Auf Schatzsuche
Ein Herrenhof in Iffelsdorf?

Nach vier Wochen ging am Donnerstag die sechste Grabungskampagne bei Iffelsdorf zu Ende. Die Stadt Pfreimd möchte die Funde natürlich in der Stadt ausstellen. Sie hat ein Museumskonzept in Auftrag gegeben, das inzwischen vorliegt und beraten werden muss. Bild: Gerhard Götz
Vermischtes
Pfreimd
30.09.2016
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Schöner Fund: Eine Schichtaugenperle aus der Latene-Kultur.

Sie graben, sie pinseln: 17 Archäologiestudenten der Universitäten Wien und Bamberg schuften auf dem Iffelsdorfer Gräberfeld. Auch die sechste Grabungskampagne ist eine Fundgrube. Die Resultate zeigen: Hier siedelten im achten Jahrhundert nach Christus sozial hochstehende Menschen - und trugen die gleiche Mode wie in österreichischen Regionen.

Als Bauarbeiter in den 50er Jahren am Straßenrand zwischen Iffelsdorf und Untersteinbach (Stadt Pfreimd) Tongefäße aus dem Boden holten, ahnten sie nicht, dass sie an einer archäologischen Schatztruhe der Oberpfalz gekratzt hatten. Das Interesse konzentrierte sich auf einen Friedhof der Slawen. Seit sechs Jahren bringt die Nekropole immer mehr Licht in die Geschichte der Baiern und der "Zugezogenen" aus dem europäischen Osten. Grabungsleiter Dr. Hans Losert (Bamberg) und Professor Dr. Erik Szameit (Wien) erinnern an die spektakulären Funde - das Schwert eines awarischen Kriegers und eine Gürtelgarnitur - ebenso, wie an Kochgeschirr: Die Hinterbliebenen aßen und tranken an der Gräbern.

Eine Hofgrablege


Am Donnerstag wurden die Ergebnisse der aktuellen Grabungskampagne präsentiert. Bürgermeister Richard Tischler begrüßte nach vierwöchigen Arbeiten in der Abschlussrunde den Kreisheimatpfleger für Archäologie, Kurt Engelhardt, und seinen Vorgänger Ernst Thomann, sowie die Vertreter der Lionsclubs Schwandorf und Oberpfälzer Wald, Präsident Dr. Reinhard Proske und Vize Hans-Jochen Niederfahrenhorst sowie Präsident Karl Fleischer und Vize Dr. Friederike Dunkel-Benz.

Beide Clubs unterstützen seit Beginn die Grabungen finanziell und steuern auch heuer je 1000 Euro bei. Mit in der Runde war der Kulturreferent des Landkreises, Franz Pfeffer, soll doch eine Förderung durch den Landkreis ausgelotet werden. Tischlers Dank galt den Familien Franz und Alfred Reil, die auf den Feldern zugunsten der Grabungen finanzielle Einbußen hinnehmen.



Laut Dr. Hans Losert legten die Studenten in den letzten Jahren 60 Gräber frei. Heuer wurden noch drei - teils begonnene - Gräber untersucht. Der Schwerpunkt lag hingegen auf 240 Quadratmetern Siedlungsfläche mit Pfosten und Herdstellen. Damit wurde die bisherige Vermutung, dass die Menschen weiter entfernt siedelten, in ein anderes Licht gerückt. "Es handelt sich um eine Hofgrablege, einen Friedhof für sozial höher stehende Personen", erläuterte Losert. Iffelsdorf sei ein Bindeglied zwischen Herrenhöfen im bajuwarischen und großmährischen Bereich. Es könne sich hier durchaus um ein herrschaftliches Gehöft gehandelt haben. Die Gräber sind, soweit bisher ersichtlich, mondsichelartig um einen freien Platz angelegt. Ob sich die Siedlung im Umgriff fortsetzt? Das soll sich in den nächsten Grabungskampagnen zeigen.

Die gleiche Mode


Professor Dr. Erik Szameit hält zuerst eine Schichtaugenperle der Latene-Kultur, dann eine "olivenförmige Faltenperle" aus der Karolingerzeit zwischen den Fingern. Sie ist eine der Indizien dafür, dass in einem Grenzstreifen von Oberfranken über Regensburg ins Donautal hinein und weiter bis in die Wachau und nach Kärnten die bayerische, awarische und slawische Bevölkerung eine eigenständige Kultur pflegte. Hier finden sich Mode und Tracht aus drei Kulturebenen. Eine Forschung in der Oberpfalz, die gerade dem Österreicher Erik Szameit große Freude macht.

Hintergrund: Trense und Schichtaugenperle Dr. Hans Losert und Professor Dr. Eric Szameit hatten ihre Schätze ausgebreitet: Eine unscheinbare Gefäßscherbe mit Loch, die zum Ersatzspinnwirtel umfunktioniert worden war, eine Tontülle, die als Pfannenansatz diente und vielleicht beim Mahl am Grab verwendet wurde. Die Studenten fanden ein kleines Eisenstück: Das ist die abgebrochene Messerspitze, die zu einem Fund der Vorjahre gehört. Zu Tage gefördert wurden Keramik aus der Hallstatt- und Latenezeit. Anrührend schön die Schichtaugenperle aus der Latene-Kultur. Gefunden wurde auch eine Trense, ein Relikt aus dem Mittelalter, und sogar ein Silexartefakt der mittleren Steinzeit.
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