Einblicke in die Nachkriegszeit

Lokales
Pleystein
23.05.2015
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Ein Sammelsurium von Anträgen an die Stadtverwaltung und den Stadtrat in den Nachkriegsjahren hat Altbürgermeister Willi Reil gesichtet. Es gibt Aufschluss über die Anliegen und Probleme der Bürger und Vereine von 1945 bis 1949.

Am 11. September 1949 bittet der Bäcker und Kolonialwarenhändler Joseph Völkl, Marktplatz 66, "doch die Senkgrube der Abortanlagen im benachbarten Schulhaus (ehemaliges Schwesternkloster) instand setzen zu lassen, da durch die Beschädigung der Senkgrube "der Inhalt in meinen Hofraum und weiter auf die Grundstücke des Bauriedl und des Völkl Adam fließt". Aus hygienischen sowie sanitären Gründen sei noch vor Eintritt der Frostperiode Abhilfe zu schaffen.

Im Februar 1948 erscheinen Michael Zahnsowie Michael Rewitzer vom TSV vor den Stadträten und erklären, dass der frühere Bürgermeister Leo Maduschka und zweite Bürgermeister Hans Striegl 1946 ohne Kenntnis des Stadtrates die Zusage für einen Sportplatz auf der Kirner-Wiese erteilt haben. Bahnhofsvorsteher Sennert beschwert sich am 1. September 1949 in einem Brief, dass die zugesagte Teerung der Straße vor dem Bahnhof noch immer nicht erfolgt sei. "Sollte auch dieses Schreiben seine Wirkung verfehlen, so werde ich mir die Mühe machen, zu gegebener Zeit beim richtigen Wetter die Herren Stadträte einschließlich des Herrn Bürgermeisters einzuladen, ihren Bahnhof einmal zu Fuß zu besuchen."

Holzstiefel für Schüler

Der Holzschnitzer Karl Klotz aus Peugenhammer ersucht den Stadtrat am 7. Januar 1947, "mir zur Ausübung meines Handwerkes für die Anfertigung von Holzschuhen, landwirtschaftlichen Geräten und Küchengeräten die bei der Pingermühle stehende Espe sowie Ahornholz vom Kreuzberg käuflich zu überlassen. Es liegt im Interesse aller, die große Not an Schuhwerk durch Holzschuhe zu erleichtern. Vielen Kindern würde der Schulbesuch erst durch meine Holzstiefel ermöglicht".

Der Heimat- und Verschönerungsverein erhält am 13. August 1949 von der Stadt auf seinem Antrag hin die schriftliche Zusage, dass für die Unterhaltung der Schwäne im Stadtweiher ein Drittel der Futterkosten von der Gemeinde übernommen wird. Stadtpfarrer Joseph Wittmann moniert am 9. September 1948, "dass von verschiedenen Seiten Klagen erhoben worden sind, dass lose Gänseherden den Platz um die Kirche herum und besonders das Pflaster vor dem Haupteingang stark verunreinigen. Die Kirchenbesucher treten den Schmutz an die Schuhe und tragen ihn teilweise in die Kirche hinein. Es wird um Abhilfe gebeten. "Man wolle die betreffenden Gänsehalter darauf hinweisen, dass sie ihre Gänse besser überwachen und eine Verunreinigung des Kirchenplatzes vermeiden."

Friseurmeister Max Schildner schreibt am 14. Januar 1948 an die Stadt, "dass die Pleysteiner Flüchtlinge an mich das Ersuchen gestellt haben, für sie in Pleystein einen Damen- und Herrenfriseurbetrieb zu eröffnen". Er habe vor der Handwerkskammer in Chemnitz die Meisterprüfung abgelegt und sei auch in die Handwerksrolle Regensburg eingetragen. Als "total Bombengeschädigter und Flüchtling" aus dem Sudetenland bittet er um die Genehmigung. Damit die hiesigen Friseure keinen "eingesessenen Kundenabbruch erleiden", erkläre er sich bereit, ein Schild mit der Aufschrift "Achtung für Flüchtlinge - Der Friseur, den sie suchen" anzubringen.

Kloster verkaufen

Schließlich stellt am 10. Februar 1948 Prior PaterAngelus Spieß vom Kreuzbergkloster den Antrag, dass die Gemeinde das Kloster samt Garten doch dem Augustinerorden käuflich überlassen solle. "Wir Augustiner-Patres sind nun bald 50 Jahre in Pleystein in der Seelsorge tätig. Da wäre es nun unser sehnlichster Wunsch, dass wir nun auch ein Heim unser eigen nennen und dass wir uns auch in Pleystein daheim fühlen."
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