Keine Paintball-Spiele in Pfreimd

Investor Marco Böhmer hatte bereits einmal umdisponiert. Er wählte ein anderes Grundstück (rote Umrandung) an der Autobahn, um noch weiter von der Wohnbebauung wegzukommen. Der Abstand der Paintballanlage, die Liga- und Trainingsfeld beinhalten sollte, zum nächst gelegenen Wohnhaus hätte seinen Angaben zufolge rund 440 Meter betragen. Lageplan: Landschaftsarchitekturbüro Blank
Lokales
Pfreimd
09.04.2015
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Der Bau einer Paintballanlage in Pfreimd ist gescheitert. Denn der Stadtrat widerrief seine Bereitschaft, dem interessierten Investor baurechtlich den Weg zu ebnen. Damit nahm die Sitzung ein abruptes Ende.

Über 70 Zuhörer kamen am Mittwochabend in den Bürgersaal, wo sich der Stadtrat in einer Sondersitzung einzig und allein mit der Paintballanlage befasste. Aus ihren Kreisen gab Bürgermeister Richard Tischler (FWG) zwei Rednern die Gelegenheit, nochmals kurz das Für und Wider darzustellen.

Für die "Interessensgemeinschaft contra Paintballanlage" rückte Klaus Gersing, der sich auch als direkt betroffener Anlieger bezeichnete, das Ergebnis einer Unterschriftensammlung in den Blickpunkt. 940 Einwohner und damit rund 27 Prozent der Wahlberechtigten lehnten dabei das Projekt ab. Für den Start eines Bürgerbegehrens hätte das ausgereicht. Doch man wollte es unterlassen, um der Stadt Kosten zu sparen und den Stadtrat in seiner Kompetenz nicht einzuengen. Das Meinungsbild sei auch so ausreichend kundgetan.

Bauwerber Marco Böhmer widersprach vehement in letzter Zeit vernommenen Vorwürfen, wonach es sich bei Paintballspielern um eine Ansammlung Rechtsextremer handle. Die Anlage würde jungen Menschen dienen, die hier ihre Freizeit gestalten möchten und dazu auch Kaufkraft nach Pfreimd mitbringen.

Viele Bedenkenträger

Es folgte eine erneute Grundsatzdiskussion der Stadträte mit einer Reihe von Wortmeldungen mit persönlichen Statements. Sie eröffnete Eduard Dippel (FWG), der darlegte, dass er im Juli 2014 von anderen Voraussetzungen ausgegangen sei. Er könne jetzt nicht gegen 940 Unterschriften entscheiden. Norbert Wagner (FWG) zweifelte an positiven Effekten für die Stadt. An dieser Stelle fügte der Bürgermeister ein, dass vier Voll- und zehn Teilzeitstellen geplant seien.

Wenig Sinn in einer nochmaligen Grundsatzdebatte sah Dr. Johanna Mertins (CSU). Manfred Bruckner (ÖDP) forderte dazu auf, die Anliegen der jüngeren Generation ernst zu nehmen, denn da sei Paintball als Trend- und Extremsportart nun einmal beliebt. Er appellierte, Offenheit für Neues zu zeigen und es nicht als Teufelszeug zu verdammen. Es gebe in Deutschland immerhin inzwischen 200 Spielfelder, 550 Teams und über 7000 Spieler. Da dürfe man es bei der Entscheidung nicht als Kriterium sehen, ob jemandem eine solche Anlage vor der Haustüre gefällt.

Rupert Schichtl (ÖDP) erkannte nur dagegen sprechende Argumente. Die Stadt, so meinte er, werde in keinster Weise profitieren. Günther Strehl (SPD) ermunterte dazu, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Denn ein Stopp zum jetzigen Zeitpunkt sei ein schlechtes Zeichen für alle zukünftig interessierten Investoren. Hubert Betz (ÖDP) erschien der Flächenverbrauch zu hoch in Relation zur Wertschöpfung an Arbeitsplätzen und Steuern. Stefan Enders (FWG) stufte den Standort schon wegen der Zufahrt als nicht optimal ein. Georg Hösl (CSU) missfiel die Zersiedlung und warnte davor, einen Präzedenzfall zu schaffen.

Vor der Abstimmung gab Manfred Bruckner zu verstehen, dass aus der Sicht der Fachstellen eigentlich nichts dagegen spreche. Das müsse aber auch gesagt werden, weil die Stellungnahmen ja erst im nächsten Tagesordnungspunkt behandelt werden sollten - sofern die Anlage nicht vorher schon scheitert. Verwaltungsleiter Bernhard Baumer bestätigte, dass sie aus der Sicht der Landesplanung möglich wäre.

Enttäuschung und Freude

Nach gut einstündiger Diskussion fiel die Entscheidung mit 11:10-Stimmen gegen die Anlage. Damit war die Sitzung beendet, die Abwägung der Einwände erlässlich. Aus dem Zuhörerbereich kam Beifall. Investor Marco Böhmer zeigte sich in einer ersten Reaktion tief enttäuscht, kündigte aber an: "Ich werde nicht aufgeben!"
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