38 Jahre am DJ-Pult
Urgestein der Disco-Welt

Josef Reichl an seinem Arbeitsplatz im "Downtown": An Wochenenden, vor Feiertagen und zu speziellen Anlässen heizt der 60-Jährige seinen Gästen ein. Bilder: bk-media (2)
Freizeit
Pfreimd
10.09.2016
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Bis in die Morgenstunden ist die Disco geöffnet - für den 60-Jährigen gar kein Problem: Er kommt mit wenigen Stunden Schlaf aus.

Die Tür in das "Downtown" ist wie ein Tor in eine andere Zeit. Mit einer beinahe schon trotzigen Vehemenz hat sich die kleine Disco in der Ortsmitte von Pfreimd sämtlichen Modediktaten widersetzt. Großraum-Tanztempeln begegnet das "Downtown" mit persönlichem Flair. Chef dort ist seit 38 Jahren Josef Reichl - immerhin vierfacher Opa.

Reichl - in manchen Kreisen "der Reichlsepp" oder auch "Waschl DJ 4 ever" - ist in der Stadt so etwas wie ein Urgestein, ein Unikat der positiven Art. Generationen von Familien haben in seinem kleinen Tanztempel mit der kultigen, rustikalen Atmosphäre in der Freyung schon die Nacht zum Tag gemacht - und tun es heute noch.

Eine Konstante im Kommen und Gehen ist neben den vielen Stammgästen Josef Reichl: Inhaber, Betreiber, Discjockey, Barkeeper, manchmal auch Türsteher und mittlerweile 60 Jahre alt. Jedes Wochenende, die Tage vor Feiertagen sowie zu speziellen Anlässen wie der Kirwa macht Reichl die Türen zur eigenen Welt des "Downtown" auf: Von 21.45 Uhr bis 5 Uhr morgens steht er dann an seinem Laptop und Mischpult und heizt den Gästen mit Musik von AC/DC bis Zappa ein.

Kein Gedanke ans Aufhören


Früher hatte der gelernte Koch seine Discothek an fünf Tagen in der Woche offen. "Ich weiß aber nicht, ob ich das noch aushalten würde", erklärt er die Reduzierung der Öffnungstage und fügt schmunzelnd hinzu: "Das ist schon ein bisschen wie Vorruhestand". Spaß hat er aber nach wie vor an seinem "Downtown" - wenn auch die Nächte kurz sind. Die nächsten zehn Jahre möchte Reichl schon noch als "Waschl DJ 4 ever" am DJ-Pult stehen und seinen Gästen einen schönen Abend bereiten - "falls gesundheitlich nichts ist", schränkt er ein. Der Discobetreiber hat zwar zum Beispiel Bedienungen an der Bar oder Türsteher. Falls aber Not am Mann ist, hilft er dort auch aus und schenkt Getränke aus oder greift auf der Straße beruhigend ein, falls es dort einmal heißer oder lauter her gehen sollte. "Da ist man dann an allen Fronten", schildert er.

Kurze Nächte


Ein Discoabend endet für Reichl nicht um 5, wenn das "Downtown" schließt und seine Gäste ins Bett gehen. Es gibt zum Beispiel noch die Abrechnung zu machen - und Zeit für einen kleinen Plausch mit den Bedienungen muss auch sein. Es ist meistens 6, halb sieben, ehe für den 60-Jährigen schließlich die Nachtruhe beginnt. Lange dauert sie oft nicht: Am Samstag klingelt der Wecker nach etwa drei Stunden Schlaf schon wieder: Die nächste Disco-Nacht muss vorbereitet werden.

Reichl hat damit kein Problem: "Lange Nächte und kurzer Schlaf machen mir eigentlich überhaupt nichts aus". Nebeneffekt des etwas ungewöhnlichen Lebens-Rhythmusses: Als Reichl zu seinem runden Geburtstag heuer in die USA reiste, hatte er überhaupt keine Probleme mit dem Jet-Lag. Zurück ins "Downtown": Nach einem kurzen Nachmittagsschlaf rüstet sich der Disco-Chef für den Abend. Ein paar Treppen von der Wohnung herunter - und schon steht "Waschl DJ 4 ever" wieder hinter dem DJ-Pult, gerüstet für eine weitere lange Nacht.

Das ist schon ein bisschen wie Vorruhestand.Josef Reichl über die Reduzierung der Öffnungstage


Zwei Lokale, ein BetreiberAuch wenn es für eine 5500-Einwohner-Stadt vielleicht ein bisschen hoch gegriffen ist, aber der Name "Downtown" passt ganz gut: Genau im Herzen der Stadt Pfreimd - in der Freyung 8 - liegt die Discothek von Josef Reichl.

Eröffnet hat der Tanztempel in einer Zeit, als die Bee Gees mit "Night Fever" einen ihrer größten Hits hatten und "Rivers of Babylon" von Boney M. 14 Wochen lang die deutschen Charts anführte. 38 Jahre ist das mittlerweile her, Boney M. haben sich aufgelöst, von den Bee Gees sind bereits mehrere Mitglieder gestorben. Das "Downtown" ist aber nach wie vor da - samt Josef Reichl. Die kultige Kneipe ist eine feste Größe im Nachtleben der Region und hat sich als Anziehungspunkt für Alt und Jung etabliert. Zwischenzeitlich hat Reichl, der schon immer auch eine große künstlerische Ader hatte, die Disco auch als Ausstellungsraum für seine Werke hergerichtet.

Gleich neben dem "Downtown" liegt die Musikkneipe "Yesterday". Auch hier heißt der Betreiber Josef Reichl. Früher eine Gastwirtschaft, hat der heute 60-Jährige die Räume 1998 in Eigenregie zu einer Bar umgestaltet. (tib)
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