prallt gegen die Böschung. Seine Beifahrerin wird dabei schwerverletzt und muss mit dem Rettungsdienst in das Krankenhaus Marktredwitz eingeliefert werden. Der Fahrer und zwei weitere Insassen ziehen sich leichte Verletzungen zu. Am Opel entsteht Totalschaden in Höhe von 15 000 Euro.

Vier Stunden später ereilt einen ukrainischen Lkw-Fahrer ein ähnliches Schicksal. Der 33-Jährige prallt beim Raumberghof gegen eine Leitplanke, kümmert sich aber nicht um den angerichteten Schaden und flüchtet von der Unfallstelle. Eine aufmerksame Verkehrsteilnehmerin merkt sich das Kennzeichen und verständigt die Polizei. Nach einer Funkfahndung wird der Ukrainer auf der A 93 bei Luhe gestellt.

Die Behinderungen auf der Autobahn dauern auch den ganzen Mittwoch über noch an. Bis Donnerstagmorgen bleiben die beiden linken Fahrspuren gesperrt, um eine neue Mittelleitplanke zu installieren.
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