Horst Eckert stellt in Pirk seinen neuen NSU-Thriller "Wolfsspinne" vor
Fiktiv und doch ziemlich real

Horst Eckerts neuer Thriller "Wolfsspinne" beschäftigt sich mit dem Thema NSU. Schon seit Jahren habe er darüber schreiben wollen. Bild: stg
Kultur
Pirk
07.10.2016
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Die "Wahrheit" nimmt Horst Eckert für sich nicht in Anspruch. "Das will ich auch gar nicht. Die Geschichte ist natürlich erstunken und erlogen", kokettiert der Krimi-Autor im Gewölbesaal der Brauerei Schwab. Auf Einladung der "Kultur Freunde Pirk" stellt Eckert seinen neuen Thriller "Wolfsspinne" vor, der vor wenigen Wochen erschienen ist.

Für die "kriminalistische" musikalische Unterhaltung sorgt Hubert Trottmann auf dem Akkordeon. Der facettenreiche Krimi lässt die mörderische Blutspur und die Hintergründe des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in einem neuen Licht erscheinen. "Ich lese Ihnen keine Wahrheit vor, sondern eine Möglichkeit, wie es sich zugetragen haben könnte", betont Eckert. Der Autor, der in Weiden geboren wurde und in Pressath aufgewachsen ist, lebt seit drei Jahrzehnten in Düsseldorf.

"Der Fall des NSU und alles, was damit zu tun hat, hat mich von Anfang an gepackt", berichtet er. Schnell sei ihm klar geworden, dass er darüber schreiben müsse, nur den richtigen Zugang dazu habe er anfangs nicht gefunden. Für seinen dritten Band der Vincent-Veih-Reihe sei ihm dies gelungen. "Wir stehen bis heute vor einem großen Rätsel bei diesem Thema." Akten seien geschreddert worden, in den Verfassungsschutzämtern gelogen, eine ordentliche Spurensicherung nach dem angenommenen Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sei ausgeblieben und die Ungereimtheiten würden immer mehr anstatt weniger. "Ich habe - wie viele andere auch - meine Zweifel an der offiziellen Version." Der Krimiautor hat Textabschnitte gewählt, die einen intensiven Einblick in die Geschichte vermitteln, aber auch neugierig machen, wie es weitergeht. Eine Stärke in Eckerts Schreiben liegt in der ungekünstelten Sprache. Damit gelingt ihm eine Charakterisierung der Protagonisten, die diese wohlvertraut erscheinen lassen: Zum Vorschein kommen Typen, die in der heutigen Zeit an vielen Stellen zu finden sind, die jeder kennt.

Vincent Veih ermittelt


Eckert lässt erneut den Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent "Che" Veih ermitteln - zum dritten Mal. Auch jetzt kommt Veih seiner eigenen Biographie - in diesem Fall seinem bis dato unbekannten Vater - ein Stück näher. Die andere Hauptfigur ist V-Mann Ronny, der im Gestrüpp zwischen NSU und Verfassungsschutz steckt. Gekonnt verwebt Eckert die anfänglich zwei Handlungsstränge zu einem einzigen. Mit den gewählten Textpassagen deutet Eckert seine Sicht der Dinge gut an - und macht auf erschreckende Weise deutlich, dass die "Wahrheit" über den NSU vielleicht doch eher im Roman als in der "offiziellen" Version zu finden ist.

Weitere LesungenWer Horst Eckert noch in der Oberpfalz lesen hören will, hat noch dreimal die Gelegenheit: Am Samstag, 8. Oktober, um 20 Uhr, in Sulzbach-Rosenberg im Gasthaus Landkutsche, in seiner Heimatstadt Pressath im Bistro Nowas am Montag, 10. Oktober (19.30 Uhr), sowie am Dienstag, 11. Oktober (19.30 Uhr) in der Stadtbücherei Regensburg. (stg)
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