Nützliche Tipps für Krisenfall

Diplom-Sozialpädagogin Petra Ihring von der Caritas in Schwandorf hatte nützliche Tipps parat. Bild: hfz
Lokales
Pfreimd
27.10.2014
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Keiner möchte es, aber jeden kann es von einer Minute auf die andere treffen: ein Pflegefall werden.

Die Referentin Petra Ihring, eine Diplom-Sozialpädagogin von der Caritas Schwandorf, wünscht dies niemandem. Aber sie hat nützliche Tipps parat, wenn einmal der Fall eintreten sollte. Um sich darüber zu informieren, waren gut dreißig Personen in den Pfarrsaal Pfreimd gekommen.

Sie sind langweilig, aber sie müssen nun mal sein: Definitionen. Pflegebedürftig sind von rechts wegen Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Deshalb müssen sich die Personen aus der nächsten Umgebung der eventuell pflegebedürftigen Person kritisch fragen, ob die Einstufung als pflegebedürftig zeitlich gerechtfertigt ist. Kann diese Frage positiv beantwortet werden dann erfolgt die Antragstellung bei der zuständigen Krankenkasse. Diese schickt den sogenannten MDK (medizinischer Dienst der Krankenkassen), der in einem Gutachten feststellt, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Wichtig für die Angehörigen ist, dass dieser Besuch mindestens zwei Wochen vorher schriftlich angekündigt werden muss mit einer tageszeitlichen Spanne von etwa vier Stunden. Die Familie sollte sich auf diesen Besuch gründlich vorbereiten.

Sehr hilfreich ist das Führen eines Pflegetagebuches, in dem die Zeiten festgehalten sind, die bisher für die Pflege aufgewendet wurden. Wichtig ist auch, Berichte von (Fach-) Ärzten, Gutachten und ähnliches zu sammeln und für diesen Tag griffbereit zu halten. Zudem kann man sich von der Sozialstation beraten lassen und für den Tag X um Beistand bitten.

Der Gutachter prüft beim Hausbesuch verschiedene Fähigkeiten des Betroffenen. Angehörige dürfen hier durchaus helfend oder korrigierend eingreifen. Im Rahmen des Gutachtens wird auch die Wohnung besichtigt, Das heißt nicht, dass von Anfang an alle Türen offen stehen sollen oder gar müssen.

Nützlich ist, besondere, eventuell unliebsame Vorkommnisse in der zurückliegenden Zeit fotographisch zu dokumentieren und hier ins Spiel zu bringen.

Der Pflegebedarf wird in vier Kategorien eingeteilt: Grundpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirt-schaftliche Versorgung. Letztere wird allerdings gering eingestuft. Aus den ersten drei Bereichen müssen täglich mindestens 46 Minuten Hilfebedarf zusammen kommen. Anderenfalls wird keine Pflegestufe zuerkannt.

Für Pflegestufe I müssen mindestens 90, bei Stufe II 180 und bei Stufe III 300 Minuten Pflegebedarf erreicht werden. Für die verschiedenen, täglich anfallenden Pflegetätigkeiten sind bestimmte Minutensätze vorgesehen, die knapp bemessen sind. Nur bei massiv untermauerten anderen Zahlen kann von diesen Vorgaben abgewichen werden.

Wenn das Gutachten erstellt und ein entsprechender Bescheid ergangen ist, sollte man sich nicht scheuen - soweit nicht erfolgt - den Text des Gutachtens anfordern. Es ist das Recht der Betroffenen. Wenn man etwas begründet nicht in Ordnung findet, kann innerhalb von vier Wochen, Widerspruch eingelegt werden.
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