Das erste Mal Hilfe und Respekt

Bürgermeister Richard Tischler (rechts) und Stadtpfarrer Dr. Xavier Parambi (Dritter von rechts) besuchen jede Aslybewerberfamilie. Im Lohweg wohnen Asni Minuschi und seine Frau Bukuride mit den Kindern Resul, Ismail, Muhamed, Medina, Ergjan, Gyegjan und Jasin. Auch Opa Rexhep (links) ist mitgekommen. Bild: Völkl
Lokales
Pfreimd
30.01.2015
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Schrank, Küche, Sitzbank, Stockbetten: Das Mobiliar ist "überschaubar", der Vater glücklich: "Wir haben alles", freut sich Avni Minuschi. Und es ist das erste Mal, dass ihm "Respekt" entgegen gebracht wird.

Derzeit sind in den vom Landratsamt angemieteten Unterkünften 24 Personen untergebracht: eine bosnische Familie mit einem kleinen Kind in der Landgrafenstraße, zwei Familien aus Russland und Albanien mit einem bzw. zwei Kindern in der Rosengasse und eine albanische Familie mit sieben Kindern und Großvater im Lohweg. Im ersten Stock wohnen zwei Ehepaare aus dem Kosovo. In einem Gebäude in der Wernberger Straße soll noch eine auf 60 Personen ausgelegte Gemeinschaftsunterkunft entstehen. Die Stadt erfährt zwei Tage vor der Ankunft, wer nach Pfreimd kommt.

Bürger helfen

Anmeldung bei der Stadt - sie hat jetzt 24 neue Bürger auf Zeit -, Anmeldung in der Schule, im Kindergarten. "Verfahrensmäßig" könnte man es dabei bewenden lassen. Doch initiiert von der evangelischen Pfarrerin Irene Friedrich und koordiniert von Angi Hirmer greift den Menschen der Arbeitskreis Asyl unter die Arme. Etwa 30 Pfreimder engagieren sich hier, auch die katholische Pfarrei und die Stadt. Es sind keine Sozialträumer. "Das ist nicht so, als ob in Pfreimd Friede, Freude, Eierkuchen herrschen würde, alle Bürger hier ohne Vorurteile wären", so Angi Hirmer. Doch man versuche den Familien, so lange sie in der Stadt leben, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Keiner gehe mit sieben Kindern so hopplahopp aus der Heimat ins Ungewisse. "Da muss man schon einiges an Leid hinter sich haben", so Hirmer. Die Hilfsbausteine aus der Bevölkerung freuen sie. Bürger, die sich schwerpunktmäßig um eine Familie kümmern, eine Frau, die bei Bekannten Sportschuhe für die Kinder organisiert, ein intaktes Fernsehgerät, das ausrangiert wurde. Es gibt viele Kleiderspenden. Derzeit ist man auf der Suche nach einem geeigneten Raum, der dann allen Bedürftigen offen stehen soll.

Sachliche Information in Veranstaltungen soll erst gar keine Berührungsängste entstehen lassen. Bürgermeister Richard Tischler verhehlt nicht, dass es Schmierereien in der Rosengasse gab - ziemlich dilettantischer Natur. Doch Tischler und Stadtpfarrer Dr. Xavier Parambi können auch auf Bürger zählen, die "Mensch sind".

Avni Minuschi wohnt mit seiner Familie - Ehefrau, Opa und sieben Kindern - seit 8. Januar im Lohweg. Er müht sich mit einer defekten Bank ab. Nachbar Franz Koch macht gerade eine Zigarettenpause, geht rüber und hilft. Zwei Pfreimderinnen begleiten die Kinder zur Schuleinschreibung. "Sie sind etwas wild", entschuldigt sich der Vater. Bürgermeister Richard Tischler und Stadtpfarrer Dr. Xavier Parambi statten jeder Familie einen Besuch ab, fragen, was gebraucht wird. Grundleistung fürs Essen gibt es vom Landratsamt, zwei mal im Jahr Gutscheine für Kleidung. "Wir haben alles", meint Avni Minuschi dankbar. So sieht das kleine Glück aus: ein Dach, Essen und Respekt. Die Minuschis sind Roma. Etwas wie Wertschätzung haben sie nie erfahren. Ausgegrenztheit, Repressalien in der Schule, der Onkel, der durch Messerstiche sterben musste. Avni Minuschi ist Schweißer und Metallarbeiter. Seine Familie ernährte er in Prizren mit dem Sammeln von Metall und Flaschen.

Ungewisses Schicksal

Der 32-Jährige kann sich auf deutsch verständigen. Im Kosovo-Krieg sind Mutter und Brüder nach Deutschland geflohen. Die Mutter ist verstorben, zu einem Bruder in Bad Neustadt hat er nach zehn Jahren über Facebook Kontakt bekommen. Wenn es nach dem Familienvater ginge, würde er in Pfreimd bleiben. "Hier wohnen, hier arbeiten. Ich will nicht von der Sozialhilfe leben, sondern ganz normal." Die Familie ist über Ungarn in stundenlangen Märschen mit den sieben Kindern und dem Opa nach Deutschland gekommen. Ob sie bleiben kann? Darüber entscheiden andere. Jetzt, das ist Pfreimd, das ist die Stadt, in der sie gut behandelt wird.

Als Avni Minuschi mit dem Bus zum Landratsamt nach Schwandorf fuhr, fragte er, wo er denn aussteigen müsse. "Setz Dich neben mich, ich zeige es Dir" - ein Satz und eine Geste, die Avni Minuschi beeindruckt hat.
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