Barrierefrei auch in den Köpfen

Edi Schieder, Kursleiter des Sozialverbands VdK Bayern, überreichte Josef Rewitzer (links) die Zertifikate und Teilnahmebestätigungen der Aktion "Barrierefreier Tourismus für alle in Bayern". Bild: tu
Lokales
Pleystein
12.12.2014
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Auf Behinderte Rücksicht zu nehmen, wird in einer vergleichsweise wohlhabenden Gesellschaft immer wichtiger. VdK-Kreis- und Ortsvorsitzender Josef Rewitzer absolvierte eine Schulung als ehrenamtlicher Prüfer und Berater für Barrierefreiheit.

VdK und Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) haben ein gemeinsames Ziel: die Barrierefreiheit. Sie bedeutet mehr, als als nur behindertengerecht zu bauen. Barrierefreiheit findet auch in den Köpfen statt. Politiker und Gesetzgeber sollen handeln und mit gutem Beispiel vorangehen.

Nur so ändern sich Einstellung und Verhalten der Menschen. Es gebe viele Möglichkeiten, das Leben und die Versorgung der Menschen im privaten und öffentlichen Raum an die veränderten Bedingungen durch den demografischen Wandel anzupassen. VdK-Kreis- und Ortsvorsitzender Josef Rewitzer, der diese Gedanken formuliert, setzt sich seit Jahren vehement für die Realisierung der Barrierefreiheit ein. Nun hat er erfolgreich an der Sozialakademie in der Landvolkshochschule in Wies/Steingaden an einer Schulung für ehrenamtliche Prüfer und Berater teilgenommen. Das neue Fachwissen bezieht sich auch auf Hotels und Gaststätten. Vom Parkplatz bis zu den Sanitärräumen reichte dass Pensum. Alles, was bei Neu- oder Umbaumaßnahmen zu beachten ist, war Lernstoff. Darunter fallen auch das Vermessen von Rampen, der Bewegungsfläche und die Ausstattung von Zimmern sowie Fluren bis hin zur blendfreien Gestaltung für Sehbehinderte.

Besuch im Blindenhotel

Um mehr Verständnis für all diese Maßnahmen zu bekommen, wurde ein Besuch im Aura-Hofel (Blindenhotel) in Saulgrub ins Lernziel eingebaut. Nach dieser Ausbildung mit Prüfung in den Kategorien A (Gebehinderte), B (Rollstuhlgerechtigkeit), C (Blinde und Sehbehinderte) sowie D (Gehörlose und Schwerhörige) können Gastwirte und Hoteliers in ganz Bayern, die einen barrierefreien Um- oder Ausbau planen, seine Hilfe jederzeit in Anspruch nehmen.

Eigene Checkliste

Die Kontaktaufnahme erfolgt über die VdK-Kreisgeschäftsstelle Weiden oder über den VdK-Ortsverband Pleystein. Die Kriterien wurden in einer eigens dafür entwickelten Checkliste festgeschrieben, mit der sich Interessierte auch schon mal vorab einem Selbsttest unterziehen können. Dieser ist auch die Grundlage für die vom VdK ausgebildeten Prüfer. Im Anschluss an die Überprüfung der Betriebe in den Kategorien A bis D verleiht der VdK in Kooperation mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband und dem Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Intergration eine Urkunde und ein Aktionsschild "Auf Barrierefreiheit geprüfter Betrieb" mit einer Gültigkeit von drei Jahren. Auf diese Dauer kann der Betrieb damit werben. Danach bedarf es einer Folge-Zertifizierung.

Um den Standards für das Projekt "Tourismus für alle in Bayern" gerecht zu werden, erfordert dies nicht selten einen barrierefreien Umbau der Projekte, der für Hoteliers und Gaststättenbesitzer allerdings oft einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeutet.

Gesetzliche Vorgaben

Um seinen Betrieb auf Barrierefreiheit umzustellen und zertifizieren zu lassen, müssen die gesetzlichen Vorgaben zur Gleichstellung behinderter Menschen eingehalten werden. Öffentliche Gebäude, Straßen und Plätze sollen laut Staatsregierung bis 2023 barrierefrei sein.

Wenn nun auch Ärzte, Zahnärzte und der Hotel- und Gaststättenverband in Tagungen ihr Anliegen vortragen, hat das besonderes Gewicht. Die Forderung an Politik und Gesellschaft, endlich Barrieren abzubauen, zeugt vom Nachdruck, der hinter diesem Ansinnen steckt. Wo Menschen mit Behinderung auf Barrieren stoßen, bleibt ihnen der Zugang zur Kultur, zum Job, zu Gaststätten und Hotels versperrt.
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