Mandelring-Quartett in Pirk
Zornig, berührend und rasend

Bei den Weidener Max-Reger-Tagen gestaltete das Mandelring-Quartett in Pirk einen hinreißenden Klassik-Abend. (Von links) Sebastian Schmidt (1. Violine), Nanette Schmidt (2. Violine), Andreas Willwohl (Viola) und Bernhard Schmidt (Violoncello) begeisterten das Publikum. Bild: tie
Kultur
Pirk
19.07.2016
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Der Dachsaal im Brauhaus zu Pirk fasst kaum die Besucher, als der Kammermusikabend mit dem Mandelring-Quartett beginnt. Sebastian Schmidt und Nanette Schmidt spielen die Geigen, Andreas Willwohl die Bratsche und Bernhard Schmidt das Cello. Selten gespielte Werke und ein romantischer Glanzpunkt stehen auf dem Programm.

Sebastian Schmitt als erster Geiger informiert detailliert jeweils vor Beginn über die Werke. Von Viktor Ullmann stammt das Streichquartett Nr. 3, op 46. Der Komponist hat es 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt, zwei Jahre vor seinem Tod, geschrieben, erst 1995 wurde es veröffentlicht. Seine beiden anderen Quartette sind bis heute verschollen. Es ist unmöglich, die musikalischen Stimmungen im Quartett nicht mit den Lebensumständen des Schöpfers zu verknüpfen.

Das "Allegro moderato" beginnt mit einer traurigen Melodie, durchsetzt von "Zornesausbrüchen" der 1. Violine, aber immer wieder gemeinsam gebändigt. Das wird vollkommen anders im "Presto", das stets unruhevoll dahinrauscht und keine beruhigenden Antworten findet, höchstens zur Elegie des Anfangssatzes zurückkehrt. Auch das fugierte "Largo" drückt in seiner Tonsprache Schmerz aus. Das Finale "Allegro vivace e ritmico" läuft schließlich als immerwährende Anklage vorüber. Sich unter den Umständen, wie sie Ullmann erlebte, anders auszudrücken, ist undenkbar.

Doppelter Dank


Dem Quartett muss man doppelten Dank aussprechen: weil es sich dieses schwierigen Werks angenommen und so eindringlich vorgestellt hat. Ähnlich schwer zu spielen und zu verstehen ist das Streichquartett Nr. 1, g-moll op 54/1 von Max Reger. In seiner Einführung weist Schmidt darauf hin, dass ein Musikkritiker einst notierte, dass es "harte Arbeit für Spieler und Hörer" sei. Wie recht er hatte, zeigt sich im "Allegro agitato". Kompliziert ist die Konzeption der ständig in den vier Instrumenten wechselnden Thementeile, die im Ensemble in angepasst verschiedenen Lautstärken vorgetragen werden.

Wie so oft bei Reger war die längere Darbietung eines Themas nicht gegeben, man muss immer in voller Konzentration von einem musikalischen Geschehen ins nächste mitgehen. So wie das Mandelring-Quartett alles vermittelt, ist die Musik jedoch sehr beeindruckend und gerade wegen aller Charakterverschiebungen folgerichtig dargestellt.

Das gilt für das tänzerische "Vivace assai", ein Scherzo im 2/4 Takt, ebenso wie für das "Largo mesto" in elegischer Stimmung. Virtuos in Schnelligkeit der Tongestaltung das "Prestissimo assai", womit das Werk glanzvoll endet. Nach der Pause gönnt sich das Quartett keine Erholung. Das Streichquartett G-Dur D.887 von Franz Schubert ist das letzte seiner 15 Quartette und gilt als sein anspruchsvollstes Werk. Komponiert 1826 innerhalb von 10 Tagen ist es die verdichtete Aussage von Unruhe und schwermütiger Stimmung. Wuchtige Akkorde lösen sich ab mit leisen berührenden Melodiefolgen. Rasendes Tremolo, das alle Musiker bewundernswert gestalten und lang gehaltene gestrichene Töne, die eine beruhigende Stimmung vermitteln sollen, werden intensiv dargeboten.

Großer Beifall


Von dieser Stimmungsbreite leben alle vier Sätze des Quartetts, das akkordreiche "Allegro molto moderato", das lyrisch wie emotional mitreißende "Andante un poco moto", das wahnsinnige rasche "Scherzo" und das Finale "Allegro assai", das ein swingendes Thema in immer neues Aussehen kleidet. Der Beifall ist zu recht langanhaltend und es ist richtig, dass nach dieser enormen Leistung keine Zugabe mehr erfolgte.
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