Im Windpark Pamsendorf
Fünf Riesen im Wald

Am Mittwoch lag das große Rotorblatt für die Windkraftanlage 5 noch auf dem Lastwagen. Sobald der Wind still genug sein wird, hieß es, wird es in 140 Meter Höhe montiert. Bilder: Dobler (4)
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Pfreimd
01.09.2016
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Der Turm eines Windrads besteht aus Beton- und Metallröhren, die einfach aufeinandergestellt sind. Bis zu den Spitzen der Rotoren misst die Anlage 199 Meter.

In Deutschland gibt es rund 25 000 Windräder. Fünf, die nicht unumstritten sind, entstehen derzeit im Wald beim Pfreimder Ortsteil Pamsendorf. Wie der Bau vorangeht, davon konnte sich am Mittwoch eine Gruppe aus Stadträten und Verwaltungsbediensteten überzeugen.

Investor Dr. Christian Deglmann, der kaufmännische Betriebsführer der Betreibergesellschaft Windpark Pamsendorf GmbH&Co KG, hatte bei der Baustellenführung gute Laune: "Die letzte Zulassung zur Revision der Gegner des Windparks wurde abgelehnt und ich bin froh, dass das Damoklesschwert weg ist und wir rechtlich sauber sind." Seine Zuhörer dürften ähnlich empfunden haben, hatte doch der Stadtrat den Weg für das umstrittene Millionenprojekt frei gemacht.

Bald fließt erster Strom


Dr. Johanna Mertins, die derzeit die Amtsgeschäfte des Pfreimder Bürgermeisters führt und der kleinen Delegation vorstand, fasste ihre Sicht der Dinge in die Worte eines chinesischen Sprichworts: "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." Das war ein deutlicher Seitenhieb auf die Gruppe der Windrad-Gegner aus den angrenzenden Gemeinden Gleiritsch und Guteneck.

Für Deglmann gab es noch einen zweiten Grund, zufrieden zu sein. "Seit 10.28 Uhr ist der Strom zugeschaltet", informierte er die Räte. Zwar sei das Windrad 1 noch nicht in Betrieb, "aber die Schaltschränke stehen schon unter Strom". Nun würden Stück für Stück alle Anlagen zugeschaltet. Kleinere Probleme seien zwischenzeitlich behoben worden, die bei der fünf Kilometer langen Stromleitung aufgetreten waren. "Wir haben die Kabel jetzt auf Vordermann gebracht."

Eingespeist wird der grüne Strom beim Kraftwerk Trausnitz in das Netz des Bayernwerks. Noch eine gute Woche, dann wird bereits der erste Strom aus dem Windpark in Richtung Kraftwerk fließen. Am 9. September geht es mit acht Megawatt los, und zwar bis Ende des Jahres - auch wenn der ganze Windpark zwölf Megawatt produzieren kann. Aber das würden die Bayernwerk-Stromkabel derzeit nicht vertragen. So muss in diesem Bereich noch nachgerüstet werden.

"Sollte später einmal zu viel Strom da sein, kann das Bayernwerk von sich aus unsere Anlage drosseln," informierte Dr. Deglmann. Beim finanziellen Ertrag für die Betreibergesellschaft würde sich das aber nicht negativ auswirken.

Weil sich die Windpark Pamsendorf GmbH&Co KG der Stadt Pfreimd gegenüber verpflichtet hatte, den Wasserhochbehälter Trefnitz, der sich beim Windrad 4 befindet, technisch aufzurüsten, "haben wir mit unseren Stromkabeln auch gleich die Steuerungs-Kabel für den Hochbehälter verlegt". Laut Deglmann war das kein besonderer Aufwand, "weil die Straße eh schon aufgerissen war". Die Maßnahme werde bald abgeschlossen sein. Erneuert wird in diesem Zusammenhang auch die alte Asbestzement-Wasserleitung zum Hochbehälter. "Das machen wir, wenn die Windpark-Baustelle abgeschlossen ist, und danach stellen wird auch die Waldwege wieder perfekt her."

Der Pfreimder Verwaltungsleiter Bernhard Baumer, der an der Besichtigung ebenfalls teilnahm, sprach davon, dass es künftig sogar zwei Leitungen statt bisher einer geben werde. "Das erhöht die Versorgungssicherheit von Gleiritsch und Guteneck," betonte er. Besonders wichtig schien Baumer auch, dass der Wasserwart wegen der neuartigen elektronischen Steuerung von zu Hause aus auf mögliche Probleme beim Hochbehälter reagieren könne - Stichwort Elektroschieber.

Leicht rückzubauen


Ihr Weg führte die Gruppe durch den Wald zum Windrad 5. Bei ihm werden zur Zeit die drei Rotorblätter montiert und damit wird es das dritte von den fünf Windrädern sein, das fertiggestellt ist. Die weiteste Entfernung zwischen zweien dieser riesigen Stromerzeuger beträgt 700 Meter, berichtete Deglmann. Wie die anderen Anlagen auch hat das Windrad 5 eine Höhe von 141 Meter - oder sogar 199 Meter, wenn man die Rotorflügel mit einrechnet. "Höher als das Ulmer Münster", zeigte sich Dr. Mertins beeindruckt.

Wie Betriebsführer Dr. Deglmann ausführte, seien die einzelnen Teile des Windradturms nur aufeinandergestellt und nicht miteinander verbunden. "Stahlseile halten im Inneren den Turm gespannt", ergänzte er. Ein Vorteil dieser Bauweise: "Die Anlage ist leicht rückzubauen." Das wird sich dann in 20, maximal 30 Jahren zeigen. So lange sollen die Windräder nämlich in Betrieb sein.

"Keiner benachteiligt"


In seiner Eigenschaft als Investor sprach Dr. Deglmann auch die Verhandlungen mit den zwölf Eigentümern der 70 Flurstücke an, auf denen der Windpark errichtet wurde. "Wir haben immer geschaut, dass bei den Pachten keiner benachteiligt wird", versicherte er den Räten.

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.Zweite Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins zitiert ein chinesisches Sprichwort
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