Die Iffelsdorfer Schatztruhe

Dr. Christoph Steinmann vom Landesamt für Denkmalpflege, der Kreisheimatpfleger für Archäologie, Ernst Thomann, Bürgermeister Richard Tischler (von links) sowie Landrat Thomas Ebeling (rechts) beim Ortstermin: Dr. Hans Losert (Zweiter von rechts) informierte über die neuesten Funde. Bild: Götz
Lokales
Pfreimd
29.09.2014
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Das 80 Zentimeter lange Schwert eines awarischen Kriegers ist schon auf dem Weg zur wissenschaftlichen Untersuchung. Dr. Hans Losert hatte aber eine Fotografie mitgebracht. Aus einer weiteren Grabstelle wurde ein Beil geborgen. (Bild: Götz)

Welcher Fund wird es diesmal sein? Wenn im Frühherbst die Archäologen in Iffelsdorf Schürfkelle und Pinsel auspacken, sind Sensationsfunde vorprogrammiert: Diesmal das 80 Zentimeter lange Schwert eines awarischen Kriegers.

Seit 13 Jahren ist es das Steckenpferd von Dr. Hans Losert und Dr. Erik Szameit: Der Privatdozent an der Uni Bamberg und der Professor an der Uni Wien gehen den Spuren der Slawen nach, die sich um das neunte Jahrhundert herum in der Oberpfalz ansiedelten. Die Schatzsuche in Iffelsdorf ist mühselig, sorgt aber auch für Goldgräberstimmung unter den 15 Bamberger und Wiener Studenten, die jedes Jahr anrücken: Etwa 40 Gräber sind auf dem slawischen Friedhof, der sich unter dem abgeernteten Maisfeld verbirgt, freigelegt.

Awarischer Schwertfund

In der seit drei Wochen laufenden vierten Kampagne stießen die Archäologen auf Kleinstkinder- und zwei Erwachsenengräber. Der Sandboden zersetzt die Skelette. Meist wurden leider nur Zahnreste gefunden. Das machen die vielen freigelegten Beigaben wett, die den Toten ins Grab mitgegeben wurden: filigran gearbeitete bunte Glasperlen für die Mädchen. Bescheidener die Ausstattung der Männer: Taschenmesser, Pfeilspitzen und Feuerzeuge.

Doch dann die Riesenüberraschung: Die Studenten hatten im September erst einige Tage gegraben, als in einem Männergrab ein 80 Zentimeter langes Schwert eines jungen awarischen Kriegers entdeckt wurde. Es stammt aus dem 8. Jahrhundert und ist "extrem selten im slawischen Milieu dieser Zeitstellung", so Dr. Losert. Ihm ist lediglich ein ähnlicher Fund aus den 1990er Jahren bei Cham bekannt. Zum Iffelsdorfer Schwertfund gehört ein Köcher mit fünf Pfeilspitzen.

Als Dr. Losert, der Kreisheimatpfleger für Archäologie, Ernst Thomann, und der passionierte ehrenamtliche Helfer Kurt Engelhardt gestern Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Richard Tischler stolz die Funde erläuterten, war der Langsax schon auf dem Weg zur Restaurierung.

An Gräbern gekocht

Warum der awarische Krieger wohl auf der Nekropole der oberpfälzer Slawen beigesetzt wurde? Was hatte ihn hierher verschlagen? Dr. Losert spann den Bogen zu Bayerns Herzog Thassilo, dem enge Beziehungen zu awarischen Reiternomaden nachgesagt wurden. Einen awarischen Sensationsfund gab es auch schon im letzten Jahr, erinnerte Dr. Losert an eine vollständig erhaltene, kunstvoll gefertigte Gürtelgarnitur- einmalig in ganz Deutschland.

Teilweise unversehrt präsentieren sich auch die Tongefäße, die in den Gräbern freigelegt wurden. Töpfe zeugen vom Totenkult der oberpfälzer Slawen. An den Gräbern wurde im Gedenken an die Toten gegessen und getrunken, das tabuisierte Kochgeschirr zurückgelassen.

Das Landesamt für Denkmalpflege unterstützt die Grabungen. Dr. Christoph Steinmann nannte eine Magnetometer-Prospektion und einen "Airborne-Laserscan": Er lässt im Umfeld des Gräberfeldes auf Verbindungswege zum Eixlberg und auf Bergbautätigkeiten schließen. "Das Grabfeld ist Teil einer Siedlungslandschaft, die sich langsam zu erkennen gibt", so Dr. Losert. Bedingt durch die Lage an Handelswegen sei die Bevölkerung im Raum Nabburg/Pfreimd durchaus wohlhabend gewesen. Dr. Losert deutet auf die Glasperlenkette eines zwei Jahre alten Mädchens: "Das beste Exemplar in Nordbayern".


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