Schätze aus dem Gräberfeld

Wunderbare Glasperlenketten für Mädchens und Frauen gehören zum Besten ihrer Art aus der Zeit um 750 in Nordbayern.
Lokales
Pfreimd
16.02.2015
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Sie sind nicht aus Gold und nicht aus Silber, aber nicht nur bei den Archäologen glänzen die Augen, als die uralten Preziosen endlich alle auf dem Präsentiertisch liegen.

Stück für Stück wurde vorsichtig ausgepackt und hingelegt, die Tischplatte füllte sich immer mehr. Kriegswerkzeug war dabei, aber auch Schmuck. Was die unterschiedlichen Teile verband: Sie stammen alle aus Gräbern bei Iffelsdorf unweit von Pfreimd. Im vergangenen Jahr wurden sie Fundstücke ausgegraben. Zwischenzeitlich hat man sie restauriert und für eine kleine Schau ins Pfreimder Rathaus gebracht.

Die "Iffelsdorfer Schatztruhe" wurde die Ausgrabungsfläche vergangenes Jahr genant, aus dem die früh-karolingischen Stücke stammen. Seit 14 Jahren ist diese Zeit das Steckenpferd von Dr. Hans Losert und Dr. Erik Szameit. Der Privatdozent an der Uni Bamberg und der Professor an der Uni Wien gehen den Spuren der Slawen nach, die sich um das achte Jahrhundert herum in der Oberpfalz ansiedelten.

Die Schatzsuche in Iffelsdorf ist mühselig, sorgt aber auch für Goldgräberstimmung unter den Bamberger und Wiener Studenten, die jedes Jahr anrücken. Etwa 40 Gräber wurden auf dem slawischen Friedhof, der sich unter einem abgeernteten Maisfeld verbirgt, freigelegt.

Kulturelle Vielfalt

Die Archäologen stießen auf Kleinstkinder- und zwei Erwachsenengräber. Da der Sandboden die Skelette zersetzt, wurden meist nur Zahnreste gefunden. Das aber machen die vielen freigelegten Beigaben wett, die den Toten ins Grab mitgegeben wurden, etwa die filigran gearbeiteten, bunten Glasperlen für die Mädchen. Bescheidener die Ausstattung der Männer: Taschenmesser, Pfeilspitzen und Feuerzeuge.

Doch dann die Riesenüberraschung: Die Studenten hatten im September 2014 erst einige Tage gegraben, als in einem Männergrab ein 80 Zentimeter langes Schwert ("Langsax") eines jungen awarischen Kriegers entdeckt wurde. Es stammt aus dem 8. Jahrhundert und ist "extrem selten im slawischen Milieu dieser Zeitstellung", so Dr. Losert damals. Zum Iffelsdorfer Schwertfund gehört auch ein Köcher mit fünf Pfeilspitzen. Sie alle wurden in den vergangenen Monaten fachmännisch restauriert.

In einer Bewertung der Stücke sprach Dr. Erik Szameit von der Erkenntnis, dass in einem circa 60 Kilometer breiten Streifen vom heutigen Oberfranken über Regensburg das Donautal hinab bis vor die Tore des heutigen Wien eine bairisch-slawische Bevölkerung eine eigenständige Kultur entwickelt und gepflegt habe. Für Dr. Hans Losert führt die Vielfalt dieser Funde zu der Erkenntnis, dass das Naabtal im frühen Mittelalter keine kaum besiedelte, isolierte und ärmliche Gegend gewesen sei, sondern unter der bairisch-slawischen Mischbevölkerung kulturelle Vielfalt und reger Handel geherrscht habe.

Ein abschließender Dank galt dem früheren Kreisheimatpfleger für Archäologie, Ernst Thomann. "Er hat uns den Weg geebnet", versicherte Losert im Beisein von Thomanns zwei Nachfolgern, Kurt Engelhardt (Nabburg) und Harald Schaller (Schwandorf).

Im August und im September dieses Jahres geht die fünfte Ausgrabung über die Bühne. Bürgermeister Richard Tischler kündigte an, so bald wie möglich einen würdigen Platz in einem Museumsraum für die jährlich wachsende Ausbeute an Grabbeigaben zu finden. Der Museumsraum sei derzeit noch in der Vorbereitung, aber fest geplant.
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