Schwarzhütiger Steinpilz oder Weißer Bronzeröhrling
Ganz seltener Schwammerlfund

Boletus cf. aereus: Schwarzhütiger Steinpilz.
Lokales
Pirk
26.09.2014
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Barbara und Josef Bauer waren ratlos. Schon von Kindheit an sammeln sie Pilze, doch was sie da auf ihrem Grundstück unter der 150 Jahre alten Eichenallee am Dorfweiher in Engleshof entdeckt haben, war auch für sie Neuland. Die Nachbarn rieten vom Verzehr ab.

Barbara Bauer packte einige Exemplare der kastanienbraunen bis fast schwarzen, dickbauchigen, braunstieligen Röhrlinge, die sie noch nie vorher gesehen hatte, ein und brachte sie zu Pilzberater Norbert Griesbacher. Der Weidener fuhr zusammen mit dem Pilzsachverständigen Hubert Seidl nach Engleshof. Die Experten schauten sich die benachbarte Ökologie sowie die noch vorgefundenen weiteren Exemplare genauer an. In der Literatur findet sich der Hinweis, dass häufig nur einzelne Fruchtkörper gebildet werden. Griesbacher und Seidl fanden innerhalb eines sehr begrenzten Raumes gleich zehn Pilze.

Makroskopisch handelte es sich ihrer Meinung eindeutig um den im Schwerpunkt in mediterranen sowie thermophilen Räumen vorkommenden Schwarzhütigen Steinpilz oder auch Weißen Bronzeröhrling (Boletus aereus). In unmittelbarer Nähe standen auch "klassische" Steinpilze (Boletus edulis).

Da sich im Wuchsfeld der schwarzbraunhütigen Röhrlinge auch Fruchtkörper mit hellem Hut und hellem Stiel befanden (ähnlich Sommer- oder Eichensteinpilze), zogen die Weidener vorsorglich den deutschlandweit bekannten Röhrlingsspezialisten Jürgen Schreiner aus Wörth am Main zu Rate. Dessen Expertise: "Die Bestimmungen Boletus aereus und Boletus edulis sind richtig."

Der Schwarzhütige Steinpilz oder Bronzeröhrling ist ein stattlicher Pilz und wächst in wärmebegünstigten Eichen- und Buchenwäldern und ist - wie sein Namensvetter - essbar, roh probiert angenehm süß und nussig. Er ist besonders geschützt. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste. Deshalb hatte die Deutsche Gesellschaft für Mykologie 2008 die Art zum "Pilz des Jahres" erklärt.

Griesbacher hatte diesen Pilz vorher erst einmal zu Gesicht bekommen: aber nur ein Einzelexemplar im September 2004 unter Eichen an einer wärmebegünstigten Stelle am Rande eines Weihers in Latsch. Im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung könnte dieser wunderschöne Pilz in Zukunft öfter an wärmeren Stellen Nordbayerns angetroffen werden.

Falls ein Leser den Schwarzhütigen Steinpilz findet, sollte er sich daher nicht nur von seiner Schönheit beeindrucken lassen, sondern zudem den Fund Griesbacher (0961/31409) melden und so zur Erforschung dieser seltenen Pilzart beitragen.
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