Trekkingtour durch Nepal
Der Hölle oft näher als dem Himmel

Alfred Ruhstorfer. Bild: iv
Vermischtes
Pechbrunn
20.06.2016
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Im Gebirge liegen Höhen und Tiefen besonders eng beisammen. Vom hohen Risiko, sich allein der Bergwelt um den Mount Everest auszuliefern, berichtete Alfred Ruhstorfer. Sein Film bot Anschauungsmaterial für Draufgänger.

Groschlattengrün. "Nepal, das Land der Achttausender" hieß ein gut besuchter Filmvortrag im Schützenheim. Der Referent aus Schwarzenbach an der Saale war langjähriger Bereitschaftsleiters der Oberkotzauer Bergwacht. Er berichtete von unvergesslichen Erlebnissen im positiven wie im negativen Sinn, wo er der Hölle oft näher war als dem Himmel. Der ambitionierte Hobbybergsteiger Alfred Ruhstorfer plante diese Tour im Alleingang ohne Sherpas und ließ sich von seinem Vorhaben auch von Kennern der Szene nicht abbringen. Bereits 2007 war er mit einem Freund zu einer solchen Tour aufgebrochen und kannte die Verhältnisse. Allein sein Rucksack, in dem er Kleidung und einen Schlafsack verstaut hatte, wog 23 Kilo. Der Referent gab einen kurzen Einblick in die Entwicklung der Ausrüstung und die Bergsteiger-Szene. Es habe sich in jeder Hinsicht viel geändert, auch mit der Freundschaft am Berg.

Der Film zeigte Eindrücke vom Leben in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals und Ausgangspunkt der Trekkingtour. Per Flugzeug ging es nach Lukla mit der wohl gefährlichsten Landebahn der Welt bei 12 Prozent Steigung. Nur 400 Meter stehen dem Piloten im unwegsamen Gelände auf 3000 Metern Höhe zur Verfügung. Die erste Etappe führte den Schwarzenbacher nach Pakhding. Zum Frühstück gab es Eier anscheinend älteren Semesters, wie sich im weiteren Verlauf der Tour herausstellen sollte. Auf dem steilen Weg nach Namche Bazaar, auch über eine gefährliche Hängebrücke, ging es dem Bergwachtführer ziemlich schlecht. Die ungewohnte Höhenluft tat ein Übriges. Als er die nächste Hütte erreichte, fiel er fast halbtot ins Bett und blieb zweieinhalb Tage liegen. "Als ich mich dann endlich bemerkbar machen konnte, versuchte ich, die deutsche Botschaft in Kathmandu zu verständigen, zunächst ein fast unmögliches Unterfangen."

Die Botschaft zog wegen des Verdachts auf Salmonellenvergiftung einen Rückflug über Thailand in Betracht. Doch ein weiterer Hüttengast sorgte dafür, dass Ruhstorfer regelmäßig warmen Tee bekam. So erholte er sich einigermaßen und setzte die Tour geschwächt fort. Drei Berge bestieg er, bei Minusgraden und stürmischen Winden: den 5900 Meter hohen Chukung, den 5700 Meter hohen Kalapathar und den 5400 Meter hohen Gokyo Ri. Auch das Everest-View-Hotel und das 5400 Meter hoch gelegene Everest-Base-Camp ließ der Bergführer nicht aus. Der Film zeigte Geröllhalden, Gletscherspalten von fast 20 Metern Breite und 200 Metern Tiefe und hohe Eiskegel. Bei einer Übernachtung fielen die Temperaturen in der Hütte von sechs Grad plus auf sieben Grad minus. Richtig brenzlig wurde es für den gesundheitlich schon Angeschlagenen in einer weiteren Hütte ohne Strom und Wasser. Die Betten bestanden aus aufgeschichteten Steinen mit einem Brett als Unterlage. Der Raum wurde mit Yak-Dung geheizt, die Küche hatte keinen Abzug. Als Ruhstorfer als einziger Hüttengast aufwachte, bekam er vor Qualm keine Luft mehr. Er schleppte sich mit letzter Kraft ins Freie und übergab sich. Schließlich war es nach weiteren strapaziösen Tagen eine Wohltat, endlich im Flugzeug zu sitzen.
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