Planung für die Mülltonne

Eine Lücke klafft, wo früher in Iffelsdorf die Brücke über die Bahnlinie führte.
Lokales
Pfreimd
29.10.2014
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Die Odyssee begann vor zehn Jahren. Seitdem ging die Stadt "über viele Brücken", um zu einer neuen Brücke über die Bahnlinie bei Iffelsdorf zu kommen. Die Pläne sind fertig, doch die ganze Arbeit war umsonst.

Was Bürgermeister Richard Tischler, Verwaltungsleiter Bernhard Baumer und Ingenieur Günther König bei der Teilbürgerversammlung im Gasthaus Herdegen mitteilten, ließ alle kopfschüttelnd zurück. Beim geplanten Brückenbau in Iffelsdorf ist man wieder soweit wie vor zehn Jahren, als das Dilemma begann.

Nur mit der Bahn

Ein Gleisbauzug beschädigte die Widerlager. Die Stadt handelte rund 60 000 Euro Entschädigung heraus. Die Planung des Neubaus war dann ein Kapitel für sich. Es handelt sich bei dem Projekt um eine Kreuzungsmaßnahme mit der Bahn, sie muss die Planungsschritte absegnen.

Geplant war eine Fußgänger- und Radbrücke, die auch mit einem Auto passiert werden kann. Mehrmals wurde dabei von der Stadt Pfreimd das Thema Elektrifizierung angesprochen. Der Schriftverkehr gestaltete sich schwierig. "Man muss fünf Mal hin schreiben, bis man eine Antwort bekommt", äußerte sich Tischler. Es habe immer geheißen, dass die bisherige lichte Höhe und Weite einzuhalten seien, eine Elektrifizierung in weiter Ferne läge. Die Verwaltung ging dann daran, die Pläne in ein förderfähiges Konzept zu gießen. 2008 habe man sich ein Jahr erfolglos bemüht, Kontakt zu bekommen, berichtete Bernhard Baumer. Die Stadt beschwerte sich beim Eisenbahnbundesamt und beim Ministerium.

2013 war das Projekt nun mit der Förderbehörde abgestimmt und ausschreibungsfertig. Es wurde bei der Bahn und Netz AG eingereicht. Doch dann kam die Kehrtwende: Obwohl nachweislich 2008 und 2011 Planungsunterlagen unterschrieben wurden, in der die Elektrifizierung nicht vorgesehen war, wird das Projekt nun abgelehnt. "Die lichte Weite und Höhe ist für die Elektrifizierung vorzusehen", zitierte Tischler. Seit September ist laut Bernhard Baumer klar, "dass die Verabredungen nicht mehr eingehalten werden", der Plan in keinster Weise genehmigungsfähig sei. Und die bisherigen Ansprechpartner bei der Bahn "gibt es für uns nicht mehr", so Baumer zum Mitarbeiterwechsel, Bisher sind 40 000 Euro an Planungskosten aufgelaufen. Nach Meinung der Stadt ist die Bahn ersatzpflichtig. Die Forderungen sind bei der DB Netz eingereicht.

Bei 590 000 Euro

Ingenieur Günter König redete Klartext, wie eine Brücke aussehen müsste, die auf eine Elektrifizierung ausgelegt sei. Das Lichtraumprofil müsste von 8,50 auf 11,70 Meter erweitert, der Überbau 1,40 Meter höher werden. Wie soll das an die beidseitigen Straßennetze angebunden werden? Wie an den alten Dorfkern? Eine erste Kostenschätzung liegt bei 590 000 Euro. Das sei unverhältnismäßig.

Der Stadtrat wird sich nun laut Bürgermeister mit drei Varianten beschäftigen müssen: Die Elektrifizierung abwarten oder jetzt eine Fußgängerbrücke unter den neuen Gesichtspunkten planen - wobei das gleiche Abstimmungs-Procedere mit der Bahn beginnt - oder als dritte Variante die bestehende Unterführung ertüchtigen, ausleuchten und sich ganz von der Brücke verabschieden.

Die Meinung aus dem Publikum, dass doch die Bahn mit dem Unfall die Misere ausgelöst habe, relativierte König: Die Brücke sei auch ohne Unfall zu marode gewesen, um sie stehen zu lassen. "Einfach ein paar Spind drüberlegen", regte eine Bürgerin an. Geht nicht: Das wäre ein Eingriff in den Schienenverkehr, "da stehen wir mit einem Bein im Knast", so der Bürgermeister. Und eine leichtere Alukonstruktion? Auch hier seien etliche Auflagen zu berücksichtigen, braucht es das Genehmigungsverfahren der Bahn. Was blieb, war Kopfschütteln über die Bahn, bei der auch Mandatsträger nicht richtig zum Zug kommen. Bei Rathausbesuchen habe es laut Tischler nie eine definitive Aussage gegeben, ob und wann elektrifiziert werde. "Da verstummen auch Bundes- und Landtagsabgeordnete".
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