Aus dem Alltag ausbrechen

Heike Praschel erzählt im Bürgersaal vor rund 100 Gästen von den Erlebnissen ihrer Familie auf Weltreise. In der ersten Reihe links ihr Mann Tom Praschel und die drei Töchter. Bild: sus
Lokales
Pfreimd
21.10.2014
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Den täglichen Trott hinter sich lassen, nur sich selbst und der Familie verantwortlich sein - das ist der Traum vom Aussteigen. Familie Praschel hat diesen Traum verwirklicht. Wie er in Erfüllung ging, berichteten Heike und Tom Praschel im Bürgersaal.

Büchereileiterin Anita Butz begrüßte das Paar mit ihren drei Töchtern vor rund 100 Zuhörern. In Wort und Bild erzählte Heike Praschel von der Reise in einem roten Mercedes-Lastwagen durch Asien und Nordamerika.

Richtung Mongolei

Trotz aller skeptischen Einwände machte sich die Familie aus Stein im Pfreimdtal im März 2010 mit Kindern, Hund und ausgebautem Oldtimer auf in Richtung Mongolei. Entgegen aller Bedenken gewöhnten sich gerade die Kinder schnell an die Enge im Lastwagen und die wechselnden Orte und Menschen. Sie gingen ohne Vorbehalte auf Fremde zu und auf deren Gewohnheiten ein. Schwerer war es für die Erwachsenen, die sich erst an die Menschenmengen in Asien, Tee trinken und die Debatten gewöhnen mussten.

Obwohl die Verständigung oft nur über ein schmales Wörterbuch möglich war, berichtete Heike Praschel, hätten sich zahlreiche herzliche Begegnungen ergeben. Den Zuhörern wird die Episode in einem irakischen Schwimmbad mit einem Adidas-Badeanzug für Damen, der alle Bekleidungsauflagen des Islam einhielt, unvergessen bleiben. Nach außen hin bedecken die Damen Haar und Haut, nach aus westlicher Sicht allen Regeln der Prüderie - in der Geborgenheit einer Damenumkleide in einer öffentlichen Badeanstalt legen sie eine intime Vertrautheit an den Tag, die westliche Besucherinnen beschämt zurück lässt.

Von Banditen keine Spur

Dies ist aber nicht die einzige Erfahrung die Familie Praschel unterwegs gemacht hat. Eine andere ist, dass Gerüchte keine europäische Eigenheit sind.

Auf dem Weg durch die USA hörte die Familie, dass sie auf keinen Fall nach Mexiko fahren solle - ins Land der Banditen und Drogenbarone. Tatsächlich genossen die Praschels an wunderschönen Stränden und auf einsamen Campingplätzen mehrere Wochen, und konnte Wale beobachten. Sogar die Mexiko-skeptischen Freunde aus USA kamen angereist und verbrachten einige Tage mit den Praschels.

Wegen der Schulpflicht von Tochter Emma machte sich die Familie wieder auf den Weg nach Deutschland. Die Umstellung vom Leben als "Weltenbummler", wie Heike Praschels Buch heißt, auf den deutschen Alltag, ging schneller als ihr lieb war.

Nur für die Kinder gab es zwei wesentliche Neuerungen: In Deutschland konnte sie sich mit den Menschen in ihrer Muttersprache unterhalten. Und nach den Erfahrungen in Asien kategorisierten die Kinder die Ausstattung von Sitztoiletten und Badezimmern sehr genau.
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