Goldschatz im Sand

Mit kleinem Arbeitsgerät wie Kelle oder Stukkatuer-Eisen wird mit ruhiger Hand gearbeitet. Am unteren Bildrand hebt sich aus dem Boden ein Schädel ab, im oberen Teil des Grabes wird ein Oberschenkelknochen sichtbar.
Lokales
Pfreimd
25.09.2015
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Die Schönsten haben sich zum Abschied aufgereiht. Die bunten Glasperlen glänzen in der Sonne. Am Freitag gingen die archäologischen Grabungen nach sieben Wochen bei Iffelsdorf zu Ende, doch die Quelle ist noch nicht versiegt.

"Hans! Ich hab' eine Perle!", schallt es von einem Grabungsteil hart an der Grenze zur Straßenböschung. Nur der geschulte Blick der Studentin identifiziert das Etwas als Perle, für den Laien schaut es wie ein Sandkorn aus. In einem anderen Grab zeichnet sich ein Schädel ab und mit einem Stukkateur-Eisen wird vorsichtig ein Oberschenkelknochen freigelegt. Zwei Studenten der Uni Bamberg schütteln Sandstreuer. "Das ist Sisyphusarbeit", sagt Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie. Der Sand wird noch einmal gesiebt, damit nichts verloren geht. Die Rede ist von Perlenstücken oder Zahnresten.

Mille-Fiori-Perlen

Auf dem "Kapellenfeld" herrscht am späten Freitagvormittag noch geschäftiges Treiben, doch Dr. Hans Losert, Privatdozent an der Universität Bamberg, ist zuversichtlich, dass nachmittags Schluss ist. Sieben Wochen waren Teams der Universitäten Wien und Bamberg den Slawen auf der Spur. Zehn Gräber wurden freigelegt. Gefunden wurden Glasperlen, die sich frisch geputzt und aufgereiht Landratsstellvertreter Arnold Kimmerl, Bürgermeister Richard Tischler, Vertreter der Sponsoren - Lionsclub Oberpfälzer Wald und Schwandorf, Sparkasse und Raiffeisenbank - und Grundstückeigentümerin Hildegard Reil präsentieren.

"Das ist die reichste Kette Süddeutschlands", bemerkt Losert und deutet auf die wertvollen Glasperlen. "Auch die zweit- und drittreichste stammt von hier." Die Mille-Fiori-Perlen sind mediterraner Herkunft, aus Venedig oder gar Byzanz. Dies lässt sich Losert zufolge nicht mehr feststellen. Doch so ähnlich werden sie heute noch in Venedig hergestellt. "Sechs Mille-Fiori-Perlen hatten wir noch nie", ergänzt Engelhardt. Doch der Goldschatz dieser Kampagne ist längst schon beim Restaurieren. "Unser bester Fund", sagt Wissenschaftler Losert und nimmt einen Fotoausdruck zur Hand.

Es ist der Rest eines goldenen Ohrrings. Byzantinisch nennt er ihn, wobei er klarstellt, es sei ein Begriff zur Charakterisierung. Wäre er aus Byzanz, wäre er mit Edelsteinen besetzt. Das Überraschende ist, dass "Gold Ende des siebten oder Anfang des achten Jahrhunderts hier so gut wie gar nicht vorkam", weil es teuer war. Alles, was in den vergangenen Jahren auf dem "Kapellenfeld" zutage gefördert wurde, sind Grabbeigaben.

Rund 50 frühmittelalterliche Slawengräber wurden bisher freigelegt. "Die Bayern und die Franken bestatteten zu dieser Zeit nicht mehr außerhalb des Dorfes, sondern bei der Kirche", erläutert Losert. Bei dieser Kampagne haben die Studenten und ehrenamtliche Helfer, wie Kurt Engelhardt, das nordöstliche Ende des Gräberfeldes erreicht. Wo sie nächstes Jahr graben, lässt Losert offen.

Fleißig geschaufelt

Vor acht Wochen ist eine geomagnetische Prospektion erfolgt. Erst wenn die Auswertung vorliege, werde entschieden, ob es Richtung Süden gehe oder Richtung Kapelle, die über 1000 Jahre jünger als das Gräberfeld ist. Dabei sind die Forscher immer auf das Ja von Eigentümerin Hildegard Reil und Pächter Alfred Reil angewiesen. Die Humus- und Sandhaufen, nach den Worten Engelhardts händisch aufgeschaufelt, verteilt nun der Pfreimder Bauhof maschinell.

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