Borderline: Psychische Störung aufgrund sexuellen Missbrauchs
Psychische Gratwanderung

Nicole Horn (rechts) las aus ihrem Buch "Klang der Seele - Mein Leben mit Borderline". Die Diskussionsrunde moderierte "Buch-Café"-Inhaberin Karin Wilnauer. Bild: sus
Kultur
Pfreimd
31.05.2015
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(sus) Franziska Neidt wurde als Kind sexuell missbraucht. Die Gewalt ist für sie ein Grund für ihre psychische Störung. In ihrem Buch beschreibt sie ihre Erfahrungen mit ihrer Krankheit und deren Therapie. Es war aber nicht Franziska Neidt, die im "BuchCafé" las.

Es gehört eine Menge Mut dazu, über Borderline, erfahrene Gewalt und ähnliche traumatische Erlebnisse zu schreiben und zu sprechen. Nicole Horn hat wohl auch deshalb das Pseudonym Franziska Neidt für ihren Erfahrungsbericht unter dem Titel "Klang der Seele - Mein Leben mit Borderline" gewählt.

Martyrium Borderline

"Mein inneres Kind" nennt Nicole Horn ihr Unterbewusstsein, das sich ungeliebt, einsam, verloren und haltlos fühlt. Ihren Weg aus dem Martyrium Borderline mit extremen Stimmungsschwankungen, manischen und depressiven Phasen, Gewaltausbrüchen bis hin zur Selbstverletzung schaffte sie mit professioneller Hilfe. Ihre Erlebnisse in Kliniken und Praxen beschreibt sie sehr anschaulich. Das Schreiben selbst, aber auch Malen sind Teile der Therapien, die Nicole Horn geholfen haben. Sie berichtet aber auch davon, dass nicht jeder Ansatz für jeden Patienten gleich gut geeignet ist und immer wieder Rückschläge hingenommen werden müssen.

Ergreifende Geschichte

Aufmerksam und still verfolgten die rund 50 Gäste im ausverkauften "BuchCafé" die ergreifende Geschichte der 42-Jährigen. Erst durch die Therapien fand Nicole Horn die Kraft, Anzeige wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu erstatten. Auch wenn die Taten bereits verjährt waren, wertete die Autorin ihren Schritt als Erfolg. Dass sie mit der Anzeige die Täter nach Jahrzehnten dazu zwang, sich mit ihren Verbrechen auseinander zusetzen, genügt Nicole Horn. Der wohl größte persönliche Erfolg für Nicole Horn ist aber, dass sie Frieden mit ihrer Borderline-Erkrankung geschlossen hat. Inspiriert von Filmen wie "My Girl" brachte sie diesen Triumph auch in Gedichtform zu Papier.

Psychische Gratwanderung

Obwohl die Erkrankung Borderline für Außenstehende nur schwer zu begreifen ist, gelang es Nicole Horn, den Zuhörern ein Bild von der psychischen Gratwanderung zwischen depressiven und geradezu fröhlichen Gemütszuständen zu zeichnen. Wie sich in der abschließenden Diskussionsrunde herausstellte, die "BuchCafé"-Inhaberin Karin Wilnauer moderierte, hatte die leidvolle Geschichte der Autorin die Zuhörer in doppeltem Wortsinn mitgenommen. Zugleich freuten sich viele mit ihr über den Erfolg der Therapie für sie selbst und für ihre Familie. Mitnehmen konnte jeder, wie wichtig es ist, psychische Erkrankungen nicht zum Tabu-Thema zu erklären, sondern offen damit umzugehen. Während der Lesung sorgten die Saxofonistinnen Lisa Freiberger und Lea Schuster mit kurzen Stücken für Verschnaufpausen.
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