"Hornissengift ist nicht gefährlicher als Bienen- oder Wespengift!"
Nichts für Horrorgeschichten

Hornissennester sind nahezu künstlerische Gebilde. Arnold Kimmerl appelliert daran, sie nicht zu zerstören. Er bietet seine Hilfe beim Umsetzen an. Bilder: bph (2)
Lokales
Pfreimd
24.09.2014
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Selbst die Giftmenge eines gesamten Hornissenvolkes mit mehreren Hundert Tieren könnte einen Menschen nicht töten: "Hornissengift ist nicht gefährlicher als Bienen- oder Wespengift!" Der Naturschützer und Pfreimder Altbürgermeister Arnold Kimmerl muss es wissen.

Seit 1987 setzt er immer wieder Nester um. "Horrorgeschichten" über "Vespa Crabro" - der wissenschaftliche Name - sind keinesfalls begründet. Von der berühmt-berüchtigten Angriffslust hat Kimmerl während seiner "Arbeit" noch nichts mitbekommen. Der Imker hat im Umgang mit Hornissen viel Erfahrung. Seit den 70er Jahren darf er mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde am Schwandorfer Landratsamt Hornissennester umsetzen. Besonders im Altlandkreis Nabburg hat es sich herumgesprochen, dass der einstige Forstamtmann bei einem Problem mit den Großflüglern die Lösung ist.

"Wirklich gefährlich sind Hornissen nur für andere Insekten", so Kimmerl. Tag und Nacht auf Beutezug fängt ein großes Volk - etwa 400 Tiere - in 24 Stunden so viel wie fünf bis sechs Meisenfamilien. So bekommen die Riesenbrummer, die "Falken unter den Insekten", eine bedeutende Rolle im Naturhaushalt. Besonders Gärtner und Landwirte sollten das zu schätzen wissen. "Vespa Crabro" ernährt sich von Nektar, Obst- und Baumsäften; ihre Nachkommen füttert sie jedoch mit frisch erbeuteten Insekten und deren Larven. Im Garten leistet sie deshalb wertvolle Dienste bei der biologischen Schädlingsbekämpfung.

Höhepunkt im September

Der Höhepunkt der Entwicklung eines Volkes wird im Spätsommer (August/September) erreicht. Häufig, so Arnold Kimmerl, wird man erst zu diesem Zeitpunkt auf die Tiere aufmerksam. Nachdem die Jungköniginnen befruchtet sind, verlassen sie das Nest und suchen sich ein geeignetes Winterquartier. Die anderen Nestinsassen und die alte Königin sterben bei Einsetzen der ersten Nachtfröste ab. Das Nest wird nicht wieder bezogen. Überleben die Jungköniginnen den Winter, kann im Frühjahr mit einer neuen Nestgründung der Lebenskreislauf des Hornissenvolkes geschlossen werden.

Anfang Mai erwacht eine Königin aus ihrem Winterschlaf und sucht einen trockenen und geschützten Nistplatz. Da natürliche Baumhöhlen selten geworden sind, nimmt sie gerne Ersatz an. Vogelnistkästen, alte Schuppen, Holzverschalungen an Terrassen und Balkonen, aber auch Rollladenkästen oder Nischen in Dachböden stehen zur Auswahl. Hat sich die Königin für einen Ort entschieden, heftet sie zunächst einen kleinen Stiel aus selbstgefertigtem Holzpapier an die Decke der Nisthöhle und formt an dessen Ende die ersten sechseckigen Wabenzellen aus. Nach wenigen Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Ein Staat ist gegründet. Zelle um Zelle entsteht nun eines der imposantesten heimischen Insektennester.

Aus dem Umgang mit den Großinsekten schließt der Fachmann, dass der Auslöser für aggressives Verhalten neben panikartigem Zubodenschlagen umherfliegender Tiere vor allem die Erschütterung oder Zerstörung des Nestes ist. "Wer das tut, braucht sich über Stiche nicht wundern." Das sollte man aber nicht nur aus Angst vor schmerzenden Stichen unterlassen, sondern auch aus Gründen des Artenschutzes: Umfangreiche Erhebungen haben gezeigt, dass Hornissen heute nur noch in wenigen Gegenden in Süd- und Norddeutschland anzutreffen sind und eine "Rote-Liste-Art" sind.

Während man früher den zu unrecht gefürchteten "Falken" überall unerbittlich zu Leibe rückte, sollten heute, wo auch immer, entdeckte Nester uneingeschränkten Schutz genießen. "Wenngleich Hornissen niemals Menschen grundlos angreifen, ist es in häufig betretenen Räumen dennoch ratsam, diese durch einen Fachmann umsetzen zu lassen", rät Kimmerl.

Außerhalb von Gebäuden lässt sich nach Auskunft von Arnold Kimmerl durch das Verschwinden natürlicher Baumhöhlen die "Wohnungsnot" durch das Aufhängen spezieller Nistkästen etwas lindern. "Eine Anleitung zum Bau solcher Nisthilfen ist bei fast allen Naturschutzorganisationen sowie beim Bund für Vogelschutz erhältlich." Diese fertigen Wohnungen können an Waldrändern, Einzelbäumen und Bauwerken angebracht werden. Eine Mindesthöhe von vier Metern und eine Mindestabstand von einhundert Metern sollte aber nicht unterschritten werden.
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