Catalin Dorian Florescu liest im "BuchCafé"
Reisen zum eigenen Geist

Karin Wilnauer begrüßte Catalin Dorian Florescu im Buch-Café. Der Autor las aus seinem Buch "Der Mann, der das Glück bringt". Bild: tie
Kultur
Pfreimd
02.05.2016
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Karin Wilnauer begrüßte Catalin Dorian Florescu im BuchCafé. Der Autor las aus seinem Buch "Der Mann, der das Glück bringt". Bild: tie

Niemals aufgeben und seinen Weg gehen: Das war die Quintessenz nach der Lesung von Catalin Dorian Florescu im Buch-Café. Der Autor nahm die Besucher mit auf eine Reise nach New York und zeichnete den Großstadtdschungel aus einer Perspektive, die nicht oft geschildert wird.

Der Raum im Buch-Café war nicht groß, wirkte angesichts der Besucherzahl deshalb umso voller, was Buchhändlerin Karin Wilnauer in ihrer Begrüßungsrede sehr freute. Genauso erfreut war sie über Catalin Dorian Florescu, dessen Lesung aus seinem neuesten Roman "Der Mann, der das Glück bringt" sie ankündigte. Der Dichter kommt aus Rumänien, ist in Timisoara (Temesvar), der Hauptstadt des Banat. Er wurde 1967 geboren und lebt seit 1982 in Zürich.

"Bewegte" Protagonisten


So haben ihn zwei Länder geprägt, Rumänien und die Schweiz. Er habe demnach "zwei Leben", wie er meinte. Jedoch habe sich sein Weltbild in der Schweiz in den vergangenen 34 Jahren geformt. Die Hauptprotagonisten seiner Romane sind laut seiner Aussage "bewegt", das heißt, sie sind viel "auf Reisen". Damit ist nicht nur das Herumkommen in der Welt gemeint, sondern mindestens ebenso wichtig ist dabei auch die Entwicklung des eigenen "Geistes", also der eigenen Erfahrungen und der Lehren daraus.

Genau diese Prägung des menschlichen Lebens durch Erlebnisse und deren Verarbeitung zur Erkenntnis von falsch und richtig ist das Hauptthema des Autors. Der Roman des Abends, "Der Mann, der das Glück bringt", beginnt im New York des Jahres 1899. In der Silvesternacht lernen sich Ray und Elena kennen und erzählen sich ihre Familiengeschichte. Dadurch finden sie zusammen. Ray arbeitete in etlichen niederen Berufen, um zu überleben: "Das Leben war kompliziert genug, um es auch noch mit dem Tod zu belasten", lautete seine Einstellung. Und so wird sein Leben in der East-Side dargestellt, indem vielfältig die Erlebnisse eines jungen Mannes, der sich in diesem New Yorker Viertel behaupten musste, vorgeführt werden.

Es ergibt sich die tiefsinnige Charakteristik eines Mannes, der sich weiter entwickeln will und alle verfügbaren unterschiedlichen Erlebnisse dafür nützt. So klingt seine Einwanderer-Geschichte noch heute lebendig und nachvollziehbar, zeigt darüber hinaus ein hochinteressantes Bild einer Stadt aus einer Perspektive, die nicht oft geschildert wird.

Hoffen auf besseres Leben


Im zweiten Teil des Romans wird die Geschichte von Elena erzählt. Vor allem die Zeit vor der Geburt des Sohnes Julian ist dadurch thematisiert, dass die gesamte Umgebung der schwangeren Frau möglichst umfangreich in Handlungen und dazugehörigen Denkweisen dargestellt wird. Auch das kurze Leben des Kindes bildet bis zu den Umständen seines Todes und seiner Beerdigung ein wichtiges Thema, das in bewegenden Schilderungen nahegebracht wird. New York ist ein "Großstadtdschungel", meinte Catalin Dorian Florescu, in dem der "amerikanische Traum" sicher von einigen Menschen verwirklicht werden könne, von vielen anderen aber nicht. Die Hoffnung auf wenigstens ein bisschen besseres Leben ist es, was die Menschen über den Atlantik führt, denn die Herkunftsländer bieten nicht einmal die kleine Chance eines Aufstiegs.

So bieten beide den Kontrapunkt, meinte der Autor, um Gegensätze und Gleichheiten menschlichen Lebens an unterschiedlichen Orten aufzuzeigen. Und der Leser erinnert sich an eigene Erlebnisse und überlegt, wie man sich verhalten hat - gleich oder anders als der im Roman dargestellte Mensch? Entscheidend ist dabei, dass man seinen Weg geht und dabei nie aufgibt. Das erbrachte auch die kleine Diskussion am Ende der Lesung.
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