Neuer Anlauf an anderer Stelle

Marco Böhmer ärgerte sich zwar über seine Heimatstadt, will aber deshalb nicht aufgeben. Er ist überzeugt, ein Grundstück in einer anderen Kommune zu finden, in der er mit seiner Paintballanlage dann willkommen ist. Bild: Götz
Lokales
Pfreimd
10.04.2015
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Die Enttäuschung sitzt tief, sie dringt auch nach außen: Marco Böhmer zieht Konsequenzen aus der Ablehnung seiner Paintballanlage. Geschäftlich kehrt er Pfreimd den Rücken. Er ist überzeugt: Sein Projekt kann er bald woanders verwirklichen.

Marco Böhmer betreibt bereits drei Paintballanlagen: im oberbayerischen Großmehring bei Ingolstadt sowie in Gera (Thüringen) und Tespe (Niedersachsen). Die Vierte hätte er gerne in seiner Heimatstadt gebaut. Doch der Traum ist geplatzt. Pfreimd spielt nicht mit, das steht seit Mittwochabend fest.

"Ich habe verstanden, man will mich hier nicht", folgert der 32-Jährige daraus. Und er kündigt Konsequenzen an: Sein Geschäft "PHQ" (Paintball High Quality) in der Freyung zieht er ab. Mit dem Laden und seinen 40 Quadratmetern Verkaufsfläche verlagert er auch den Sitz seiner Unternehmensgruppe weg. Seine zehn Firmen, die im Betrieb von Anlagen sowie in Zubehörherstellung und -vertrieb in Sachen Paintball tätig sind, beschäftigen derzeit nach eigenen Angaben 31 Vollzeitkräfte.

Nicht nur ein guter Standort

Der selbstständige Kaufmann gibt nicht auf und hält an seinem Plan fest. Wenn nicht Pfreimd, dann eben woanders: Er will als Oberpfälzer unbedingt in der Region investieren und ist sich sicher, im Umkreis des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald ein Baugrundstück zu finden, auf dem er willkommen ist. Einige geeignete Standorte hat er bereits im Auge, die Verhandlungen haben gleich am "Tag danach" begonnen.

Dass Pfreimd irgendwann einen Schlussstrich ziehen würde, hatte er schon länger befürchtet. "Man hat so ein Bauchgefühl - und das trügt manchmal nicht", sagte er nach der Entscheidung, die gegen ihn ausgefallen war. Wirklich überraschend sei das nicht. Denn Pfreimd verstehe sich ja seit Jahren gut im Verhindern. Er dachte an den Euro-Rastpark, der aus ähnlichen Kreisen heraus zum Scheitern gebracht wurde. In der Stadtratssitzung habe Manfred Bruckner ja daran erinnert, dass selbst ein Edeka-Großmarkt und eine Umgehungsstraße in Pfreimd schon auf der Strecke blieben.

Anzeigen angekündigt

Was ihn persönlich noch mehr trifft, sind Vorhalte, die ihn in eine rechte Ecke drängen. "Das sagen Leute, die mich von Kindesbeinen an kennen", ist er in einem Gespräch mit der NT-Redaktion entsetzt. Denn: Er selbst habe noch nie was mit der Polizei zu tun gehabt, auch politisch sei er noch nie in irgendeine Richtung auffällig geworden. Marco Böhmer will sich deshalb jetzt nichts mehr gefallen lassen: Wer ihn in Zusammenhang mit Rechtsextremismus bringt, muss mit einer Anzeige wegen Verleumdung rechnen.

Ebenso unredlich sei es, den Paintballern allgemein rechten Mief anzudichten. Er wisse aus Erfahrung: Der durchschnittliche Paintballspieler ist Anfang 20, hat einen ordentlichen Bildungsabschluss, verdienst sein eigenes Geld und will in der Freizeit einfach nur Spaß an dieser Trendsportart haben.

Einstecken, nicht aufgeben

Anderswo gebe es deshalb auch keine Probleme. Böhmer nennt Gera: Dort war es möglich, seine Paintballanlage binnen drei Monaten ab der ersten Kontaktaufnahme zu errichten. In Pfreimd habe er drei Jahre vertan - noch dazu erfolglos. "Nicht nur Geld hab ich da rein gesteckt, auch viel Energie und Herzblut", ärgert er sich.

Und dann komme jemand daher und beklage, dass auf der Fläche zu wenig Arbeitsplätze und zu wenig Steuereinnahmen entstünden. Dabei solle man bitteschön bedenken: Die Stadt selber kann dort gar nichts schaffen, ihr gehört der Grund nicht. Das Gelände befinde sich in seinem Eigentum - und er denke gar nicht daran, es in naher Zukunft herzugeben: "Ich lasse es mir entweder irgendwann einmal vergolden, oder es bleibt halt eine Wiese."

Die Anhänger des in vielen Gesellschaftskreisen umstrittenen Hobbys Paintball dürfen jedenfalls auch weiterhin mit ihm rechnen. "Das sind herbe Schläge", stuft er so manche Wortbeiträge ein, die er am Mittwoch, in der ersten Reihe des Zuhörerbereichs sitzend, zu vernehmen bekam. Aber wer meint, er lasse sich dadurch unterkriegen, werde sich täuschen. "Es hat halt einfach nicht sollen sein", bringt er das Resultat auf einen Nenner und gibt sich zuversichtlich, andernorts mehr Toleranz zu erfahren.
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