Windpark in Pfreimd
Schwarzstorch: Der Wind ist raus

Georg Lautenschlager, Bettina Breu und Karl-Heinz-Kagermeier (von links) waren als Vertreter des Landratsamtes vor Ort, ebenso Investor Dr. Christian Deglmann (Zweiter von rechts) und Geschäftspartner Johann Turban.
Politik
Pfreimd
03.02.2015
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Der Harvester stand still, dafür schwang sich Baumkletterer Sebastian Lehmer 20 Meter in die Höhe: Ein Windparkgegner hatte zwei Horste im geplanten Windpark Pamsendorf entdeckt: Der Schwarzstorch? Um die Frage zu klären, wurde gestern die Rodung gestoppt.

Seit Mittwoch wird gerodet: auf 26 400 Quadratmeter, um die Anlage der Deglmann Windpark Management GmbH mit fünf Windrädern zu realisieren. Dem Sofortvollzug zur Rodung hatte das Landratsamt stattgegeben, die beantragten Zwischenverfügungen mehrerer Kläger waren vom Gericht abgelehnt worden.

Am Samstag war nun ein Mitglied der Bürgerinitiative "Gegenwind" im Gelände und stieß auf einen Horst: ein Nest auf einer großen Birke. Am Sonntag entdeckte er 800 Meter Luftlinie entfernt einen zweiten Horst in einer Fichte. Der Mann verständigte die Polizeiinspektion Nabburg, die die Beweissicherung vornahm und das Landratsamt informierte. Gestern waren alle vor Ort: Polizei, Landratsamt mit der Abteilungsleiterin für Bau und Emissionsschutz Bettina Breu, Sachgebietsleiter Emissionsschutz Karl-Heinz Kagermeier und Sachgebietsleiter Naturschutz Georg Lautenschlager. Ebenso dabei: Investor Dr. Christian Deglmann und von der Gegner-Seite unter anderen Karin Schmidt und Reinhard Kreußel.

"Bringt mir den Horst, dann wird die Anlage nicht gebaut", so hatte Schmidt die Worte des Landrats im Ohr. Die Situation stellte sich laut Karl-Heinz Kagermeier so dar: Im bundesemissionsschutz-rechtlichen Genehmigungsverfahren für den Windpark werden unter vielen Aspekten auch naturschutzrechtliche Belange untersucht. Resultat: kein Horst-Standort des Schwarzstorches. Falls es im Umkreis von drei Kilometern einen Horst gäbe, müssten laut Bayerischem Windatlas im Sinne einer speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung Beobachtungen angestellt werden - und zwar von April bis August, von der Brut- bis zur Zeit des Flüggewerdens. Sinn des Ganzen: die Flugroute nachvollziehen, darf doch "das Tötungsrisiko durch die Anlagen nicht signifikant erhöht sein".

Dr. Christian Deglmann kontaktierte gestern Diplombiologen und Sachverständigen Dr. Helmut Schlumprecht, ebenso Baumkletterer Sebastian Lehmer, um schnell für Klarheit in Sachen "möglicher Schwarzstorch-Horst" zu sorgen. Die Windpark-Gegner-Seite unterstellte Parteilichkeit, sei Dr. Schlumprecht im Genehmigungsverfahren für Deglmann gutachterlich tätig gewesen. Bettina Breu brachte das Ganze auf eine sachliche Ebene: Jegliches Beweismaterial geht zur Auswertung an das Landesamt für Umwelt. Über den Sachstand werden auch die relevanten Gerichte informiert.

Der Kletterer erhielt seine Instruktionen: Fotografieren, vermessen, einen Zustandsbericht geben, Federn, Eier-Reste und Kot in Tüten packen. Vom Birken-Horst mit etwa 40 Zentimetern Durchmesser brachte der Kletterer zwei vereiste Klumpen und einen winzigen Feder-Rest mit. Mehr war nicht zu finden. Die Birke steht an einer gerodeten Zuwegung und bleibt hier auch stehen. Dann zog der Tross zum zweiten Fundort: ein Horst, der ebenfalls nicht mehr in der Rodungsfläche liegt. Der Kletterer kam mit leeren Tüten vom Baum und mit der Info, dass das Gebilde alt aussehe, zu einer Seite etwas abfalle und ein Loch habe.
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