Franz Spichtinger referiert über Jan Hus im Bürgersaal
Heiliger oder Ketzer?

Franz Spichtinger referierte über Jan Hus. Bild: hfz
Lokales
Pfreimd
12.11.2015
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"Jan Hus: Heiliger oder Ketzer?": Den Tod von Jan Hus während des Konzils zu Konstanz, der sich zum 600. Mal jährt, rückte Franz Spichtinger in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Peter Egerer vom Stadtturm Pfreimd konnte viele interessierte Zuhörer im voll besetzten Bürgersaal begrüßen.

Johannes Hus war ein christlicher Theologe, Prediger und Reformator aus Böhmen. Unter anderem Hus' Vorwürfe gegen die Kirche - Korruption, Verschwendungssucht und Reichtum - und seine Forderung nach Armut des Klerus hatten ihm viel Zuspruch gebracht. Entgegen der vorherrschenden Lehre seiner Zeit betonte Hus, dass das Abendmahl in Brot und Wein auch für Laien bestimmt sei. Er kritisierte auch den Ablasshandel, erfundene Reliquien und Wunder oder die Bilderverehrung. Von Sittenverfall und geistlichen Sündern redete er. Das Maß für alle Dinge ist die Heilige Schrift. Mitsprache der Laien und die Verkündigung der Heiligen Schrift in der Muttersprache waren sein Anliegen. Die Gnade Gottes dürfe nicht käuflich sein.

Trotz der Zusicherung freien Geleits zum und vom Konzil in Konstanz wurde Hus dort verhaftet. Er lehnte vor dem Konzil einen Widerruf seiner Lehre stets ab. Er war fest davon überzeugt, rechtgläubig zu sein. Das Kirchenverständnis von Hus gefährdete in den Augen der Konzilsväter die Autorität der Kirche. Auch die Autorität des Konzils erkannte er nicht an. So wurde gegen ihn ein Inquisitions-Verfahren eröffnet. Da man seine Argumente - Hus berief sich vor allem auf die alleinige Autorität der Bibel - nicht gelten ließ und er zudem durch angebliche Zeugen belastet wurde, erklärte man ihn zum verstockten Ketzer. Nach der Urteilsverkündung erfolgte die Degradation, die seinen Ausschluss aus dem geistlichen Stand bedeutete. Schließlich wurde Jan Hus am 6. Juli 1415 als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen am Rheinufer in Konstanz verbrannt.

"Es gibt kein Haupt der katholischen Kirche außer Christus": Das war die Devise des Prager Reformers. Von den Geistlichen seiner Zeit verlangte Hus ein wahrhaftiges und heiliges Leben mit dem Ziel, den Gläubigen zu dienen. Er beklagte, dass die Geistlichen seiner Zeit Gott verachteten und die Kirche durch Gewinnsucht und Heuchelei in Verruf brächten. Zur Zeit des Konzils war Jan Hus etwa 44 Jahre alt und hatte bereits eine beachtliche Karriere hinter sich: Als Sohn armer Bauern geboren, besuchte er die Lateinschule, studierte an der Universität in Prag, wurde zum Priester geweiht und 1409 zum Rektor der Prager Universität ernannt. Heute seien laut Spichtinger vonseiten der Kirchenführung in Rom noch entscheidende Schritte zu tun, um Hus als Reformator zu rehabilitieren.
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