Die „Stube“ hat bald ausgedient

Kommandeur Stefan Reiße.
Vermischtes
Pfreimd
07.10.2016
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Kommandeur Stefan Reiße.

Mit dem veränderten Berufsbild der Bundeswehr zieht ein neuer Standard in die Oberpfalzkaserne ein. Wenn in den nächsten Jahren Unterkunftsgebäude umstrukturiert oder abgerissen und neu gebaut werden, gehen schätzungsweise 50 bis 80 Soldaten auf Wohnungssuche.

Stadt und Oberpfalzkaserne sind seit 45 Jahren eng verbandelt. Oberstleutnant Stefan Reiße gab nun dem Stadtrat einen Lagebericht. Der Kommandeur hat in Pfreimd eine kleine Wohnung und pendelt jedes Wochenende zur Familie nach Weilerswist: 510 Kilometer. Reiße hat Erfahrung in Auslandseinsätzen, war in Afghanistan, in Bosnien-Herzegowina. Nun hat er in der Oberpfalzkaserne das Kommando über 780 Soldaten. Auch 88 Zivilbeschäftigte sind am Standort tätig. In den nächsten Jahren ist kein Jubiläum in Sicht. Erst 2021 stehen 50 Jahre Bundeswehr am Standort und 40 Jahre Panzerbataillon 104 an. Doch zum Feiern ist ohnehin kaum Zeit: In der Kaserne besteht enormer Sanierungsbedarf. Die Bundeswehr steht nach Abschaffung der Wehrpflicht mit anderen Arbeitgebern im Wettbewerb. Entsprechend müssen Infrastruktur und Wohnstandards angepasst werden. Das heißt Einzelzimmer mit Dusche und WC statt Vier-Mann-Stube. Los geht es 2017/18. Wenn alles optimal läuft, möchte man 2029 fertig sein.

35 Millionen


Das Investitionsvolumen ist stattlich: 35 Millionen Euro. Darin enthalten sind der Neubau der Prüf- und der Instandsetzungshallen. Neue Unterkünfte müssen errichtet, vorhandene Gebäude zur Deckung fehlender Unterkünfte umgebaut werden. In dieser Zeit werden Betten fehlen. "Anfangs wird man zusammenrücken", so der Kommandeur. Doch ab dem Jahr 2021 sollten Gemeinden, "die Soldaten im Kopf haben". 50 bis 80 werden eine Unterkunft suchen.

Aber zurück zur aktuellen Situation: Die Soldaten haben KFOR-Einsätze hinter sich, einige waren im Vorjahr in Afghanistan und Mali. Heuer lag der Schwerpunkt auf Panzerausbildung und Übungen. Zudem war man sozusagen Standby für das Kosovo. Nicht vergessen wollte der Kommandeur die Unterstützung der Bundeswehr in der Flüchtlingshilfe.

Was die Ausstattung anbelangt, "gehören" Reiße 44 Kampfpanzer. Verfügbar sind 32, da ein Teil kontinuierlich in die Instandsetzung geht. Im nächsten Jahr steht für 146 Soldaten der KFOR-Einsatz in Prizren und Pristina an. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausbildung im Gefechtsverband Steuben. Die Personalsituation bezeichnet Reiße als gut, allerdings fehlen Spezialisten in Informationstechnik und Instandsetzung. Die Durchnittsverpflichtung liegt bei 9,2 Jahren.

Das Pächterproblem


Froh ist Stefan Reiße über die gute Zusammenarbeit mit Stadt und Bürgermeister. Gerne stelle man die Sporthalle im Winter für Vereine zur Verfügung. Im Standort hat der Kommandeur das Problem keinen Kantinenpächter zu finden. Der Appell "Interessenten bitte melden" rang den Stadträten ein gezwungenes Lächeln ab, haben sie doch die gleichen Sorgen mit den Vereinsräumen der Landgraf-Ulrich-Halle. Bürgermeister Richard Tischler war nach dem Vortrag beeindruckt, welche Manpower im Standort steckt: "Nicht jede Kommune hat so einen Partner."
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