Dort helfen, wo andere weglaufen

1967 half Karl Weis (links) in Uttar Pradesh (Indien) beim Bau von Umkleideräumen in einem neuen Schwimmbad für Studenten. Da mussten auch Abflussrohre verlegt werden. Bild: privat
Lokales
Pirk
28.02.2015
0
0

"Die Angst war ein ständiger Wegbegleiter, aber ein nützliches Warnsystem", gesteht Karl Weis. Früh zog es den begeisterten Sportler hinaus in die Welt. Der Stiftländer arbeitete unter anderem in Kenia, Pakistan, Indien und Afghanistan als Entwicklungshelfer. Den Kontakt zur Heimat ließ er nie abreißen.

Karl Weis war schon immer mutig, steckte voller Tatendrang. Und da stieß er im "Neuen Tag" auf eine Sonderseite über den Entwicklungsdienst, die Aufgaben und Möglichkeiten. Mit der Bewerbung zögerte Weis nicht. Nach dem Ausfüllen vieler Formulare folgte die Zusage, eine Woche später die Anfrage, ob Karl Weis nach Nepal möchte. Da brauchte er nicht lange nachdenken. "Ich war hellauf begeistert."

Später arbeitete er in Kenia, Liberia, Pakistan, war Koordinator von Welthungerhilfe/Malteser im Südsudan, wirkte als Büroleiter von Diakonie/Caritas in Mogadischu. "Meine Stärke ist es, mit Menschen zu arbeiten und nicht Konzepte zu schreiben", sagt Karl Weis im Gespräch mit unserer Zeitung. Er leistete in Notstandsgebieten wertvolle Aufbauarbeit. "Ich habe viel erlebt und vielen helfen können." Weis verweist da beispielsweise auf seinen Einsatz im schwierigen Umfeld Quetta/Pakistan (heute Talibanhochburg) für die staatliche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit als Personalberater im Projekt "Selbsthilfeförderung Baluchistan", wo es unter anderem galt, Lernprogramme auch für Frauen einzurichten. "Gesundheitserziehung, richtige Ernährung und Hygiene waren wichtige Lernziele."

Ruhig hat es Weis nie angehen lassen. Und so sagte er auch mit 66 Jahren nicht Nein, als seine Fähigkeiten in Afghanistan gefragt waren. Er engagierte sich drei Monate lang beim Aufbau von Kfz-Berufsbildungszentren in Kundus, Masar-i Scharif und Faizabad. Das Projekt des Deutschen Entwicklungsdiensts verfolgte das Ziel, 240 junge Leute dual auszubilden, weshalb Kfz-Mechaniker-Meister Weis sich auch um drei kommerziell betriebene Werkstätten kümmern musste.

Was trieb Karl Weis an, immer wieder in Krisengebiete zu reisen? Im Gespräch mit unserer Zeitung denkt er nur kurz nach und sagt: "Das hat sicher auch mit meinem streng katholischen Elternhaus, mit der Erziehung zu tun." Früh interessierte er sich für die Arbeit der Steyler Missionare (St. Peter Tirschenreuth). "Und mit dem Streben nach Gerechtigkeit", schiebt Weis nach. Schon die ersten Auslandserfahrungen - "zwei Jahre mit drei Deutschen vom Entwicklungsdienst und fünf Amerikanern vom Peace-Corps in einem Haus" - hätten Schlüsselerlebnisse mit sich gebracht.

"Entwicklungshelfer gehen dorthin, wo viele wegwollen. Sie wollen Armen helfen, müssen aber auch Demut lernen, den Umgang mit der Ohnmacht. Und sie müssen auf das eigene Wohlergehen achten, damit sie nicht selbst zum Hilfsbedürftigen werden", fasst Karl Weis zusammen. Aber warum wagt man das alles auch im fortgeschrittenen Alter? Da antwortet der 72-Jährige mit einer Gegenfrage: "Warum nicht die einmalige Chance nutzen, das als Rentner zu tun, was man glaubt gut zu können?" So manche Anekdote, weiß Karl Weis zu erzählen, wenn er gefragt wird, warum es ihn früh und dann immer wieder in die Ferne zog. "Schon als Kleinkind war ich lebhaft, quirrlig, neugierig, mutig und zum Leidwesen meiner Eltern oft alleine unterwegs. Meine Geschwister mussten mich dann suchen."

Jetzt mit 72 Jahren sei er ruhiger geworden. "Fernweh hab' ich keines mehr." Anstrengende Fernreisen interessieren ihn nicht. "Aber den Kontakt zu Kenia will ich pflegen, solange ich kann." Fast jedes Jahr reist er dorthin. Ihn interessiert, was aus dem Pflänzchen geworden ist, für das er vor über 30 Jahren den Boden bereitete.

Von Juli 1978 bis März 1982 war Weis Projektleiter im Kandara-Community-Center der Kübel-Stiftung. "Ich half, in drei Marktflecken am östlichen Abhang der Gebirgskette Aberdare Entwicklungszentren aufzubauen. Ein Gebiet, in das während der Kolonialzeit Bauern zwangsumgesiedelt worden waren, um wenig ergiebige Hanglagen per Hand zu bearbeiten."

Karl Weis erzählt: "Auf öffentlichem Land haben wir Handwerkerschulen mit je einer Gemeindehalle für 300 Menschen, Holz- und Metallwerkstätten und Läden zur Versorgung der Bauern aufgebaut. Wir wollten das Gebiet attraktiver machen, vor allem Ausbildungs- und Einkommensmöglichkeiten im handwerklichen Bereich schaffen." Denn schon damals seien die Menschen gezwungen gewesen abzuwandern.

Fazit der jüngsten Besuche: "Entwicklungshilfe funktioniert. Freilich etwas anders als ursprünglich gedacht." Karl Weis erläutert: "Wo früher Frauen Gemüsegärten anlegten, lernen sie heute modische Haarpracht kreieren. Wo ursprünglich Bauern in Läden ihren Bedarf decken konnten, büffeln heute Jugendliche an Computern." Eine Entwicklung, die den 72-Jährigen mit Stolz erfüllt. Denn seine Arbeit trägt Früchte.

Zoigl und Spouzn

All die Jahre in Katastrophengebieten und Ländern der Dritten Welt hatte Karl Weis viele Zuhause. "Aber nur eine Heimat: Pirk." Seine Geschwister waren immer "Kontaktpunkte". Karl Weis formuliert: "Heimat ist, wo mit wenig Worten viel gesagt werden kann und der Dialekt so herb daherkommt, wie der Boden steinig ist." Pirk und Falkenberg seien "Gemütsheimat". "Dazu gehören auch die Eigenarten der Menschen hier, von denen ich leider immer weniger kenne." Und Weis schließt dabei auch die Zoiglwirtschaften, die Zoiglmuse, Schafkopfen, die geliebten Spouzn, den Dialekt und die Landschaft ein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.