Farbexplosionen und Poesie

In der "Downtown City Art Gallery" gab es Bilder und Plastiken von Julia Weber, Josef Reichl und Maria Heigl (von links) zu sehen. Die Werke entstammen den unterschiedlichsten stilistischen Richtungen und erzeugten bei der Vernissage ein anregend-spannungsvoller Nebeneinander. Bilder: Dobler (3)
Lokales
Pfreimd
28.06.2015
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Drei stellen aus, einer liest vor und einer beweist, dass er viel leiser Gitarre spielen kann, als man je gedacht hätte. Mittendrin "DJ Waschl", der sein neues Kunstkonzept aufgehen sieht und entsprechend entspannt wirkt.

Nachdem Josef "DJ Waschl" Reichl im März dieses Jahres die neugestaltete Discothek und Kunstgalerie "Downtown City Art Gallery" (Freyung 8) eröffnet hat, war ihm wichtig, dass sie ein Treffpunkt der lokalen Kulturszene wird. Diesem Ziel dient das Vorhaben, mehrmals im Jahr zu Vernissagen einzuladen, die der zwanglosen Präsentation von Gemälden und Plastiken und dem Gespräch dienen.

Vergangene Woche standen die beiden Malerinnen Julia Weber (30) aus Weiden und Maria Heigl (57) aus Pfreimd im Mittelpunkt. Überdies hatte Reichl selbst einige neue Werke aufgestellt, die sich in ihrer knallbunten Farbigkeit perfekt in das Pop-Art-Oevre des 59-Jährigen Gastronomen und Künstlers einreihen.

Intensiver Ausdruck

Die junge Weidnerin Julia Weber hat in Darmstadt Industriedesign studiert und in diesem Jahr in Weiden bereits Ausstellungserfahrung gesammelt, als sie im Februar eine Schau mit eigenen Werken unter dem Titel "Freiheit" zusammenstellen und präsentieren durfte. An die "Downtown City Art Gallery" kam sie auf ganz einfache Weise - sie arbeitet dort als Bedienung. Das Malen ist also der Freizeit vorbehalten, was aber der Intensität des Ausdrucks keinen Abbruch tut.

Stilistisch ist Julia Weber nicht festgelegt, wobei der expressive Gestus in ihren Bilder überwiegt. "So kommt es aus mir heraus", sagt sie. Bei der Vernissage wurden die Werke mit den kräftigen, intensiven Abstraktionen kontrastiert durch dunkle, aber sehr poetische und fein gearbeitete, florale Motive.

Heiterer geht es auf den Bildern der Pfreimderin Maria Heigl zu, die das Malen ebenfalls als Ergänzung zum normalen Leben sieht. Einige ihrer Blumen- und Strandmotive sind in der "Downtown City Art Gallery" versammelt. Eines davon war schon öffentlich zu sehen, als künstlerische Deko im Schaufenster einer örtlichen Apotheke. "Bei uns liegt das Malen in der Familie", versichert Maria Heigl und lacht.

Besonders gelungen ist das Gemälde, das in der Ausstellung mit "Flower Power" betitelt ist und ein flächiges Blumenstillleben zeigt, in dem erdige Töne vorherrschen. Das Gemälde "Sommerflirren" hingegen entführt sofort in die leichte Sommerseligkeit des Mittelmeeres.

Lesung im Garten

Gastgeber Josef Reichl hat sich für die aktuelle Vernissage in die Reihe der Ausstellenden eingefügt, wobei seine Collage "Niagara Falls" gewohnt anspielungsreich und materialreich in das Denken des energiestrotzenden Kreativen einführt. Am auffälligsten und ansprechendsten ist jedoch sein großes Objekt "Skyline", das an Entwürfe des Pop-Art-Künstlers James Rizzi erinnert. Wie Reichl verriet, gibt es Kontakte für eine Ausstellung seiner Werke in Regensburg.

Gegen 20 Uhr zogen die Anwesenden um, vom Inneren der "Downtown City Art Gallery" hinaus in den Biergarten hinter dem Haus. Dort trug dann bei sommerlich-angenehmen Temperaturen, die zum entspannten Zuhören einluden, der Pfreimder Lyriker Kurt F. Stangl einige seiner Gedichte vor. Seit über 30 Jahren ist Stangl als Autor aktiv und in der Region vielen Interessierten durch Lesungen bekannt. Auch "Der neue Tag" hat schon einen Text von ihm abgedruckt.

Besonders berührt hat ihn, als er kürzlich gesehen hat, dass eines seiner Gedichte in einer Todesanzeige zitiert wurde. "Es hat mich gefreut, dass die Menschen darin Trost fanden", versicherte er. Hannelore Lanzl, die Schwester von Josef Reichl, trug nach der Pause auf ausdrücklichen Wunsch von Stangl sein neuestes Werk vor. Diese kurze Geschichte mit dem Titel "Felix" schildert auf berührende Weise einen entscheidenden Moment zwischen Leben und Tod.

Begleitet wurde der Autor von Sebastian Reichl auf der akustischen Gitarre. Reichl ist eigentlich der Kopf hinter der Metal-Band "Deadlock", von der man extreme Phonzahlen gewöhnt ist. Hier aber spielte der Sohn von "DJ Waschl" ganz feine, leise Töne, die zu Herzen gingen und Stangls Texte sehr gut ergänzten.
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