Metall-Puzzle aus Frauenhand

Mal verzinkt (links), mal mit Rostschicht (rechts) kreiert Stephanie Schmidt ihre filigranen Objekte aus Metall. Bis zum nächsten Hobbymarkt hat sich in der Garage neben dem Einfamilienhaus einiges angesammelt. Bilder: Bugl (3)
Lokales
Pfreimd
05.06.2015
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Ihre Blumen sind aus Nägel, ihre Herzen aus Metall. Stephanie Schmidt hat sich für ihr kreatives Hobby ein ausgesprochen sperriges Material ausgesucht. Mit Flex und Schweißgerät ist sie in eine Männerwelt vorgedrungen.

Das Hobby von Stephanie Schmidt ist laut, stinkt und macht dreckig. "Und Frauenhände hat man da auch nicht", bemerkt die 39-Jährige mit einem Blick auf kleine Blessuren an den Fingern. Daheim im Keller des Pfreimder Einfamilienhaus klappt die gelernte Apothekenhelferin das Visier herunter und richtet das Schweißgerät auf ein Puzzle aus runden und eckigen Metallscheiben. Wer ihr zusehen will, wie sie die ersten Schweißpunkte für ein Rankgitter setzt, muss ebenfalls einen Sichtschutz tragen. "Sonst verblitzen die Augen", warnt die Hobbykünstlerin.

Brandlöcher in ihrem Arbeitshemd zeugen davon, dass sie hier keineswegs mit harmlosen Geräten hantiert. "Eisen muss nicht glühen, um heiß zu sein", so die schmerzhafte Erfahrung der Hobbykünstlerin. Während sich andere Frauen bei zarten Aquarellfarben oder geschmeidigen Stoffen ausleben, spannt Stephanie Schmidt Vierkantrohre in die Bandsäge und vertraut auf eine überwiegend geometrische Formenwelt, wie sie die Industrie vorgibt.

Roh und unbehandelt

"Die Ideen schwirren da oben rum, und irgendwann kommt dann so ein Blitz", weiß Stephanie Schmidt und wühlt in der blauen Box mit den vorgesägten Metallscheiben. Rohre, Schrauben, Muttern, Hufeisen, "alles, was roh und unbehandelt ist", kann die 39-Jährige brauchen. Aus dem, was der Eisenwaren-Handel hergibt, baut sie filigran wirkende Kugeln, Rankgitter oder robuste Vögel und romantische Herzen. "Das hat bestimmt der Ehemann zusammengeschweißt", bekommt sie oft zu hören, wenn sie ihre Objekte auf Hobby-Märkten präsentiert. "Aber wer vom Fach ist, der sieht schon, dass da kleine Hände am Werk waren", berichtet die Pfreimderin und räumt ein, dass sie ohne die Maschinen von Ehemann David wohl nie auf die Idee gekommen wäre, sich im Metallhandwerk zu versuchen. Schweißen hat sie allerdings in einem Kurs der Volkshochschule gelernt.

Stephanie Schmidt hat sich für ihr kreatives Hobby ein ausgesprochen sperriges Material ausgesucht. Mit Flex und Schweißgerät ist sie in eine Männerwelt vorgedrungen. Bilder von Monika Bugl


Seither sind ihr die Ideen nicht ausgegangen. "Manches lässt sich zwar nicht in Metall umsetzen, aber ganz vieles kann man herausholen", erklärt sie und erzählt von den Experimenten, bis das ideale Metallteil für einen Schnabel gefunden war:"Die Fertigung soll ja schließlich auch flott und effektiv sein."

Einige Objekte dürfen nach ihrem Weg über Bandsäge, Schweißgerät und Entgrater Rost ansetzen, andere werden ins Zinkbad geschickt, um anschließend dauerhaft silbrig zu schimmern. Manchmal kommt der Denkanstoß von Kunden. So wünscht sich beispielsweise eine Freundin für ihre Hochzeit ein Rankgitter mit zwei Herzen oben drauf und den Initialen des Brautpaars.

Noch etwas in Reserve

Sich von so einem Metall-Puzzle zu trennen, fällt der 39-Jährigen nicht leicht. "Du verkaufst mit jedem Stück ein Stück von dir selbst", seufzt sie - und tröstet sich dann mit Fotos, die andere ihr von den schön dekorierten Metallobjekten schicken. Für alle Fälle hat die Mutter zweier Söhne noch ein Hobby in Reserve: Nicht weit von der Haustüre stecken die ersten selbst geschmiedeten Metallstäbe in der Erde.
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