Nachbarn auf einer Wellenlänge

Aufbruchsstimmung bei Bürgermeistern und Planern: im Bild von links Richard Tischler, Dr. Ulrich Wieler, Martin Schwandner, der Pfreimder Verwaltungsleiter Bernhard Baumer, Architekt Martin Fladt, Armin Schärtl, Manfred Rodde und Georg Butz. Bild: Völkl
Lokales
Pfreimd
08.10.2014
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Heimat haben, hier auch alt werden können - wer wünscht sich das nicht? Doch dazu muss die Jugend im Boot bleiben. Fünf Kommunen entwickeln eine gemeinsame Strategie. Nicht nur zwecks der guten Nachbarschaft, sondern um an einen gefüllten EU-Fördertopf zu kommen.

Gemeinsam zeigen sie Flagge: Die Bürgermeister Armin Schärtl (Nabburg), Richard Tischler (Pfreimd), Manfred Rodde (Schwarzenfeld), Georg Butz (Wernberg-Köblitz) und Martin Schwandner (Trausnitz). Die fünf Kommunen schlossen sich zur "Kleinregion nördliches Naabtal" zusammen. Denn zur Weiterentwicklung braucht man Geld, und das gibt es mit "EFRE". Auf sechs Jahre verteilt sollen 17 Millionen Euro aus dem EU- in den Bayern-Topf fließen. Da hätte man ganz gerne ein Stück davon. Doch die Europäische Union denkt in großen Dimensionen. Sie knüpft Bewerbungen an eine Größenordnung von 20 000 Einwohnern und an eine fundierte Konzeptvorlage zur Förderung "integrierter räumlicher Entwicklungsmaßnahmen" - auch "IRE" genannt. "IRE" soll aufzeigen, was die Region so an Ideen in der Pipeline hat.

Das Weimarer Planungsbüro "UmbauStadt" mit Dr. Ulrich Wieler und Martin Fladt hat schon länger Vorarbeit geleistet. Schließlich muss "IRE" Ende des Jahres stehen, um sich für die EU-Förderung zu bewerben. Ob man zum Zug kommt, ist offen, doch selbst wenn nicht, haben sich fundierte Projekte für die Region ergeben, die auch in anderen Programmen untergebracht werden können, begrüßen die Bürgermeister die "IRE"-Initiative. Die Kosten liegen überschaubar bei rund 3500 Euro, für Trausnitz weniger, da nach Einwohnern berechnet wird. Von den Projektansätzen, die zum Motto "Jung sein in der Region" entwickelt werden, kristallisieren sich laut Dr. Wieler vier bis sechs heraus. Wobei die Planer klar feststellen, dass es nicht um jugendliche Trendprojekte geht, sondern darum, die Jugend in Zeiten des demografischen Wandels zu halten: "Dazu muss die Region etwas bieten."

Die Kommunen haben sich schon Gedanken gemacht: In Nabburg sind die Nachfolgenutzung für das Hotel Post und Jugendtreff Stichwörter, Wernberg-Köblitz bringt Jugendheim und Mehrgenerationenspielplatz in den Naabauen ins Spiel. Schwarzenfeld nennt Miesbergallee, Jugendheim oder Park&Ride am Bahnhof, Pfreimd das Haas-Haus, Wohnraum für junge Familien in Altstadthäusern, einen Meditationsweg an der Klostermauer. Trausnitz liegt unter anderem die Nahversorgung und das Umfeld der Jugendherberge am Herzen. Entstehen sollen "Leuchtturmprojekte".

O-Ton einfangen

Die Planer wollen neben Begehungen den O-Ton der Bürger hören, erfahren, wo der Schuh drückt. Dazu werden Werkstattgespräche angeboten. Immerhin soll das Konzept Mitte Dezember fertig sein und von den Gemeindeparlamenten am 17. Dezember in einer gemeinsamen Sitzung auf Burg Trausnitz verabschiedet werden. "Ein Novum in der Oberpfalz", so der Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler. Die Entscheidung über eine Aufnahme in "EFRE" fällt im Frühjahr 2015.

Die Termine der Werkstattgespräche:

Bauen und Gebautes

Dies Bürgerwerkstatt am Mittwoch, 15. Oktober, um 19 Uhr im Schwarzenfelder Jugendheim blickt auf alte und neuen Gebäude, auf Privathäuser, Ortsbilder, Plätze und Straßen. Es geht um Stadtsanierung und Dorferneuerung und um die Fragen: Lohnt es für Hausbesitzer zu renovieren, zu vermieten, zu verkaufen? Wie soll das gehen: Bauen im Altbestand und nicht im Neubaugebiet? Ist vor Ort das Bauen und Wohnen für Junge und junge Familien interessant? Was kann man für weniger Leerstand tun? Was gegen Schandflecke und Schrottimmobilien? Der Termin dürfte vor allem für Hausbesitzer und alle, denen das Ortsbild am Herzen liegt, interessant sein. Experten aus der Immobilienbranche, der Denkmalpflege und Bauverwaltung informieren und diskutieren.

Jungsein in dieser Gegend?

Die Bürgerwerkstatt am 16. Oktober um 10 Uhr im Nabburger Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium schaut auf das Leben, wie es junge Menschen empfinden. Die "Umbau Stadt" will herausbekommen: Was gefällt an der Gegend, was nicht? Was gibt's nur hier? Wie mobil wollen junge Menschen sein? Kommen sie überall hin, wohin sie wollen? Gibt es genug Platz und Zeit, sich mit Leuten zu treffen? Was wird in der Freizeit geboten? Was kann man selbst organisieren? Kann man nach dem Schulabschluss in der Gegend bleiben? Welche Gründe könnte es geben, nach einer Ausbildung oder einem Studium zurückzukommen? Eingeladen sind vor allem Schülersprecher, Klassensprecher der Mittelschule, der Naabtalrealschule und des Gymnasiums samt Lehrern sowie Jugendvertreter aus Vereinen.

Leben, Kaufen, Versorgung

Auf die Bedingungen für Einzelhandel und Gewerbe, auf den öffentlichen Personennahverkehr, die ärztliche Versorgung und weitere Aspekte der Versorgung zielt die Bürgerwerkstatt am 16. Oktober um 19 Uhr im Pfreimder Bürgersaal ab. Es geht um die Fragen: Welche Geschäfte, Ärzte, Dienstleistungen sind am Ort? Was kann wie erreicht werden? Was muss auf jeden Fall an Angeboten bleiben? Machen Busse und Bahn mobil, wie wir es wünschen? Können alle Generationen mit angemessenen Angeboten rechnen? Finden Touristen, was sie brauchen? Eingeladen sind Einzelhändler, Dienstleister und Nutzer. Vor Ort sind Experten aus der Wirtschaftsförderung und des Landkreises. Ziel der Workshops - offen für alle Bürger der fünf Kommunen - ist es, konkrete Vorschläge für die IRE-Strategie zu erarbeiten.
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