Horste im geplanten Windpark: Laut LfU kein Schwarzstorch - Zweifel beim Jagdverband
Gegner stoßen ins Horn

Der Harvester rückte ab. Die Deglmann Windpark Management GmbH hat die Rodungsarbeiten im geplanten Windpark bei Pamsendorf unterbrochen, bis die abschließende Bewertung des Landesamtes für Umwelt auf dem Tisch liegt. Angesichts der bisherigen Fotoauswertung geht es davon aus, dass es sich bei den entdeckten Horsten - einer in einer Birke - nicht um Schwarzstorch-Behausungen handelt. Bild: Völkl
Lokales
Pfreimd
03.02.2015
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Horste des Schwarzstorches - diese Entdeckung wäre für die Gegner des Windparks Pamsendorf ein Anker gewesen, damit die Rodungsarbeiten ausgesetzt werden. Noch während des Ortstermins am "Großen Kulm" mit Landratsamt, Investor und Windparkgegnern kamen Reaktionen vom Jagdverband und der Rechtsanwaltskanzlei, die etliche Gegner vertritt. Doch laut Landesamt für Umweltschutz handelt es sich bei den vermuteten Bewohnern nach den bisherigen Erkenntnissen nicht um den Schwarzstorch, sondern um Habicht oder Mäusebussard.

Rechtsanwalt Christoph Scharf gibt die Forderung seiner Mandanten weiter. Demnach sei unverzüglich vom Landratsamt ein schriftlicher Bescheid gegen über der Deglmann Windpark Management GmbH zu erlassen, wonach - zumindest vorläufig - weitere Rodungsarbeiten, untersagt werden. Scharf hakt ein, dass bei der Ortsbegehung ein Mitarbeiter des Sachverständigen, der die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung erstellt habe und somit "im Lager der Antragstellerin" stehe, Beweise gesichert habe. Scharf fordert die Auswertung durch ein neutrales Sachverständigenbüro.

Der BJV geht in einer Presseerklärung von "zwei riesigen Vogelnestern" aus, bei denen es sich vermutlich um "Horste des selten gewordenen Schwarzstorches" handle. BJV und Wildlandstiftung Bayern fordern, die Rodungsarbeiten sofort zu stoppen. Bei der artenschutzrechtlichen Prüfung im Zuge des Windpark-Genehmigungsverfahrens sei festgestellt worden, dass hier weder Schwarzstorch noch Rotmilan heimisch seien. Die Untere Naturschutzbehörde "hat sich in ihrem Gutachten offenbar getäuscht". BJV-Naturschutzbeauftragter Eric Imm ist auch nach der LfU-Bewertung noch der Ansicht, dass es sich in einem Horst um einen Schwarzstorch handeln könnte. Entgegen der bisherigen Prüfung existieren große Vogelhorste im Rodungsgebiet. Da Windparkgegner den Schwarzstorch gesichtet hätten, sei es nahe liegend, dass es hier Horste dieser Vögel gebe.

Karl-Heinz Kagermeier, Sachgebietsleiter für Emissionsschutz am Landratsamt, belegt, dass die Behörde - schon im Vorfeld der beiden Schreiben - völlig korrekt gehandelt habe. Die Horst-Proben seien im Beisein der Windparkgegner entnommen worden (wir berichteten). Und zwar von einem "fachkundigen Sachverständigen", der Ortskenntnis besitze. Die Auswertung des Beweismaterials übernehme das Landesamt für Umwelt, eine völlig neutrale Stelle. Den bisherigen Erkenntnissen nach sind die Horste Habicht oder Mäusebussard zuzuordnen. Ein gefundener Feder-Rest wird derzeit untersucht, das Resultat am Donnerstag erwartet. Der Investor lasse die Rodungsarbeiten bis zur endgültigen Klärung von sich aus ruhen.
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