Bedeutender Baumeister

Das Grab von Heinrich Hauberrisser ist im oberen katholischen Friedhof in Regensburg, den er auch geplant hat. Bild: hfz
Lokales
Pleystein
09.07.2015
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Der Regensburger Heinrich Hauberrisser prägte vor dem Ersten Weltkrieg die Architektur in der Oberpfalz. Im Altlandkreis hat sicher jeder schon einmal eines seiner Bauwerke gesehen oder betreten. Am Dienstag jährte sich sein Todestag zum 70. Mal.

Hauberrissers erste Arbeiten in der Region waren in Pleystein das Kreuzbergkloster (1901), die Wallfahrtskirche (1902), die neugotische Pfarrkirche St. Sigismund (1903) und der katholische Pfarrhof (1902) in neugotischen Formen. Auch die katholische Pfarrkirche St. Wenzeslaus (1912) in Miesbrunn stammt vom Reißbrett des gebürtigen Münchners. Seine einzige Dorfkapelle (1911) steht in Pfrentsch .

Er plante in Vohenstrauß zudem den katholischen Pfarrhof (1904)in Anlehnung an Renaissance-Formen der Friedrichsburg mit neugotischer Kapelle St. Josef, das ehemalige Kinderasyl (1904) und die katholische Pfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis (1911). In Roggenstein trägt die neubarocke katholische Pfarrkirche St. Erhard (1911 bis 1914) seine Handschrift, in Waldau das neubarocke Gotteshaus (1912). In Eslarn stammen die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (1908) sowie die Friedhofskapelle (1922) von ihm. Auch für die Erweiterung der Kirche in Etzgersrieth (1914) war er verantwortlich.

Im restlichen Landkreis Neustadt ist Hauberrisser mit zwei Sakralbauten vertreten: in Püchersreuth (neubarocke katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, 1910) und in Wurz (Pfarrkirche St. Matthäus, 1934). Auf einer Gedenktafel in der katholischen Kirche in Floß steht zwar sein Name, das Gotteshaus stammt aber von zwei anderen Architekten.

Nicht nur für Kreisheimatpfleger Peter Staniczek ist Hauberrisser daher für die Region sehr bedeutend. "Der Regensburger Architekt Heinrich Hauberrisser hat durch eine Reihe bedeutender Bauten nach der Jahrhundertwende vielen Ortsbildern neue Akzente hinzugefügt. Gerade im Altlandkreis Vohenstrauß begegnet man seiner charaktervollen Architektur in großer Anzahl. Hauberrisser gab diesem Landstrich vor rund 100 Jahren das zurück, was in früheren Zeiten - vor allem durch Brandunglücke, doch auch aufgrund der Grenzlage zu Böhmen - vielfach verloren ging", weiß Hauberrisser-Forscher Josef Forster.

Nebenher gelaufen

Laut Dr. Wilhelm Weidinger, Präsident des Oberpfälzer Kulturbunds, prägte der Regensburger "das Baugeschehen in der Oberpfalz vor dem Ersten Weltkrieg". Er hat ein wichtiges Werk hinterlassen, ist lange Zeit aber "nur so nebenher gelaufen" und daher eigentlich selbst hier noch viel zu wenig bekannt.

Übermächtiger Vater

Wie kann das sein? Weidinger sieht Hauberrissers "übermächtigen Vater Georg", der unter anderem das Münchner Rathaus geplant hat, als einen Grund. Außerdem gibt es keinen Nachlass. Darüber hinaus war der Historismus, also das Kopieren alter Meister, lange nicht sehr beliebt.

"Der Architekt hat ja in den verschiedensten Stilen gebaut", erklärt Frank Ebel, Geschäftsführer des Oberpfälzer Kulturbunds: Neubarock, Neugotik oder auch Barock und Rokoko. "Das Gesamtwerk Heinrich Hauberrissers ist ein hervorragendes Beispiel für Späthistorismus in Bayern", schreibt Ursula Simon-Schuster im Buch "Der Kirchenbaumeister Heinrich Hauberrisser" des Oberpfälzer Kulturbunds. "Sein Werk umfasst aber nicht nur das gesamte Spektrum der historischen Stile, sondern auch Bauten im Jugendstil, Heimatstil und Internationalen Stil."

Außerdem bevorzugte er den Barockstil nach dem Vorbild heimisch-ländlicher Kirchenarchitektur. Hauberrisser "hat ganz wesentlich in der Diözese Regensburg gearbeitet und alles aufgesogen, was stilistisch zur Verfügung stand", meint Weidinger. Trotz - oder gerade wegen - dieser verschiedenen Einflüsse bezeichnet der ehemalige Regierungspräsident das Wirken des Architekten als "absolut gelungenes Gesamtkunstwerk".
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