Theologiestudent Benjamin Zwack referiert zum "Jahr der Bibel" - "Lebenslang ein Suchender"
Auf den Spuren des Apostels Paulus

Lokales
Pfreimd
10.02.2004
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Mit dem Vortrag "Paulus aus einer neuen Perspektive" fand die vier Abende umfassende ökumenische Vortragsreihe zum "Jahr der Bibel" am Freitag ihren Abschluss. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hermann Gebhard konnte hierzu über fünfzig Zuhörer begrüßen.

Den Apostel Paulus, der als Verfasser der Paulinischen Briefe bereits in dem vorausgehenden Bibelvortrag von Gebhard ("Einführung in das Neue Testament") Erwähnung fand, stellte Benjamin Zwack in den Mittelpunkt seines mit Computerpräsentation unterstützten Vortrages. In angenehm lockerer, aber zugleich souveräner Art vermittelte der Student der evangelischen Theologie den Zuhörern, in welchem Spannungsfeld zwischen jüdischer und griechisch-römischer Kultur Paulus lebte und sich entwickelte.

Als Sohn streng gläubiger Juden mit römischem Bürgerrecht erblickte Paulus vermutlich um die Zeitenwende in Tarsus im Südosten Kleinasiens das Licht der Welt. Nachdem er den Beruf eines Zeltmachers erlernt hatte, wurde er in Jerusalem Schüler des bekannten pharisäischen Schriftgelehrten Gamaliel. Es ist wohl seinem enormen Glaubenseifer zuzuschreiben, dass er sich die Verfolgung der ersten christlichen Gemeinden zur Aufgabe gemacht hatte. Diese Tätigkeit führte ihn im Jahre 33 n. Chr. nach Damaskus, wo sein Leben eine schicksalhafte Wende erfuhr.

Vor den Toren der Stadt offenbarte sich ihm Christus als gleißende Lichterscheinung und machte ihn zum "Sprachrohr" seiner Botschaft. Als Stadtmensch, der die hebräische Sprache ebenso wie Latein und Griechisch beherrschte, hatte er für diese Aufgabe als "Missionar unter den Völkern" die besten Voraussetzungen. Dass dieses "Damaskuserlebnis" bei Paulus eine Bekehrung vom Judentum bewirkt habe, sei eine überholte Interpretation, betonte der Theologiestudent. Zutreffender sei es wohl von einer Berufung zu sprechen, da sich Paulus immer wieder zu seiner Verwurzelung in der jüdischen Tradition bekannt habe und sich selbst als "Israelit, Hebräer und Nachkomme Abrahams" fühlte. Die Stadt Antiochia in Syrien - hier taucht erstmals der Begriff "Christen" auf - wurde für die nächsten Jahre wichtigster Ausgangspunkt für seine Missionstätigkeit.

Auch die Frage "Wie stehen Juden- und Heidenchristen in den neu gegründeten Gemeinden zueinander?" wurde immer brisanter. Auf dem Apostelkonzil in Jerusalem im Jahre 48 n. Chr. konnte Paulus durchsetzen, dass die Judenchristen die "unbeschnittenen Völker" als vollwertige Glieder der Heilskirche anerkennen. Die Zielrichtung seiner Missionstätigkeit zeigte nun nach Westen. In dieser Zeit entstanden auch alle im Neuen Testament enthaltenen Paulusbriefe. Nach Verhaftung und Gefangenschaft (56 bis 58 n. Chr.) wurde er nach Rom überführt, wo er später den Märtyrertod erlitt.

Den zweiten Teil seiner Ausführungen widmete Benjamin Zwack den Werken und der Theologie des Apostels. Da die Evangelien erst viel später verfasst wurden, stellen die sieben echten Paulusbriefe die älteste Stimme aus dem Bereich des Urchristentums dar. In ihnen gab Paulus nicht nur die Botschaft Jesu wieder, sondern interpretierte sie auch. Zwack bezeichnete Paulus als ein "mächtiges Werkzeug des einen Gottes vom Volk Israel und des Evangeliums Jesu Christi", als ein beeindruckendes Bindeglied zwischen Altem und Neuem Testament. Paulus habe Neues in seinem Leben entdeckt, seine Meinung geändert und Standpunkte variiert.

Offensichtlich war Paulus - ebenso wie später Luther - lebenslang ein Suchender und ein Fragender. Der Vers im Römerbrief ("Der Gerechte wird aus Glauben leben") war für Martin Luther eine entscheidende Stelle auf der Suche nach der Gerechtigkeit Gottes. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte Luther seine Lehre, die - von ihm zwar ungewollt - zur Glaubensspaltung führte.