Leitsignal mit Tradition

Die Pfreimdtalbläser feiern Geburtstag und haben dazu nicht nur in stattliche Tracht investiert, sondern Jagdhornbläser aus dem ganzen Landkreis zum gemeinsamen Musizieren beim Pfreimder Bürgerfest am 10. Juli motiviert. Bild: Marco Linke/hfz
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Pfreimd
04.07.2016
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"Das eigentliche Hobby ist die Jagd, das Jagdhornblasen ist nur eine Zugabe. Da macht es nichts, wenn es nicht ganz so professionell zugeht." Zitat: Hornmeister Michael Süß

Ursprünglich war ihr Platz im Wald. Für den 10. Juli haben sich rund 180 Jagdhornbläser jetzt den Pfreimder Marktplatz ausgesucht. Wenn sie klanggewaltig zum "Hubertusgruß" ansetzen, bleiben die Gewehre im Schrank, denn es gibt etwas zu feiern.

Neun Jagdhorn-Gruppen werden an diesem Tag, der gleichzeitig Termin für das Pfreimder Bürgerfest ist, teils abwechselnd, teils gemeinsam musizieren. Denn in ihren Reihen ist ein Geburtstagskind: Die Pfreimdtalbläser werden zehn Jahre alt. Grund genug, das Landkreisbläsertreffen in ihrer Heimatstadt auszurichten.

Jagd und Brauch


Allein 29 Mitglieder sind es in der Pfreimder Bläsergruppe, die alle mehr oder weniger ein gemeinsames Hobby eint: die Jagd. Dazu kommt ein Faible für Brauchtum. Und manchmal genügt auch schon ein netter Nachbar, der an einem feuchtfröhlichen Abend Unterstützung fürs Ensemble sucht. So erging es jedenfalls dem Pfreimder Hornmeister Michael Süß, der die Gruppe seit gut neun Jahren betreut.

"Ich bin die Ausnahme, mit Jagd hatte ich eigentlich gar nichts tun", erklärt Süß, der immerhin als ehemaliges Mitglied einer Jugendblaskapelle "vorbelastet" war. Die Trompete von damals allerdings hatte er vor 20 Jahren verkauft, als nun das Jagdhorn und eine Schar lernbegieriger Jäger auf ihn zukamen.

Die Neulinge hatten ihre ersten Schritte bereits mit anderen Lehrmeistern getan und waren Feuer und Flamme, neben der Jagd auch das Brauchtum zu pflegen. Einer dieser Pioniere ist der Vorsitzende der Pfreimder Hegegemeinschaft, Dietmar Maier. "Es ging darum, dem Wild die Ehre zu erweisen, wenn man die Strecke verbläst", erläutert er. Mit "Strecke" ist dabei nicht der Weg, sondern die aufgereihte Beute gemeint.

Tot-Signale


"Es gibt für jede Wildart ein spezielles Tot-Signal" berichtet Maier. "Hisch tot" klingt anders als "Reh tot" oder "Fuchs tot". Anfangs waren die Jäger beim Jagdhornblasen ganz unter sich, doch bald fanden auch die Ehepartner Gefallen am gemeinsamen Musizieren, und inzwischen ist ein Drittel der Pfreimdtalbläser weiblich.

Ganz einfach ist das Hobby nicht. Wer das Fürst-Pless-Horn oder das Parforce-Horn (eine Oktave tiefer) beherrschen will, muss mit Ansatz und Lippenspannung agieren, denn Klappen und Ventile hat dieses Blechblasinstrument nicht.

"Das sollte schon täglich 20 Minuten trainiert werden", meint Hornmeister Süß, der jeden Mittwoch um 19.30 Uhr abwechselnd im Pfreimder Sportheim und im Trausnitzer Ritterkeller seine Schüler um sich versammelt. "Und man braucht einen geduldigen Hornmeister mit Nerven wie Stahlseile, weil einige Bläser gar keine Noten lesen können", gesteht Maier, der sich selbst dabei nicht ausnimmt.

Auch ohne Noten


"Das eigentliche Hobby ist die Jagd, das Jagdhornblasen ist nur eine Zugabe. Da macht es nichts, wenn es nicht ganz so professionell zugeht", weiß auch der Hornmeister. "Es funktioniert auch ohne Notenlehre, wir spielen dann eben nach Gehör." In Zeiten, da das Handy locker irgendwelche Jagdsignale ersetzen kann, zählt vor allem die Freude am Klang - ob beim Geburtstagsständchen oder beim letzten "Hallali".

Einblicke in diese Klangwelt (siehe Infokasten) gibt es bei der Geburtstagsfeier der Pfreimdtalbläser am 10. Juli ab 14 Uhr auf dem Markplatz. Den Auftakt machen die Gastgeber mit dem Lieblingsstück von Hornmeister Michael Süß, dem "Hubertusgruß".

ProgrammAm Landkreisbläsertreffen in Pfreimd beteiligen sich die Kreisgruppen von Burglengenfeld, Nabburg, Nittenau, Neunburg, Oberviechtach und Schwandorf sowie die Hegegemeinschaften Pfreimd und Schwarzenfeld mit Bläsergruppen. Als Profis mit bayerischem Meistertitel werden die Oberpfälzer Parforcehornbläser mit Hornmeister Hubert Bäuml erwartet. Die Koordination der Musiker übernimmt Landkreishornmeister Wolfgang Prebeck, die Moderation Johann Vornlocher. Auf dem Programm steht Populäres wie der "Jägermarsch", "Der Jäger aus Kurpfalz" oder "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" oder der "Hubertusmarsch", bei dem alle gemeinsam musizieren; ebenso bei "Hirschmarsch", "Morgengruß" oder "Jägers Wanderliedchen". Es gibt aber auch anspruchvolle und weniger bekannte Melodien. "Marsch Solonelle", "Alpenjägermarsch", "Nabburger Jägermarsch", "Waidmannsgruß", "Gamsschützenmarsch", "Steirische Jagdfanfare", "Waldfrieden", "Was kommt dort von der Höh'", "Wilhelm Tell", "Festfanfare", "LJM-Konrad-Marsch" und "Fröhliche Runde" lauten weitere Titel, bevor es "Auf Wiederseh'n" heißt. (bl)


Das eigentliche Hobby ist die Jagd, das Jagdhornblasen ist nur eine Zugabe. Da macht es nichts, wenn es nicht ganz so professionell zugeht.Hornmeister Michael Süß
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