Mutter Christin, Vater Moslem

Religionspädagogin Ute Jarallah.
Lokales
Pfreimd
20.03.2015
34
0

"Islam aus dem Koffer" lautete das Thema beim ersten Frauenfrühstück der evangelischen Kirchengemeinde. Der Blick in diesen Koffer reizte nicht nur, er baute Vorurteile ab.

50 evangelische und katholische Frauen aus Nabburg, Pfreimd, Oberviechtach und weiteren Orten, Jugendliche und Kinder ließen sich in der Pauluskirche an liebevoll gedeckten Tischen bei lebhafter Unterhaltung das reichhaltige Frühstück schmecken, bevor sie im Halbkreis um eine orientalisch gestaltete Mitte sitzend dem lebendigen Erfahrungsbericht von Ute Jarallah folgten.

Bei der Kirchweih

Die 51-jährige evangelische Religionspädagogin, Tochter eines palästinensisch-muslimischen Vaters und einer christlich-deutschen Mutter, sowie selbst Mutter zweier Söhne, wuchs in einer fränkischen Kleinstadt auf. Ihr Vater, der in Nürnberg studierte und aus Jerusalem stammt, lernte ihre Mutter amüsanterweise auf einer Kirchweih kennen. Jarallah bedeutet so viel wie "Nachbar Gottes", und der Referentin war es ein Anliegen aufzuzeigen, was den Islam und das Christentum verbindet beziehungsweise, was Deutsche, die mit Negativbeispielen wie Terroranschlägen und Hasspredigern aus dem Islam konfrontiert werden, nicht über den Islam wissen. Im Fernsehen würden nicht die Predigten von einfachen, friedlichen Imamen gezeigt oder das Familienleben ganz normaler Muslime, denen Fanatismus völlig fremd sei. "Geschwister im Glauben", so bezeichnen Muslime Christen und Juden. Jesus sei im Islam ein wichtiger Prophet, und der Konflikt zwischen Juden und Muslimen ist, so Jarallah, "nicht religiöser Natur, sondern eine Folge des Palästinenserkonflikts" und entspringe somit machtpolitischen Interessen.

Die islamische Religion werde vom Vater auf die Kinder vererbt. So sei ein Kind mit muslimischem Vater automatisch per Geburt Muslim. Nachdem die 14-jährige Jarallah auf eigenen Wunsch hin evangelisch getauft wurde, wurde sie nicht aus der Familie ihres Vaters verstoßen: Die Verwandten hätten lediglich Trauer darüber empfunden, dass sie ihrem Glauben verloren gegangen sei.

Kopftuch und Burka

Das Kopftuch habe seinen Ursprung darin, dass muslimische Frauen sich ordentlich kleiden sollen, um sich von anderen Frauen, die zum Teil sehr freizügig in der vorislamischen Gesellschaft gekleidet waren, abzuheben. "Frauen mit Kopftuch wurden respektiert, da die Männer wussten, dass sie unter dem Schutz einer Familie standen", betonte die Referentin. Die Burka hingegen sei Ausdruck eines strengen Patriarchats.

Den Zulauf zu terroristischen Gruppen erklärt die Religionspädagogin so, dass lange Zeit die westliche Welt auf die Muslime herabgeschaut habe und deren Religion als rückständig betrachtet habe. "Auch die Integration von muslimischen Einwanderern gelang kaum, eine Parallelwelt entstand." Der Westen habe sich in die Angelegenheiten der arabischen Staaten eingemischt, wenn ein eigenes Interesse vorhanden gewesen sei. Man sei aber nicht wirklich an der Entwicklung der arabischen Länder interessiert gewesen.

Dieser Teufelskreis könne nur unterbrochen werden, "indem wir Deutschen uns öffnen, Asylbewerber freundlich empfangen und lediglich eine Integration, keine Assimilierung von muslimischen Mitbürgern erwarten". Dann würde auch Hasspredigern der Nährboden entzogen.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.