Ein „Kristall“ als Seelenraum

Als mögliche Variante für Urnenbestattungen wurde dem Stadtrat ein "Kristall" aus Glas und Stahl vorgestellt. Künstler Engelbert Süß wird in der nächsten Sitzung eine Kostenberechnung vorlegen. Bilder: hm (2)
Vermischtes
Pfreimd
30.09.2016
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Denkbare Variante für Urnengräber: Ein abgeschrägter Granitring, der um einen Baum angeordnet ist. Pro Feld könnten zwei Urnen untergebracht werden. Auf dem Ring würden die Namen und Lebensdaten des Verstorbenen eingraviert.

Die Idee ist ungewöhnlich, aber reizvoll: Die Urnen Verstorbener könnten in einem "Kristall" ihre letzte Ruhestätte finden. Das war einer der Vorschläge, die Künstler Engelbert Süß dem Stadtrat präsentierte.

Im Pfreimder Friedhof werden die Urnenplätze knapp. Die Stadt bat den Pfreimder Bildhauer Engelbert Süß um Lösungsvorschläge. Süß hatte zum einen die Idee von Urnengräbern, die um einen Baum eingelassen werden, aufgegriffen. Es wäre aber pietätlos, auf den Urnengräbern zu stehen, meinte er. Darum schlug er einen mehrteiligen Granitring vor, in den die Urnen eingereiht werden. 42 - je zwei pro Feld - würden untergebracht. Auf dem Ring können die Namen und Lebensdaten eingraviert werden.

Aus Glas und Stahl


Ein zweiter Vorschlag, dem Süß wegen seiner Ungewöhnlichkeit eigentlich keine allzu große Akzeptanz eingeräumt hatte, war ein Urnen-Kristall: Acht Meter lang, fünf Meter breit und vier Meter hoch, aus Stahl und blauem Glas. Das Sicherheitsglas würde mit keramischen Farben bedruckt, wäre wetter- und UV-resistent. 3000 bis 3500 Urnen könnten in einer Art Regalsystem darin Platz finden. "Das klingt nach viel, aber man muss in die Zukunft schauen", so Engelbert Süß. Der Granit-Ring um einen Baum ist mit 12 000 bis 15 000 Euro veranschlagt. Für den Kristall-Kubus hatte Süß noch keine Kosten berechnet. Er wollte erst einmal die grundsätzliche Akzeptanz ausloten.

Die Stadträte Klaus Summer und Georg Hösl interessierte, ob die Baum-Variante auch größer und der "Kristall" kleiner vorstellbar wären. Süß war der Ansicht, dass eine Vergrößerung der Baumscheibe unproportional wirken würde. Eine Verkleinerung des "Kristalls", der auf einer Freifläche im Friedhof stünde, würde seine Wirkung beeinträchtigen. Im Umgriff wären dann auch Sitzkuben vorgesehen, um in Erinnerung an die Verstorbenen an einem Ort des In-sich-Gehens verweilen zu können. Mit dem Kristall "soll ein Seelenraum entstehen". Ein öffentlich zugänglicher Trauerraum sei nicht geplant. Außen könnten die Namen der Verstorbenen eingeprägt werden.

Zweite Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins hinterfragte den aktuellen Bedarf. Laut Sachbearbeiter Alfred Hammer wurde im Jahr 2000 eine erste Urnenwand mit 18 Kammern (4380 Euro) gebaut. 2006 folgte die zweite Wand mit 36 Kammern (16 600 Euro), 2012 dann erneut 36 Kammern (45 000 Euro). Davon sind lediglich noch sieben Urnenplätze frei. Mit einem Urnen-Baum wird die Stadt schnell wieder an die Grenzen stoßen. Man bräuchte dann wohl mehr solcher Lösungen, meinte Dr. Mertins. Bürgermeister Richard Tischler führte noch die dritte Variante an: eine vierte Urnenwand. Stadtrat Manfred Bruckner sprach sich gestalterisch klar für den "Kristall" aus. Auch eine Kleinstadt wie Pfreimd könne Mut zu ungewöhnlichen Lösungen zeigen. Bei der Baum-Variante "sitzen wir in vier Jahren wieder hier".

Doch beim "Kristall" müsse der Stadtrat vorher wissen, "ob er das zehnfache oder eine Million kostet". Wenn der Preis in Relation akzeptabel wäre, "hätten wir für Generationen ausgesorgt". Norbert Auer rechnete den Bedarf hoch. Bei mehreren Baumprojekten sei man auch schnell bei 100 000 Euro. Petra Stubenvoll unterstrich: Die Feuerbestattungen machen inzwischen 80 Prozent aus.

Kosten ermitteln


Klaus Summer gab zu bedenken, dass viele Hinterbliebene an den Urnen Blumen und Andenken abstellen wollen. Ob die Akzeptanz da sei, wenn sie außen nur einen Schriftzug sehen? Bürgermeister Tischler verwies auf die alternative Erdbestattung der Urne. Auf diesen Grabflächen sei das "jederzeit möglich". Er las aus der Diskussion "eine gewisse Sympathie für den Kristall" ab. Der Stadtrat beschloss mit einer Gegenstimme (Stefan Enders), dass Süß bis zur nächsten Sitzung einen Kostenvoranschlag als Grundlage für weitere Entscheidungen erarbeiten soll.
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