Historische Führung in Pleystein zum "Tag des offenen Denkmals"
Stadtkern akribisch geplant

Stadtheimatpfleger Bernd Piehler (Zweiter von rechts) informierte die Teilnehmer der historischen Stadtführung am einstigen Südtor bei der ehemaligen Stadtmühle über die Pleysteiner Geschichte. Bild: tu
Kultur
Pleystein
27.09.2016
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Das Bild des Pleysteiner Stadtkerns weist seit dem Mittelalter eine akribisch genaue Struktur auf. Daran änderte auch der verheerende Großbrand von 1901 nichts. Davon überzeugten sich am Sonntag die 44 Teilnehmer an der historischen Führung zum "Tag des offenen Denkmals".

Initiiert war die Veranstaltung vom Museumsarbeitskreis und vom Oberpfälzer Waldverein. Stadtheimatpfleger Bernd Piehler präsentierte bei der zweistündigen Exkursion seinem Publikum unter anderem die Standorte der vier einstigen Stadttore und die Wasserverteilanlage in den Stiegelwiesen.

Stadtrechte seit 1331


"Blättert man in der Ortsgeschichte von Heimatforscher Siegfried Poblotzki, so erfährt man, dass Wall, Graben und Mauer bereits bei der Verleihung der Stadtrechte 1331 vorhanden waren", informierte Piehler beim Start der Aktion an der Stadtpfarrkirche St. Sigismund. Die alte Stadt wölbte sich um die Ostseite des Schlossbergs. Der vom Stadtbach gefüllte Weiher bildete die westliche Sicherung und speiste den Wallgraben. Das Haupttor war gegen Osten gelegen. Man nannte es später das "Alte Tor", das Reisende von Prag nach Nürnberg vom Fuchsenberg kommend bis um 1500 durchfahren mussten.

Die Altstadt war im Norden wie im Süden (bei der Stadtmühle) durch je ein Tor abgeschlossen. Mit dem Freiheitsbrief der Landgrafen Johann und Sigost von Leuchtenberg 1391 war die Anlage der Neustadt beendet. Sicher waren Graben, Wall und das Tor im Norden, später Ziegeltor genannt, vorhanden.

Die Bezeichnung "Neutor" für den Ausgang nach Westen deutet auf einen jüngeren Bauabschnitt hin. Die Mauer der Neustadt (Marktplatz, Burggut, Obere Steingasse, Untere Steingasse) dürfte nur zu einem geringen Teil aufgeführt gewesen sein. Der größte Teil bestand aus einer Palisadenbefestigung. Erst 1556 ging man daran, jenes Zaunwerk durch eine stabile Mauer zu ersetzen.

Ebenfalls 1556 wurden das Torhaus des Neutors abgebrochen und wieder aufgebaut, der Turm in der Stadtmauer verbessert und über den Graben beim "Alten Tor" eine steinerne Brücke errichtet. Nach der Anlage der Neustadt blieben das Nord- und das Südtor der Altstadt bestehen. Bei der Einnahme Pleysteins durch die pfälzischen Truppen im Jahr 1400 wurden 150 Bürger gefangen genommen. Die anderen flüchteten in die Altstadt, die den Angriffen widerstand. Auch 1634 beim Einfall der Kroaten hatten sich die Tore bewährt, denn die Altstadt blieb vor der Zerstörung bewahrt.

1676 berichteten Bürgermeister und Rat der kurfürstlichen Hofkammer in Neuburg, dass durch das langjährige Kriegswesen die Stadtmauer schwer gelitten hat und zum Teil eingefallen ist. "Die 1350 Meter lange Mauer zu unterhalten kostete viel Geld und Arbeit. Ihren Zweck hatte sie längst verloren. Die Mauern verfielen, und die Steine wurden anderweitig verwendet. Das Neutor war in den Besitz des Türmers Franz Müllner übergegangen. 1866 kaufte es die Stadt zurück und brach es ab, um Platz für ein Schulhaus zu bekommen", erklärte Piehler.

Postbote reißt Mauer ab


Vom alten Tor stand nur noch der Torbogen, der 1887 abgetragen wurde. Am längsten hielt sich ein Mauerturm, der in die Mauer des Pfarrhofs eingebaut war. Beim Scbulstadel stand noch ein Stück Stadtmauer, das 1905 dem Postboten Johann Müllner zum Abriss überlassen wurde. Maria Reber vom OWV sowie Christa Walbrunn vom Museumsarbeitskreis dankten dem Referenten für den "hervorragenden Vortrag an geschichtsträchtigen Stätten".

BewässerungssystemNach dem Rundgang am Marktplatz, um den Stadtgraben und die Altstadt marschierte die Gruppe zur Wasserverteilanlage in den Stiegelwiesen. Der Stadtbach genoss zu allen Zeiten eine große Wertschätzung.

Das kostbare Nass wurde bis zur letzten Möglichkeit genutzt. Der Bach speiste den Stadtweiher, dessen südlicher Überlauf in das Grabensystem der Altstadt ging, während der nördliche die Stadtmühle betrieb und nach dieser Nutzung in den tiefer liegenden südlichen Stadtgraben floss. Die vereinigte Wassermenge versorgte einerseits den Wallgraben, andererseits die Grabenmühle, wo bereits der Überlauf beim Eichpfahl zur Wässerung von zwölf Parzellen benutzt wurde. Der Hauptfluss lief in eine Wasserteilanlage und wurde dort in 6 Bachläufe aufgelöst. Die Beschickung der 46 Parzellen erfolgte durch ein Grabensystem.

Im Pfarrarchiv sind Wiesenbewässerungen in der Zeit nach 1750 erwähnt, und ein genauer Teil-Wässerungsplan ist noch vorhanden. Erstmals wird 1614 in dieser Flur eine ,Wasserleiten' genannt", schloss Stadtheimatpfleger Bernd Piehler seine Ausführungen, die er mit großflächigen Illustrationen untermalt hatte. (tu)
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