Geschichte der sogenannten Winterschule in Lohma
"Dem Trunke ergeben"

Lokales
Pleystein
27.02.2015
15
0
Das unbefriedigende Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie im internationalen Vergleich war vor Jahren in aller Munde und ließ den Ruf nach einer Reform des Bildungssystems laut werden. Im 19. Jahrhundert gab es jedoch ganz andere Probleme.

Vor allem auf dem Land hatten es die Kinder nicht so schön wie heute, wo sie Busse oder Eltern direkt bis vor die Schulen fahren. Wegen des beschwerlichen Schulwegs waren damals während der kalten Jahreszeit jedoch sogenannte Winterschulen eingerichtet worden. Gemeinden hatten sie beantragt, und von der Regierung kam auch die Genehmigung. Aber weder von Lokalschulinspektion noch den Lehrern war die Einrichtung gerngesehen. Das Schulaufsichtsamt hatte unter anderem Bedenken wegen unqualifizierter Leute, die den Unterricht übernahmen.

Die Abneigung der Lehrer war bedingt durch den Verlust an Schulgeld, das dem Winterschulhalter zufloss. Am 27. Dezember 1809 wurde vom Generalkommissariat des Naabkreises eine Winterschule für Lohma genehmigt. Der Pleysteiner Lokalschulinspektion gelang es, die Verwirklichung bis 1839 hinauszuzögern. Lohma hatte 17 Kinder, die jährlich einen Gulden und sechs Kreuzer Schulgeld bezahlten. Darunter waren vier arme Schüler, die nichts entrichteten. Als erster Winterschulhalter wird in überlieferten Unterlagen Lehrer Roßmann aus Eslarn genannt.

1843 erteilte der Drechslermeister Kleber aus Burkhardsrieth den Unterricht. Die Einschätzung seiner Qualifikation durch den Pleysteiner Stadtpfarrer Simon Fumy war nicht sehr anerkennend: "Kleber entspricht weder durch Fleiß noch durch Kenntnisse den Anforderungen, ist dem Trunke ergeben und spielt Tanzmusik mit." Roßmann betreute 1844 die Lohmaer Kinder im Winter, ab 1845 wieder Kleber und dann erneut Roßmann. Die besagte Winterschule wurde 1847 aufgehoben. Die Kinder aus Lohma kamen nach Pleystein in die Schule.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.