Eröffnungskonzert des Meisterkurses Kontrabass in der Kreuzbergkirche
Raffinierte Klänge und virtuoses Spiel

Mit viel Gefühl und musikalischem Verständnis begeistert Ji Jeong Kim das Publikum auf ihrem Violoncello mit dem Stück"Kol Nidrei" op 47. Bild: tie
Kultur
Pleystein
19.08.2016
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Wie in der Einladung versprochen, lauschen die Besucher begeistert "auf dem höchsten Punkt Pleysteins" den Tönen des tiefsten Streichinstruments. Der 14. Internationale Meisterkurs Kontrabass wird in der Kreuzbergkirche mit einem fulminanten Konzert eröffnet.

Gut besucht ist das Eröffnungskonzert in der Kreuzbergkirche. Sechs Frauen und zwei Männer aus Südkorea, ein Mann aus Rumänien, ein Musiker aus China und zwei Frauen aus Deutschland stellen sich als junge Kontrabass-Virtuosen vor. Veit-Peter Schüssler und seine Assistentin Hyun Joo Oh haben die Teilnehmer auf diesen Auftritt vorbereitet, Schüssler übernimmt die Moderation.

Einfühlend und aufmerksam


Als erstes Stück ertönt "Kol Nidrei" op 47, eigentlich für Violoncello und Klavier. Doch die Art, wie Ji Jeong Kim die sehnsuchtsvolle Adagio-Melodie gestaltet, wie sie die Tonfolgen auf dem Instrument berührend ertönen lässt, beeindruckt. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet Viorica Radoi am Klavier, die immer einfühlend und aufmerksam die jungen Interpreten begleitet.

Es folgen drei Auszüge aus Werken von Giovanni Bottesini. Zuerst spielt JinYoung Bae die "Elegie Nr.2", die "Romanza drammatica". Sie schafft es, in diesem Originalwerk sowohl die weitgespannten Melodien als auch die virtuosen Läufe eindrucksvoll darzustellen. Beim "Kontrabass-Konzert Nr. 2 h-moll" trägt Youngjin Yoon den ersten Satz "Allegro moderato" vor. Man versteht, warum Bottesini als der Paganini des Kontrabasses bezeichnet wird. Enorme technische Anforderungen prägen das Spiel des jungen Solisten.

Vor allem in der riesigen Kadenz erkennt man, was dieses Instrument alles leistet, wenn es gut gespielt wird. Der tänzerisch geprägte schnelle dritte Satz des Konzerts folgt. Ji Hae Han muss sich oft genug über ihr Instrument beugen, damit sie die hohen Lagen erreicht. Ein Ruhepunkt hat sie während des gesamten "Allegros" nicht - braucht sie auch nicht.

Aus der "Sonate h-moll" von Johann Matthias Sperger schließt sich der erste Satz "Allegro moderato" an. Auch Ji Yoon Yang muss vielmals hohe Lagen bewältigen, was sie grandios bewältigt. Frank Proto hat "A Carmen Fantasy for double bass and piano" geschrieben, aus der Adrian Muntenasu aus Rumänien nun den "Toreador Song" vorträgt. Ungewöhnliche Tonfolgen wechseln mit der Melodie von Bizet, wodurch raffinierte Klänge erzeugt werden. Von Serge Koussevitzky ist das "Konzert für Kontrabass fis-moll" op 3, dessen erster Satz "Allegro" nun Hyo Jeong Kim in virtuoser Spielweise vorträgt. Sie vermag ihrem Instrument sehr eindrucksvolle Töne zu entlocken.

Nach der Pause erklingt das "Allegro moderato" aus einem Werk, das für ein Instrument geschrieben wurde, welches niemand mehr spielt. Den ersten Satz aus der "Arpeggione-Sonate a-moll" von Franz Schubert gestaltet Jee Eun Seo in der getragenen Weise, welche die Melodie noch anrührender hörbar werden lässt. Aber genauso faszinierend spielt sie die virtuosen Passagen. Ein besonders schönes Erlebnis!

Dem ersten Satz aus dem "Kontrabass-Konzert D-Dur" von Johann Baptist Vanhal widmet sich Xijin Zhao aus China. Das "Allegro moderato" stellt er in der Virtuosität dar, die dieser Satz benötigt. Mitreißend und schnell vermittelt er die Schönheiten dieser Musik mit der virtuosen Kadenz, in der die Tonfülle des Basses allein den Kirchenraum füllt.

Rhythmisch bewegtes Stück


Charlotte Mohrs aus Deutschland gestaltet ebenso allein die "Variations on the tune greensleves" von Knut Guettler in prachtvoller Tonintensität mit raffinierten Tonverknüpfungen. Von Ernest Bloch folgt die "Meditation Hebraique", vorgetragen von Rebecca Mauch, ebenfalls aus Deutschland. Elegische Grundstimmung prägt das Werk, nur selten erfolgen tonliche Ausbrüche. Zum Schluss spielt ein Bassist aus Südkorea. Noik Park lässt von Nino Rota die "Marcia" aus dem "Divertimento Concertante" erklingen. Ein rhythmisch bewegtes Stück, das nie zur Ruhe kommt, beschließt ein nicht nur hier souverän gestaltetes Konzert.
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