Erinnerung an Bandleader Albert Götz
Virtuose mit dem Schifferklavier

Ende der 1950er Jahre spielten Rolf Karl aus Eslarn, Alois Haran, Arnold Strigl und Albert Götz (vorne, von links) sowie Josef Strigl (hinten links) und am Schlagzeug Josef Wirth in der Tanzkapelle Götz. Repro: tu
Kultur
Pleystein
05.03.2016
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Vielen Musikfreunden aus der Region dürfte Albert Götz (1932 bis 1997) aus Pleystein noch ein Begriff und in guter Erinnerung sein. Der Bandleader, dessen hintergründiger Humor sprichwörtlich und eines seiner Markenzeichen war, galt vor allem in den 1960er Jahren als eine Größe in der Oberpfälzer Musikszene.

Mit seiner Kapelle spielte er in wechselnden Besetzungen bei Bällen, Festen und Feiern. Vom Musikmeister Karl Pöllmann aus Vohenstrauß erhielt er als Jugendlicher das Rüstzeug für die Beherrschung des Akkordeons. Anfang der 1950er Jahre wurde er zwei Winter in der Kirchenmusikschule in Münnerstadt in Unterfranken zum nebenamtlichen Kirchenmusiker ausgebildet. Da er in jungen Jahren kein Klavier zu Hause hatte, ging er zum Üben ins Kloster auf dem Kreuzberg.

"Die goldenen Acht"


In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre hob er die Tanzkapelle Götz aus der Taufe. Neben ihm als Chef gehörten ihr die Pleysteiner Arnold Strigl (Saxofon, Gitarre), Josef Strigl (Kontrabass) und Josef Wirth am Schlagzeug an. Nach dessen Abgang stieß Franz Strigl als neuer Schlagzeuger zur Band, die oft im Stadtcafé Kirner (heute Enslein) aber auch in anderen Orten für beste Unterhaltung sorgte. In den 1960er Jahren vergrößerte Götz sein Ensemble, das unter dem Namen "Die goldenen Acht" bald in der Oberpfalz und darüber hinaus auf einer Erfolgswelle ohnegleichen schwamm. Neben dem Bandleader und den drei Strigl-Brüdern komplettierten die Saxofonisten Hans Fischer aus Weiden sowie Alois Haran aus Altenstadt bei Vohenstrauß, Ludwig Nahrhaft (Trompete) aus Waidhaus sowie Josef Hagn (Posaune) aus Pleystein die Combo.

Gehobene Tanzmusik


Sie spielte bei Bällen in Vohenstrauß in der alten Turnhalle, in Weiden im Josefshaus, in Wernberg oder Pfreimd und galt als ein Aushängeschild gehobener Tanzmusik. Legendär waren aber auch die Hausfaschingsfeiern "Zur schwarzen Sau" im Hotel "Zottbachhaus" im Gut Peugenhammer, Landsitz des ehemaligen Ministers Gustl Lang und dessen Familie, wo sich die Prominenz der nördlichen Oberpfalz aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu den Klängen der Kapelle Götz ein Stelldichein gab.

1972 löste Götz seine große Band auf, da ihm die Verantwortung und die Bürden, die die Leitung eines solchen Ensembles mit sich brachten, mit der Zeit zu viel geworden waren. Dieser Schritt, den viele Menschen bedauerten, bedeutete aber nicht das Ende seiner musikalischen Laufbahn. Götz brachte sich auch in den nachfolgenden 20 Jahren mit verschiedenen Instrumentalisten wie den Gebrüdern Strigl, Hans Sax, Franz Zitzmann, Chris Zitzmann, Rolf Karl, Franz Völkl, Josef Wildenauer oder Alois Haran in das gesellige Geschehen ein. Noch heute schwärmen so manche Zeitzeugen von unterhaltsamen Abenden im nicht mehr existierenden Weißbierstüberl Delling und beim "Böllerten". Die "Goldenen Acht" hatte er in etwas veränderter Formation in den 1980er Jahren noch einmal für drei Auftritte reaktiviert.

Götz genoss nicht nur als erstklassiger Schifferklavier-Virtuose einen herausragenden Ruf, sondern auch als Organist und Chorleiter. So schrieb er als Dirigent zuerst beim "Liederkranz" Floß und später beim Männergesangverein 1895 Pleystein einige bedeutsame Kapitel in deren Vereinschroniken mit. Zudem gründete er Anfang der 1980er Jahre die "Pleysteiner Sänger". Götz galt als ein sehr vielseitiger Musiker, der jede Art von Musik liebte, ob Kirchen-, Unterhaltungs-, Volks- oder Tanzmusik, ob Opern, Musicals oder Operetten. Gerne sang er auch Wiener Lieder.

Leider erkrankte er 1996 schwer und starb im Juli 1997 im Alter von 65 Jahren. In die Fußstapfen des fünffachen Familienvaters ist sein ältester Sohn Michael getreten, der als erfolgreicher Handwerksunternehmer in Regensburg lebt und Tuba sowie Streichbass meisterlich beherrscht. Er war jahrzehntelang Teil der traditionsreichen Pleysteiner Stadtkapelle, spielte auch in den Musikgruppen seines Vaters mit und ist nach wie vor bei kirchlichen Hochfesten im Orchester seiner Heimatpfarrei St. Sigismund als Bassist dabei.
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