Generationswechsel bei der Pirker Blechmusi
Junge blasen den Marsch

Kultur
Pirk
20.04.2017
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Die Pirker Blechmusi hat eines der jüngsten Vorstandsteams eines aktiven Orchesters in der Region. Üben sind die Musiker gewohnt. Mittlerweile haben sie viele Stücke der Vereinsarbeit kennengelernt. Sie lachen immer noch, haben aber auch schwere Nüsse zu knacken.

Sabrina Nößner und Simon Knorr stehen seit 2014 gleichberechtigt an der Spitze des Vereins mit derzeit 253 Mitgliedern. Sie war 21, er 22 Jahre als die beiden die Ämter übernahmen. Nößner ist quasi mit der Kapelle aufgewachsen. Papa Reinhold ist seit Urzeiten Dirigent, und Onkel Wilfried "Frieder" Nößner steht als Sänger und Frontmann bei Auftritten ebenfalls seit langem im Zentrum. "Wir freuen uns über ihre Tipps und sie sich über den frischen Wind", spricht Sabrina von einem guten Verhältnis.

Auf fast parallele familiäre Beziehungen verweist Kapellenleiter Daniel Zimmerer. Sein Vater Hans ist ebenfalls ein Urgestein als Dirigent. Onkel Klaus Häusler gab seinen Posten als Vorsitzender in die Hände des jungen Teams. Der heute 24-jährige Daniel kennt Sabrina schon aus der Grundschule. "Wir sind mit Musik aufgewachsen, aber keiner ist hineingetrieben worden", stimmen sie überein. Mit im Team als weitere Kapellenleiterin mit dem kirchlichen Bereich als Schwerpunkt ist die 24-jährige Alexandra Leicht.

Schwierige Suche


Simon ist über einen Vorspielnachmittag zur Kapelle gekommen. Diese Veranstaltungen gibt es immer noch wenn auch mit vermindertem Andrang. "Wir haben uns die Nachwuchswerbung leichter vorgestellt, viel wir näher an den Jungen dran sind", bekennt Sabrina. "Aber da beißen auch wir uns die Zähne aus."

Zehn Nachwuchsmusiker bildet die Blechmusi derzeit aus. Die Kapelle kann noch ohne Aushilfen ihre Auftritte absolvieren. "Wir sind viele Frauen im gleichen Alter", bemerkt Sabrina dazu. 20 der insgesamt 29 Aktiven sind unter 30 Jahren. In der Familienphase zwischen 30 und 40 Jahren, lockere sich der Kontakt. Zu oft wollen die jungen Väter und Mütter dann nicht mehr eine ganze Saison lang auf der Bühne stehen.

So hat Sängerin Kathrin Ram im vergangenen Jahr aus familiären Gründen das Mikro aus der Hand gegeben. Nach dem ersten Schock, ging man in der eigenen Truppe auf die Suche. "Wir haben in unserer Mannschaft vier starke Sänger gefunden, die Kathrin mit ausgebildet hat", freut sich Daniel. "Die haben sich tierisch reingehängt und bis zu viermal in der Woche geprobt", lobt Simon den Einsatzwillen der Aktiven. Daniel ist begeistert vom fließenden Übergang. "Die Jungen singen junge Lieder besser, die Alten die Rocksongs."

Jedes Jahr komme eine andere Aufgabe auf die Verantwortlichen zu, die als Marketingmanagerin bei Witt, als Maschinenbauingenieur sowie -techniker bei der BHS arbeiten. Für diese Saison ist Ex-Drummer Robert Gallersdörfer für Dominik Koslowski eingesprungen. 2018 kommt Nachwuchsschlagzeuger Tobias Klier.

Heuer gab es im Tenorbereich ein Problem. In nur zwei Monaten arbeitete sich ein Musiker ein. "Da muss man schon üben, um vom Flügel- zum Tenorhorn zu wechseln", nennt Daniel ein weiteres Beispiel für den positiven Ehrgeiz. "Es hat niemand Scheu vor der Arbeit weder musikalisch noch bei sonstigen Aufgaben." Auch wenn es um den Auf- oder Abbau geht, sind die Leute bei der Stelle. "Es ist gut, wenn man weiß, diesen Rückhalt zu haben", spricht Sabrina allen aus dem Herzen. Selbst bei zehnstündigen Auftritten murre niemand. "Auch wenn das anstrengend ist, wie ein Marathonlauf", beschreibt Simon die Strapazen.

Super Besuch der Proben


Zu den zwei Proben pro Woche kommen zwischen 85 und 90 Prozent der Musiker. "Das ist nicht selbstverständlich, zumal viele auswärts studieren oder Schicht arbeiten", meint Simon. Auch mit den Finanzen des Vereins ist der Trompeter und Flügelhornspieler zufrieden. "Im vergangene Jahr haben wir einen Anhänger angeschafft, Licht und Ton passen." Solange es mit den Auftritten so gut laufe wie bisher, könne man wie gewohnt weitermachen, ergänzt Daniel. "Wir sind aber froh über jede Spende." Schließlich koste ein Instrument schnell 3000 bis 5000 Euro.

Die drei hoffen, dass ihnen Bands auch in Zukunft nicht den Rang ablaufen. Vorteil der Blechmusi sei die Vielseitigkeit. "Wenn nötig spielen wir auch spontan ein Kirchenlied oder einen Marsch." Auch ohne Elektronik, sind die Blechmusiker nicht aufgeschmissen. Vor Jahren passierte ihnen das beim verregneten Bürgerfest in Luhe. "Da haben wir vier Stunden unplugged gespielt."

Im jährlich wechselnden Programm versuchen auch die Jungen vieles von dem einzubauen, was die einzelnen Kapellenmitglieder einbringen. "Mir gefällt es, wenn es zum Schluss hin richtig rockig wird", bekennt Simon. Aber auch die böhmische Blasmusik hat es ihm angetan. "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen erinnert Sabrina an die erfolgreiche 40-Jahr-Feier der Blechmusi vor fünf Jahren.

Halbes Jahrhundert im Blick


"Wenn wir so lange durchhalten, wollen wie die Väter, dann haben wir noch einige Jahre vor uns", sind sich die drei einig. Die waren rund 30 Jahre aktiv. "Nächstes großes Ziel ist es, das 50-Jährige 2022 mit dieser Truppe gebührend zu feiern", gibt Daniel den Takt vor.

Ein weiterer Plan ist der Aufbau einer Bläserklasse. Sie soll auch kleinere Auftritte absolvieren. Schließlich soll die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen an den Instrumenten sicherstellen, dass Fans wie die von der Feuerwehr Lohma noch lange zu den Konzerten der Pirker Blechmusi kommen können.

Größere Auftritte 2017Mai:

21. Pirker Fest 27./28. Fahrzeugweihe in Baumgartenberg in Österreich

Juli :

8. Bürgerfest Wiesau 9. 150 Jahre Feuerwehr Mantel 16. Kirwa Pirk 24. Hammerrangfest Waldershof 31. Heimatfest Moosbach

August:

4. 45 Jahre Pirker Blaskapelle:Open Air in Hochdorf 6. Bürgerfest Pleystein 13. Juravolksfest Neumarkt 15. Wiesenfest Kemnath 19. Kirchweih Kirchenthumbach


Ein Zehn-Stunden-Auftritt ist anstrengend wie ein Marathonlauf.Simon Knorr
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