120 Jahre Männergesang

Lokales
Pleystein
24.06.2015
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Der Männergesangverein (MGV) 1895 Pleystein zählt zu den größten Vereinen in der Stadtgemeinde. Im Juli feiern die Sänger ihr 120-jähriges Bestehen.

Der MGV feiert am Samstag, 4. Juli, um 20 Uhr mit einer Sommerserenade unter Mitwirkung von fünf Chören auf dem Kreuzberg und am Samstag, 15. August (Sommerfest), sowie am Sonntag, 16. August (Kirchenzug, Festgottesdienst, Totenehrung, Frühschoppen und Gartenfest).

Gegenwärtig gehören dem Verein 250 Mitglieder an, davon 40 aktive. Zum Jahresprogramm zählen neben den 35 Gesangsproben jeden Montag außer in der Sommerpause und den Vorstandssitzungen das Darbringen von Hochzeits- und Geburtstagsständchen, das Erweisen der letzten Ehre für verstorbene Sangesfreunde, die Gestaltung von Hochzeitsmessen und Weihnachtsaufführungen in den Gotteshäusern, Mitgestaltung von Maiandachten und der Kreuzbergfeste, Serenaden und Konzerte sowie gesellige Veranstaltungen.

Fahne für 48 Millionen Mark

Dirigent ist seit November 1999 Alexander Völkl, Stellvertreter Holger Scheufler. Verstärktes Augenmerk gilt der Gewinnung neuer Sänger. Dieses ehrgeizige Vorhaben wurde in den letzten Jahren durch die Neuaufnahme zahlreicher junger Aktiver in die Tat umgesetzt. Neben der Pflege von traditionellem Liedgut wird auch der Einstudierung von zeitgemäßen Werken Priorität eingeräumt.

Interessant ist ein Blick in die Vereinschronik, erstellt von Erwin Klotz. Pleystein, eng verbunden mit den Stadttürmern aus dem Geschlecht der Familie Müllner, war schon seit Jahrhunderten eine Stadt der Musik und des Gesangs. Am 6. Dezember 1895 hoben sechs junge Männer - Alois Wildenauer, Johann Müllner, Carl Pflaum, Carl Sax, Alois Müllner und Franz Pühler - in der "Alten Post" in der Altstadt den Männergesangverein aus der Taufe.

Die nachfolgenden Jahre waren gekennzeichnet von regem Zuspruch und stetem Aufschwung. 1923 war die Fahnenweihe, 89 Vereine wurden eingeladen. Fahnenjunker war Anton Bock, Fahnenbraut Emma Wildenauer, Patenverein der heute nicht mehr existierende Sängerbund Weiden. Die Vereinsfahne wurde von der Taubstummenanstalt Michelfeld angefertigt. Für die Fahne mussten inflationsbedingt 48 Millionen Mark bezahlt werden.

Die "Goldenen Zwanziger Jahre" waren geprägt von Operettenaufführungen und Singspielen. Der oberpfälzische Heimatdichter Anton Wurzer, die Gebrüder Alois, Hans und Sebastian Sax, Franz Landgraf, Sebastian Müllner, Johann Müllner, Alois Wildenauer, Josef Schön, Wenzel Kirner und viele mehr haben damals bedeutsame Kapitel in der Geschichte des Traditionsvereins mitgeschrieben. 14 Pleysteiner Sänger fuhren 1928 nach Wien und beteiligten sich dort mit Fahne am zehnten Deutschen Sängerbundfest.

Nach der kriegsbedingten Pause wurde der Verein am 1. Februar 1949 im Gasthaus Völkl, Vereinslokal seit 1924, reaktiviert. Nach einem Gespräch mit Sängern aus dem Sudetenland schlossen sich diese dem Männergesangverein Pleystein an. Somit erfolgte nicht nur eine gesangliche, sondern auch eine menschliche Eingliederung. Dirigent war damals Sebastian Müllner. 1950 ging der Dirigentenstab an Alois Sax, der den Chor bis 1968 leitete.

Mit vielfältigen Veranstaltungen brachte sich der MGV nachhaltig in der Öffentlichkeit wieder ins Rampenlicht und wurde zum kulturellen Aushängeschild. Dem "Deutschen Lied" widerfuhr eine Erneuerung, die bis in die Gegenwart anhält. Weitere Dirigenten nach Alois Sax waren Josef Wildenauer, Hans Sax, Albert Götz und Georg Landgraf.

An der Spitze standen nach der Wiedergründung 1949 Josef Schön, Georg Reger, Sebastian Sax, Stefan Heidl, Josef Bauriedl, Adolf Zeller, Anton Schön, Michael Hartung, Xaver Gallitzendorfer und Albert Schopper. Seit Januar 1989 amtiert Karl Herrmann als Vorsitzender. Stellvertreter ist Reinhold Popp, Schatzmeister Hermann Helm und Schriftführer Wilhelm Hartung.

Leistungssingen 2006

Unvergessen bleibt das Fest zum 100-jährigen Bestehen mit Fahnensegnung, das im Jahre 1995 in würdigem Rahmen mit mehreren Großveranstaltungen gefeiert wurde. Erstmals in seiner Geschichte nahm der MGV am 26. November 2006 an einem Leistungssingen des Fränkischen Sängerbundes teil, das in Sulzbach-Rosenberg stattfand. Er war der einzige oberpfälzische Verein und behauptete sich in der Leistungsstufe C in glänzender Manier.
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