Der Iffelsdorfer Norden hat es in sich

"Heimatpflege darf schließlich nicht still stehen." Zitat: Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie
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Pfreimd
27.08.2016
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Spinnwirtel (links) und den Rest eines Webgewichts aus vorgeschichtlicher Zeit oder dem Frühmittelalter fand Kurt Engelhardt im nördlichen Bereich der Flur Stockäcker.

Das ist Geschichte: Grabungsstellen auf dem Kapellenfeld bei Iffelsdorf und auf dem Gerresheimer-Gelände brachten aufsehenerregende Funde. Dem Kreisheimatpfleger für Archäologie, Kurt Engelhardt, hat es nun der Norden von Iffelsdorf angetan - für ihn ein "archäologisch und geschichtlich unerschöpflicher Bereich".

Iffelsdorf. Drei Fundbereiche kennt Engelhardt inzwischen wohl besser als seine Westentasche. Der Fundbereich 1 umfasst das Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald und nach Süden hin den Bereich zwischen der A 6 im Westen und der Eisenbahnlinie Regensburg-Hof im Osten, bis er am südlichen Rand der Flur "Meierhölzl" endet.

Sturm "half" Archäologen


Hier konzentriert sich das Interesse vor allem auf das "Heuhüppelholz" mit seinen zwei Grabhügeln. Sie haben einen unteren Durchmesser von 11 bis 12 Meter und überragen das sie umgebende Gelände um 80 Zentimeter. Ehedem dürften sie etwa doppelt so hoch gewesen sein. Über das Alter konnte man zunächst nur Vermutungen anstellen. 1966 kam der Heimatforschung unerwartet ein Sturm zur Hilfe; er riss einen auf dem östlichen Grabhügel gewachsenen Baum um, dessen Wurzelwerk, Scherben freigab, die aus der Hallstattzeit stammen. Engelhardt wirft dann einen Blick auf das Gelände nördlich des Heuhüppelholzes, das durch den Bau der Autobahnen A 93 und A 6 sowie des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald "archäologisch leider wertlos geworden ist".

Wertvolle "Bodenurkunden" aus der Zeit vor Christi Geburt sind dabei vernichtet worden. Hinweise auf Bestattungen aus der Urnenfelderzeit gibt es aber auch vom Hinteren Hölzlacker, in dessen Nordteil Engelhardts Vorgänger Ernst Thomann 1965 vier fast vollständige, wenn auch zerscherbte Urnen fand. Repliken befinden sich im Nabburger Zehentstadel-Museum, die Originale im Regensburger Stadtmuseum. Diese und weitere Funde und die beiden nahe gelegenen Grabhügel führten schließlich 1981 zu einer Grabung des Landesamtes für Denkmalschutz, bei der weitere wichtige Erkenntnisse gewonnen werden konnten.

Ähnlich wie auf der Trasse der A 93 ging es 2003 beim Bau des Wasserrückhaltebeckens neben der Autobahn, im östlichen Teil des Heuhüppelholzes zu. "Das Gelände wurde ohne Rücksicht auf Bodendenkmäler bis nahe an den östlichen der beiden Grabhügel im Heuhüppelholz abgegraben", so Engelhardt. Nur durch eine von Ernst Thomann und Toni Rauen durchgeführte Notbergung konnten noch wertvolle Artefakte, darunter die Reste von neun Gefäßen und mehrere Tutuli, gerettet werden. Die Keramikfunde lassen eine zeitliche Einordnung in das späte neunte oder das frühe achte vorchristliche Jahrhundert zu. Schließlich konnten noch beim Bau des Autobahnkreuzes "Oberpfälzer Wald" archäologische Erkenntnisse gewonnen werden. Engelhardt entschloss sich den Bereich weiter zu erforschen: "Heimatpflege darf schließlich nicht still stehen". Die Flurbezeichnung "Heidäcker" tat ein übriges. Im Bereich Hinterer Hölzlacker sowie auf dem gesamten Heidfeld wurde er fündig. Es liegt nahe, "dass es nicht nur nördlich des Heuhüppelholzes, sondern auch südlich davon in der Vor- und Frühgeschichte Siedlungen gab".

Beginn der Landwirtschaft


In den Fundbereich 2 fallen die Fluren "Stockäcker" und "Gürnitzrangen". Die Ostgrenze bildet auch hier die Bahnlinie; im Westen endet er am Damelsdorfer Weg. Das Areal weckte Engelhardts Interesse schon deshalb, weil die Flurbezeichnung "Gürnitzrangen" eventuell auf eine slawische Besiedlung im Früh- oder Hochmittelalter hindeutete. Zunächst einmal fanden sich eindeutige Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen bereits in der Steinzeit. So konnte Engelhardt eine Reihe von Silexartefakten, darunter Werkzeuge wie einen Stichel, auflesen. Sie belegen die Begehung dieses Bereichs durch Jäger und Sammler bereits in der ausgehenden Altsteinzeit. Auch die Jungsteinzeit, das Neolithikum, ist mit einem Steinbeil und wohl auch Keramik vertreten. "Wir befinden uns damit in der Zeit der Sesshaftwerdung der bis dahin umherziehenden Menschen. Sie errichteten feste Häuser und begannen Getreide anzubauen und Vieh zu züchten. Kurzum: Wir haben es in dieser Epoche mit den ersten Landwirten zu tun," fasst der Kreisheimatpfleger zusammen. Die sich an die Steinzeit anschließenden Metallzeiten sind fundmäßig ebenso vertreten wie das Frühmittelalter, vielleicht sogar die vorausgehende Epoche der Römischen Kaiserzeit im freien Germanien.

Der Fundbereich 3 schließlich erfasst im Wesentlichen die Flur "Weiherwiesen" im Norden und endet an der Kreisstraße SAD 54. In den dazu gehörenden Fluren Österweiher, Am Pfaffenweiher, vor allem aber Weiherwiesen, steht Engelhardt mit seiner Suche erst am Anfang. "Den Fund einer mit einem Wellenband verzierten Scherbe aus dem 8. oder 9. nachchristlichen Jahrhundert, die wohl slawisch ist, hält er "für spannend", ist sie doch der bei den Grabungen auf dem Kapellenfeld gefundenen Keramik vergleichbar. "Ins Bild setzen" will Engelhardt Geschichtsinteressierte aber erst, wenn die Scherbe dem Landesamt für Denkmalpflege zur Begutachtung vorlag. Er prognostiziert, "dass der Norden von Iffelsdorf sicherlich auch weiterhin geschichtlich und archäologisch interessant ist".

Heimatpflege darf schließlich nicht still stehen.Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie


FührungenDer komplette Beitrag ist in der neuen Ausgabe des Pfreimder "Stadtturms" abgedruckt. Wer Kurt Engelhardt auf seinen Begehungen begleiten oder systematisch hobbyarchäologisch mitarbeiten will, kann sich mit ihm in Verbindung setzen. Der Kreisheimatpfleger für Archäologie im Landkreis Schwandorf ist telefonisch zu erreichen unter 09433/9973 oder per Email unter k.h.engelhardt@online.de

Beim "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 11. September, bietet Kurt Engelhardt um 14 und um 16 Uhr Führungen an (Treffpunkt Damelsdorfer Weg unterhalb der Ödschlagtalbrücke, siehe Karte). Bei der Gelegenheit sollen die Hügelgräber gezeigt und erläutert werden, außerdem die gesamte archäologische Situation im Norden von Iffelsdorf anhand von Bildern und Exponaten.
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