Agnes O. Eisenreich verzaubert Publikum
Alte Geschichten aus der Heimat

Agnes O. Eisenreich erzählte alte Märchen und Wirtshausgeschichten aus der Sammlung von Franz Xaver Schönwerth. Bild: sus
Kultur
Pfreimd
26.10.2016
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Es ist wunderbar schaurig, bequem in der warmen Stube zu sitzen und dabei "Alte Geschichten aus der wilden Oberpfalz" zu hören. Erzählerin Agnes O. Eisenreich und den beiden Musikern Stefan Huber und Koma Lüderitz gelang es zum 25. Geburtstag der Stadtbücherei, ihr Publikum zu verzaubern.

Die 70 Gäste, die Büchereileiter Bürgermeister Richard Tischler begrüßte, genossen den Abend im Bürgersaal mit bekannten und doch neuen Geschichten. Franz Xaver Schönwerth und die Gebrüder Grimm sammelten zur gleichen Zeit alte Geschichten. So blieb es nicht aus, dass sich bestimmte Motive wie das der Pechmarie oder Frau Holle in jeder der Sammlungen wieder finden. Schönwerth legte großen Wert auf die Authentizität der Geschichten, um so auch die Lebensumstände der Oberpfälzer zu dokumentieren, und hat sie nicht geschönt - wie die Gebrüder Grimm dies beispielsweise mit Reimen getan hätten, erläuterte Agnes O. Eisenreich.

Die alten Geschichten sind aber keineswegs aus der Mode. Hollywood ließ sie mit Kassenschlagern wie "Die Schöne und das Biest" wieder auferstehen. Die Neuinterpretation von "Hänsel und Gretel" des Kinderbuchautors Paul Maar und die Variante von Schönwerth mit den Menschenfressern trug Agnes O. Eisenreich dem Pfreimder Publikum vor. Armut und Hunger seien zentrale, immer wiederkehrende Themen in den Geschichten der Oberpfalz, weiß Eisenreich. Aber auch eine große Portion List und Witz steckt vor allem in Schönwerths Wirtshausgeschichten.

Agnes O. Eisenreich hatte die Lacher auf ihrer Seite bei dem Kettenmärchen vom Hähnchen und Hühnchen. Bei einem "Kettenmärchen" wird das Grundproblem immer wieder wiederholt und ähnlich einer Kette immer wieder aneinander gehängt, wie man es von dem Lied "Drunt in der greana Au" kennt. In der Geschichte hat das Hühnchen einen Schlehenkern verschluckt und droht zu ersticken. Agnes O. Eisenreich erzählt die Dialektgeschichte so schnell, dass die Zuhörer den Eindruck haben, sie selbst drohe zu ersticken. Der Wortwitz sitzt. Stefan Huber und Koma Lüderitz unterstreichen mit ihrer Musik die Erzählungen. Flott, traditionell, aber auch mit Blues- und Folk-Anklängen bringen sie auf Baritonsaxophon, Schlagzeug, Ukulele, Dudelsack, Amerikanischer Harfe und zahlreichen anderen Instrumenten Farbe in die Geschichten.

Weil Volksmärchen auch immer etwas heilsames haben, gab es passend zu den Wirtshausgeschichten ein Stamperl "Rosali"-Likör aus roten Beeren, verfeinert mit Zimt, Anis, Rosenblüten und Orangen. Das Getränk gilt als Allheilmittel, dessen Rezept ist in alten Märchen überliefert.

"Wasserwelten" zum Bücherei-JubiläumDie Stadtbücherei eröffnet in diesem Jahr eine besondere Saison der Märchenstunden: Zum 25-jährigen Bestehen beherrschen die "Wasserwelten in der Kinder- und Jugendliteratur" das Programm der Bibliothek. Noch bis zum 30. November sind die Bildtafeln und Bücher der Internationalen Jugendbibliothek auf der Blutenburg bei München in den Museumsräumen zu sehen. Geöffnet ist immer dann wenn die Bücherei geöffnet ist. Jeden Freitag ab 15.30 Uhr wird es eine Lesung zum Thema "Wasserwelten" für Kinder geben. Jede dieser Lesungen wird von jemanden gestaltet, der eine spezielle Verbindung zu Pfreimder Wasserwelten hat. Beginnen wird die Wasserwacht Pfreimd am 28. Oktober um 15.30 Uhr. Am 4. November wird ein Überraschungsleser seine Wasserwelt vorstellen. Wasserwart Michael Butz wird am 11. November seine Arbeit präsentieren, und am 25. November erhalten Kinder von der Freiwilligen Feuerwehr einen Einblick in die Welt des Löschwassers. Zum bundesweiten Vorlesetag am 18. November wird Michael Bock mit den kleinen Zuhörern in Wasserwelten eintauchen. Der Eintritt ist frei. (sus)
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Helmut Groschwitz aus Regensburg | 27.10.2016 | 14:12  
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