Präsentation des Energienutzungsplanes für die Stadt Pfreimd
Nahwärme kein Patentrezept

Der Rücklauf der Fragebogenaktion war zögerlich. Die Zahl der Interessenten an einem Nahwärmenetz hält sich in Grenzen. Bilder: hfz/Völkl
Vermischtes
Pfreimd
12.04.2016
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Professor Markus Brautsch.

Die Berechnungen waren aufwendig. Unterm Strich gaben sie eine klare Richtung für die energetische Versorgung der Stadt Pfreimd vor. Sie liebäugelte mit einem Nahwärmenetz im neuen Baugebiet. Davon verabschiedet sie sich jetzt.

Die Stadt hatte Professor Dr.-Ing Markus Brautsch und Klaus Uschald vom Institut für Energietechnik IfE an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden mit einem Energienutzungsplan beauftragt. Das 44-seitige Werk wurde nun dem Stadtrat präsentiert.

Dr. Brautsch schickte voraus, dass die Kommune, bedingt durch ihre Industrielastigkeit, viel elektrischen Energieumsatz hat. Beim Co2-Ausstoß - 33 800 t/a - gebe es noch etwas zu tun. Photovoltaik, Wasser und Biomasse machen 13 Prozent an elektrischer erzeugter Leistung aus. Eine Steigerungsfähigkeit ist möglich, aber bedingt. Es stünden nur bestimmte Flächen für Photovoltaik zur Verfügung. Bei Biomasse und Biogasanlagen sei die Vergütung durch das EEG-Gesetz erheblich reduziert worden. Allerdings würden 24 000 MWh/a Windkraft aus den fünf entstehenden Anlagen bei Pamsendorf "alles herausreißen".

Effiziente Straßenleuchten


Mit erneuerbaren Energien liege das elektrische Ausbaupotenzial bei 41 356 MWh/a (108 Prozent), das thermische bei 16 381 MWh/a (27 Prozent). Einsparungmöglichkeiten gebe es bei Gebäudesanierungen. Doch die private Wärmedämmung rechne sich nicht so schnell. Anders die Straßenbeleuchtung: Hier ist die Stadt vorbildlich. Die Umstellung auf energiesparende Leuchten brachte bisher 56 Prozent Einsparung.

Professor Brautsch nannte konkrete Maßnahmen: Er riet zur Photovoltaik auf der Kläranlage mit Stromeigennutzung. Bei einer Fremdfinanzierung mit 1,5 Prozent ergebe sich nach 20 Jahren ein Überschuss von 26 900 Euro, bei steigenden Strompreisen entsprechend mehr.

Anders die Situation bei einem Nahwärmenetz in der Ortsmitte. Es müsste mit einem Blockheizkraftwerk verbunden sein, das in einem Betrieb mit großer Stromeigennutzung wie der Metzgerei Paulus stehe. Hackgut, Pellets - von den Wärmegestehungskosten her ist Erdgas mit 8,8 Cent pro kWh am besten, aber auch nicht attraktiv genug. Da wäre ein kleineres Netz mit 8,1 Cent pro kWh zu bevorzugen. Es liege aber auch an der Wirtschaftlichkeitsgrenze, wenn nicht mehr Haushalte mitziehen.

"Rechnet sich nicht"


Eine Absage wird einem Nahwärmekonzept im neuen Baugebiet "Westlich der Nabburger Straße" mit 28 Parzellen erteilt. Die neuen Häuser würden ohnehin energetisch gut ausgestattet. Der Bedarf sei sehr niedrig. Die Wärmegestehungskosten lägen bei 18,6 Cent pro kWh. "Das rechnet sich nicht", so der Energiefachmann.

Sein Fazit: Photovoltaik auf der Kläranlage ist wirtschaftlich und ökologisch interessant, ein Nahwärmeverbund im neuen Baugebiet nicht darstellbar. Ein Nahwärmeverbund in der Ortsmitte wäre unter den aktuellen Rahmenbedingungen nur in Zusammenarbeit mit der Metzgerei Paulus wirtschaftlich umsetzbar. Dr. Brautsch ging auf eine Frage von Zweiter Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins ein. Wer erst aktuell in eine Heizung investiert habe, werde wenig Interesse am Nahwärmeverbund haben. Anders sehe es aus, wenn bei einer alten Heizung ohnehin eine Reinvestition anstehe.

Die Stadt hat nun für das Neubaugebiet "eine klare Aussage", so Bürgermeister Richard Tischler. Und "mit dem ein oder anderem werden wir uns noch beschäftigen."
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